• Chris Eggenberger

Zeqiri Watch #1 – Im Morgenrot gen Koper

In der Serie "Zeqiri Watch" werden wir bei Bolzplazz die Entwicklung des 21-jährigen Andi Zeqiri detailliert beobachten und regelmässig über seinen Fortschritt berichten. Dieser erste Text fokussiert sich auf die jüngst im März gespielte EM mit der U21-Nati, zu der Zeqiri mit wenig Spielpraxis im Rücken anreiste.


In der Qualifikation zur EM war der gebürtige Lausanner mit 9 Toren in 10 Spielen der wohl beste Schweizer, nicht zuletzt deshalb dürfte sich ihm im vergangenen Sommer der Wechsel nach Brighton ermöglicht haben. An der ersten U21-Endrunde seit fast 10 Jahren wollte das Team von Mauro Lustrinelli nun in Slowenien trotz schwieriger Gruppe an die Qualileistungen anknüpfen.


Im ersten Spiel traf die Schweizer U21-Nati direkt auf England, Zeqiri begann als linker Stürmer in Trainer Lustrinellis kompaktem 4-4-2. Die Engländer hatten über das gesamt Spiel hinweg mehr Ballbesitz, für "Le Zeq", wie er sich selbst nennt, bedeutete dies viele Laufwege, um Lücken zu schliessen. Ins Pressing ging die Schweiz nur selten, so aber zum Beispiel in der 15. Minute, da kam Zeqiri nach einem hohen Ballgewinn gleich vergleichsweise frei zum Abschluss: aus knapp zehn Metern schoss er mit seinem schwächeren rechten Fuss aber zu unplatziert.

via bluewin.ch

Zeqiri überzeugt gegen England als Zielspieler


Im Schweizer Angriffsspiel war Zeqiri oft Zielspieler für Abstösse und lange Bälle, was er mit seinen 1.85 Metern gut erledigte. 50% Luftzweikampfquote und insgesamt 7 von 12 gewonnene Zweikämpfe belegen diese Beobachtung. Von Zeqiris Torquote in der Qualifikation hatte man wohl auch auf der Insel gehört, oft beschäftigten sich nämlich gleich 2 Verteidiger mit ihm. Dies öffnete Räume für andere, was sich am besten bei der Chance von Bastien Toma zeigt.


Zeqiri (Nr. 11) bindet zwei Innenverteidiger...

...wodurch wodurch Toma (Sprint in die Box unten rechts) freie Schussbahn bekommt.

Zeqiri selbst kam so aber zu eher wenigen Aktionen im Strafraum, ein Kopfball knapp am Tor vorbei in der 29. Minute war nach der Grosschance zu Beginn sein einziger Abschluss. Als verbesserungswürdig genannt werden muss Zeqiris Verhalten bei gegnerischen Eckbällen, wo er mehrfach seinen Gegenspieler aus den Augen verlor und Glück hatte, dass die Hereingabe nicht auf diesen gespielt kam. Die Arbeit der Schweizer gegen den Ball wurde am Ende trotzdem mit einem nicht unverdienten 1-0-Sieg belohnt.


Spiel 2 - Wer sie vorne nicht macht …


In der zweiten Partie gegen Kroatien startete Zeqiri erneut im Sturm eines 4-4-2 zusammen mit Jeremy Guillemenot, die beiden tauschten während der Partie regelmässig die Seiten. Der Premier-League-Söldner erwischte einen Top-Start in die Partie, bereitete in der Startviertelstunde zweimal nach einem erfolgreichen Dribbling eine gute Schweizer Chance vor, zudem wurde er aus aussichtsreicher Position nur wegen Abseits zurückgepfiffen.


Nach dem frühen Rückstand musste die Schweiz dann aber immer mehr das Spieldiktat übernehmen, was weniger Räume für die Stürmer zur Folge hatte. Anders als im England-Spiel, waren nun mehr Zeqiris Fähigkeiten mit Ball am Fuss gefragt. Er liess sich oft eine Station zurückfallen und war am Aufbau beteiligt, während Guillemenot vorne die Chancen vergab.


Nach der Pause kamen die Schweizer dann überhaupt nicht mehr zu Chancen, zu viele Fehler schlichen sich schon im eigenen und mittleren Platzdrittel ein. Im Gegenteil: Die effizienten Kroaten erhöhten via Doppelschlag auf 3-0. Die Auswechslung des nur noch wenig gesehenen Zeqiri war in der 66. Minute absolut nachvollziehbar - die Aufholjagd auf 2-3 mit Lustrinellis neuen Impulsen sah der Stürmer von der Bank aus.


In der zweiten Partie noch beim Stand von 0-3 ausgewechselt, kam Zeqiri im entscheidenden Spiel gegen Portugal erst beim Stand von 0-2 aufs Feld, Lustrinelli hatte auf Felix Mambimbi in der Startelf gesetzt. In einer knappen halben Stunde sollte Zeqiri nun helfen, das Unmögliche möglich zu machen und das Spiel noch auszugleichen. Die überlegenen Portugiesen machten aber bald das 3-0, Zeqiri wartete oft vergeblich im Strafraum auf Zuspiele und blieb bis zum Abpfiff ohne nennenswerte Aktion.


Die Schweiz schied am Ende aufgrund des Torverhältnisses im Direktvergleich mit England und Kroatien aus, die schwache Chancenverwertung von Zeqiri und co. liess mehr Lohn für die guten Spielansätze im Turnierverlauf nicht zu. Vom 21-jährige Lausanner dürften die anwesenden Scouts aber trotzdem starke Ansätze in grundverschiedenen Rollen notiert haben.


Ohne Ticket für die K.o.-Runde und ohne Torbeteiligung reiste Zeqiri also zurück nach England zu seinem Verein Brighton and Hove Albion. Welche Fortschritte er dort in seiner ersten Saison schon zeigt und wie er sein bestes Spiel für die Seagulls als linker Aussenverteidiger machte, darüber schreiben wir im nächsten Text zu #ZeqiriWatch.



Zusammenfassung Schweiz-England: https://www.srf.ch/play/tv/sport-clip/video/u21-nati-schlaegt-england?urn=urn:srf:video:5b594b31-32d1-46ad-adc6-b3013c1618f4


Zusammenfassung Schweiz-Kroatien: https://www.srf.ch/play/tv/sport-clip/video/die-live-highlights-bei-schweiz-kroatien?urn=urn:srf:video:100105f4-c909-47a4-af01-bddbf68c6d97


Zusammenfassung Schweiz-Portugal: https://www.srf.ch/sport/fussball/u21/0-3-niederlage-gegen-portugal-u21-euro-findet-fuer-die-schweiz-ein-abruptes-ende