• Emanuel Staub

Zum Bundesliga-Start: Auf diese Schweizer gilt es zu achten

Die Bundesliga-Saison 2022/23 steht in den Startlöchern. Mittendrin: 13 Schweizer Spieler. Auf welche Personalien gilt es in den kommenden Wochen und Monaten genau zu achten?


Die Bundesliga ist traditionell die Destination Nummer eins für Schweizer Spieler im Ausland. Volle Stadien, mitreissende Fankultur und international konkurrenzfähige Teams – die deutsche Eliteklasse zählt nicht umsonst zu den beliebtesten Ligen Europas.


Die Perspektiven der aktuell in der Bundesliga unter Vertrag stehenden Schweizer könnten unterschiedlicher kaum sein – von Neo-Kapitänen bis aussortierten Verkaufskandidaten ist alles dabei. Auf welche dieser 13 Schweizer Fussballer sollte man 2022/23 ein besonderes Auge haben? Wir liefern einen Überblick:


Silvan Widmer (29) – Neuer Kapitän von Mainz 05


Im letzten Sommer wechselte Widmer nach einer tollen EURO mit der Schweiz zum FSV Mainz 05. Unter Coach Bo Svensson spielte er sich auf Anhieb fest und erfüllte seine Aufgabe als rechter Aussenläufer in einer Fünferkette mit Bravour: Defensiv agierte er stets zuverlässig und abgeklärt und auch in der Vorwärtsbewegung war er immer präsent und erzeugte viel Druck über seine Seite. Seine Scorerbilanz unterstreicht das: Ganze 4 Treffer und 5 Assists glückten ihm in seiner Debütsaison – womit er zu den offensiv produktivsten Verteidigern der ganzen Liga zählte.



Widmers starke Entwicklung wurde von Mainz nun honoriert: Für die neue Saison wurde der 31-fache Nationalspieler zum neuen Kapitän seiner Mannschaft gekürt. Eine grosse Ehre – besonders angesichts der Tatsache, dass Widmer erst seit einem Jahr in Mainz unter Vertrag steht. In der Spielzeit 2022/23 wird von ihm nun der nächste Schritt erwartet: Widmer soll auf und neben dem Platz noch mehr Verantwortung übernehmen und zu einem Gesicht des Vereins aufsteigen. Das dürfte auch Nati-Trainer Murat Yakin freuen: Unter ihm ist der frühere FCB-Verteidiger längst zur klaren Nummer eins hinten rechts aufgestiegen. Seine neue Rolle beim FSV dürfte auch seine Stellung in der Nati vor Konkurrent Mbabu weiter festigen.


Ruben Vargas (24) – Die Saison der Wiedergutmachung


Ruben Vargas zählt zu den aufregendsten Schweizer Offensivspielern seiner Generation - daran zweifelt niemand. Explosiv, dribbelstark, rotzfrech: Seine Anlagen sind verheissend. Nachvollziehbar daher, dass ein Spieler seines Talents auch unter dem Brennglas beobachtet wird. Zuletzt musste sich Vargas harsche Kritik anhören, seine Leistungen in der letzten Saison für den FC Augsburg waren mit nur 4 Scorerpunkten (1 Tor, 3 Vorlagen) unter dem Strich enttäuschend – und haben einen Transfer zu einem Verein einer anderen Grössenordnung in diesem Sommer verhindert. 2022/23 ist für Vargas daher nichts anderes als die Saison der Wiedergutmachung. Er muss beweisen, dass seine Stagnation im letzten Jahr nur ein Ausreisser nach unten war.



Mit 24 Jahren ist der frühere FCL-Shootingstar aus dem Talentalter raus. Bedeutet: Der Welpenschutz ist endgültig vorüber. Gefragt sind Tore und Vorlagen, er muss im offensiv limitierten Augsburger Team mit seinen individuellen Fähigkeiten für den Unterschied sorgen. Damit ist viel Druck verbunden, gerade, da der FCA voraussichtlich erneut in den Abstiegskampf verwickelt sein wird. Doch will Vargas in seiner Karriere noch einen Sprung nach vorne machen, muss er zum Schlüsselspieler für die Fuggerstädter aufsteigen.


Djibril Sow (25) – Europapokalsieger darf sich in der Champions League beweisen


Mittelfeldstratege Djibril Sow erlebte mit Eintracht Frankfurt eine unvergessliche Saison, an deren Ende er den Europa-League-Pokal in die Höhe stemmen durfte. Mit „Djibi“ als Motor und Dauerläufer im Zentrum, überrollte die Eintracht international ihre Gegner regelrecht. In der Bundesliga harzte es aber, der 11. Schlussrang sind für die Ansprüche der SGE deutlich zu wenig. Dank dem Gewinn der Europa League wird die Eintracht aber auch 2022/23 europäisch vertreten sein – und zwar in der Champions League.



Für Sow gab es nach seinen bärenstarken Leistungen im letzten Jahr einige zahlungskräftige Interessenten. Die Aussicht auf Champions-League-Fussball dürfte ihn aber (vorerst) von einem Wechsel abgehalten haben. Mit den Young Boys lief der gebürtige Zürcher schon 2018/19 in der Königsklasse auf – womit er den meisten seiner Teamkollegen etwas voraus hat. Ohnehin ist Sows Bedeutung für die Eintracht immens, das ganze Spiel steht und fällt mit ihm. Die Champions League ist nun die perfekte Bühne für ihn, um der Fussballwelt zu beweisen, dass er nach ganz oben gehört.


Renato Steffen (30) – Lässt sich das Abstellgleis verhindern?


Anders als Widmer oder Sow, ist Renato Steffen in seinem Verein nicht unbestritten. Die Klubführung des VfL Wolfsburg würde den Flügelspieler gerne loswerden, doch noch liess sich kein Abnehmer finden. In der vergangenen Saison war Steffen unter Coach Florian Kohfeldt komplett aussen vor, gewisse Aussagen lassen zudem vermuten, dass die beiden das Heu nicht auf der gleichen Bühne hatten. Gerade mal 20 Bundesliga-Einsätze (0 Tore, 2 Assists) bestritt Steffen in der letzten Spielzeit für die Wölfe, wobei er nur 10 Mal in der Startelf stand und nur ein einziges Mal durchspielte.



Klar ist: Weder für Wolfsburg, noch für Steffen ist diese Situation von Vorteil. Dass er in der Bundesliga bestehen kann, hat der Heisssporn in den Jahren zuvor bewiesen. Ob er nun unter Neo-Coach Niko Kovac aber plötzlich ein anderes Standing geniessen wird? Schaut man sich das Kader des VfL an, dann scheint dqs aufgrund der starken Konkurrenz – etwa Max Kruse, Maximilan Philipp, Patrick Wimmer, Omar Marmoush, Jakub Kaminski, Josip Brekalo und Luca Waldschmidt – fast ausgeschlossen. Will Steffen noch auf den WM-Zug aufspringen, ist Spielpraxis jedoch unerlässlich. Seine Causa verspricht in diesem Sommer also weiterhin viel Spannung…


Nico Elvedi (25) – Plötzlich Gladbacher Abwehrchef


Seit nunmehr sieben Jahren steht Nico Elvedi bei Borussia Mönchengladbach unter Vertrag. In dieser Zeit stieg er nicht nur zu einem Verteidiger internationaler Klasse auf, sondern eroberte sich auch in der Schweizer Nationalmannschaft einen unumstrittenen Stammplatz. Die Saison 2022/23 hält für Elvedi nun so einige Veränderungen bereit: Als erstes wäre da der neue Trainer zu nennen. Nach der Seuchen-Saison unter Adi Hütter, zog Gladbach Daniel Farke an Land. Die zweite – und für Elvedi wohl deutlich einschneidendere Neuerung – betrifft seine Rolle im Team: Nach dem Abgang von Platzhirsch Matthias Ginter (zum SC Freiburg), ist Elvedi nun plötzlich der Abwehrchef der Fohlen. Jahrelang hatte er mit Ginter einen routinierten Nebenmann an seiner Seite – fortan ist es nun er, der in der Defensive der Borussia Wortführer sein wird.



Dass Elvedi dieser neuen Aufgabe gewachsen ist, bezweifelt niemand. Und doch sind es grosse Fussstapfen, in die der 38-fache Schweizer Internationale treten muss. Nachdem die Gladbacher zuletzt turbulente Zeiten erlebt haben – in denen weder Elvedi, noch der Abwehrverbund als Ganzes glänzen konnten – soll der Verein nun wieder in ruhigere Fahrwasser gebracht werden. Wenn das gelingen soll, ist die Borussia auf eine stabile Defensive angewiesen – angeführt von einem kompetenten Abwehrchef. Es sind wegweisende Monate, sowohl für Elvedi, als auch für Borussia Mönchengladbach.


Bradley Fink (19) – Das Bundesliga-Debüt naht


Er ist mittlerweile jedem Schweizer Fussballfan ein Begriff: Bradley Fink, Borussia Dortmunds Sturmjuwel. Mit einer irren Scorerbilanz von 37 Toren und 13 Vorlagen in gesamthaft 42 Partien für den BVB-Nachwuchs, ballerte sich der Innerschweizer europaweit ins Spotlight. Der Schweizer U20-Nationalspieler bewarb sich mit seinen sensationellen Leistungen für eine Beförderung in die 1. Mannschaft. Die Sommervorbereitung durfte Fink nun mit den Profis bestreiten, gegen Ende der letzten Saison stand er in einem Testspiel gegen Dynamo Kiew bereits mit den „Grossen“ auf dem Platz.



Fink zeichnet sich durch physische Power, eine hohe Spielintelligenz und schlaue Bewegungsabläufe aus. Bei den Profis kann die 1,91m-Kante aber nicht mehr gleich stark von seinen körperlichen Vorteilen leben wie im Nachwuchsbereich. Verständlich daher, dass der BVB und Trainer Edin Terzic Fink ganz behutsam ans Bundesliga-Niveau heranführen wollen. Angesichts der Sturmprobleme des BVB könnte Fink aber dennoch schneller eine Chance erhalten, als eigentlich vorgesehen war. Gut möglich, dass das Schweizer Toptalent bereits in den kommenden Wochen seine Premiere feiern wird.