• Besnik Shala

YB-Junior Shkelqim Vladi soll den FC Aarau zum Aufstieg führen

Aktualisiert: 15. März

6 Scorerpunkte in 8 Spielen: Shkelqim Vladi (21) ist beim FC Aarau sehr gut gestartet. Der YB-Leihspieler entwickelt sich prächtig – und nimmt beim FCA im Kampf um den Aufstieg eine wichtige Rolle ein.


Im vergangenen Sommer unterschrieb Shkelqim Vladi seinen ersten Profivertrag beim BSC Young Boys, datiert bis 2023. In den Jahren zuvor sorgte der gebürtige Thuner im YB-Nachwuchs für ordentlich Furore. Einen Teil seiner fussballerischen Ausbildung durchlief er beim FC Thun, ehe der Ligakrösus aus Bern auf seine Scorer-Qualitäten aufmerksam wurde und ihn in die eigene Akademie lotste. In sämtlichen YB-Nachwuchsauswahlen fiel Vladi daraufhin konstant mit Toren und starken Leistungen auf. Seit der U17 liess er in 61 Partien das Netz satte 36-Mal zappeln, am erfolgreichsten war er dabei in der U21 (16 Tore in 29 Partien). Vladis Quote würde wohl noch höher ausfallen, wenn der reguläre Spielbetrieb wegen Corona nicht für längere Zeit eingestellt worden wäre.


Der junge Angreifer sammelte in der Saison 2018/19 zudem erste Erfahrungen im internationalen Geschäft, mit der Berner U19 trat er in der UEFA Youth League gegen Manchester United, Juventus und Valencia an, wobei ihm in 4 Einsätzen 2 Scorerpunkte (1 Tor, 1 Vorlage) gelangen. Angesichts seines Leistungsausweises im Nachwuchs ist es nicht weiter erstaunlich, dass ihm die Verantwortlichen eine Perspektive in der 1. Mannschaft eröffneten. Ab nächstem Sommer könnte Vladi beim (noch) amtierenden Schweizer Meister eine echte Rolle übernehmen – seine gute Entwicklung in der Challenge League in dieser Saison macht es möglich.




Ein Spätprofi geht in der Challenge League den nächsten Schritt


Anders als YB-Altersgenossen wie Felix Mambimbi, Esteban Petignat, Nico Maier oder Fabian Rieder, erhielt Vladi in der Ära Seoane keine Chance in der 1. Mannschaft. Er ist ein "Spätprofi", der sein Debüt im Profifussball erst kurz vor seinem 21. Geburtstag feiern konnte. Der Hauptgrund dafür ist seine Verletzungshistorie: 2019 zog sich Vladi einen Kreuzbandriss zu, der ihn lange aus dem Verkehr zog. Der Zeitpunkt der Verletzung war für ihn persönlich extrem bitter: Der junge Angreifer befand sich mit 8 Treffern aus 7 Partien für die U21 unmittelbar vor dem Unglück in blendender Verfassung und schnupperte an einem Platz im Super-League-Kader. Trotz dieses grossen Rückschlags blieben die Verantwortlichen aber geduldig und stärkten ihm den Rücken – denn in der Bundeshauptstadt ist man vom Potential des Stürmers überzeugt.


Um ihm Spielzeit im Herrenbereich zu verschaffen, wurde Vladi im letzten Sommer per Leihe in die Challenge League abgegeben. Aufsteiger Yverdon-Sport sicherte sich seine Dienste gemeinsam mit zwei weiteren YB-Talenten (Lewin Blum und Mischa Eberhard). Im Nu spielte sich Vladi fest und eroberte einen Stammplatz. Bis zur Winterpause bestritt er in Meisterschaft und Cup 21 Partien, wobei ihm 3 Tore und 2 Assists glückten. Auf den ersten Blick eine ausbaubare Statistik. Man darf aber nicht vergessen, dass Yverdon erstens die Devise "Defense First" fährt, und Vladi zweitens zum allerersten Mal überhaupt im Profibereich antrat. In der Westschweiz war man vom jungen Berner Oberländer sehr angetan und hätte ihn gerne behalten – YB hatte aber andere Pläne.



Überraschend machten die Young Boys von einer frühzeitigen Rückholklausel Gebrauch und reichten Vladi in der Winterpause leihweise zum Leader Aarau weiter. Durch die offensivere Ausrichtung des Aufstiegsaspiranten würden Vladis Qualitäten besser zum Tragen kommen und seine Entwicklung könnte erfolgreicher forciert werden, so wohl der Gedanke der Berner Verantwortlichen. Das Gedankenspiel scheint aufzugehen, denn der Youngster hat sich in der Rückrunde auf Anhieb einen Stammplatz erkämpft und ist zu einem integralen Bestandteil des Aarauer Angriffs geworden. In 8 Partien für die Aargauer registrierte Vladi starke 6 Scorerpunkte (3 Tore, 3 Assists), womit er schon jetzt seine Ausbeute aus der Hinrunde übertroffen hat. Was macht ihn aktuell so stark?


Ein Alleskönner in der Offensive – Aaraus neuer Stojilkovic?


Vladi bringt ein ausserordentlich spannendes Gesamtpaket mit. Der 1,84m grosse Angreifer ist athletisch, antrittsschnell und körperlich robust. Er ist giftig in Duellen, scheut keine Zweikämpfe und versteht es, den Ball abzuschirmen und diesen als Anspielstation mit dem Rücken zum Tor zu behaupten. Seine physischen Qualitäten werden durch technische Stärken ergänzt: Vladi ist äusserst ball- und passsicher, besitzt einen starken ersten Kontakt und dribbelt sehr gut. Er ist trickreich und spielfreudig, lanciert seine Mitspieler mit tödlichen Pässen oder versucht seine Gegner im Eins-gegen-Eins zu vernaschen. Vladi ist dank seiner technischen Beschlagenheit viel mehr als ein reiner Strafraumstürmer, er will sich aktiv ins Aufbau- und Kombinationsspiel seiner Mannschaft einbringen und legt Tore fast so gerne auf, wie er sie selbst erzielt. In der spielstarken, dynamischen FCA-Mannschaft kommt sein vielseitiges Gesamtpaket hervorragend zur Geltung.


Die Aarauer Offensive ist für Challenge-League-Verhältnisse ohnehin exzellent bestückt: Vladi reiht sich in eine namhafte Angriffslinie rund um Altmeister Shkelzen Gashi, Topscorer Kevin Spadanuda und Freigeist Randy Schneider ein. In der Hinrunde kam der FCA noch ohne echten Mittelstürmer aus. U21-Nationalspieler Filip Stojilkovic wurde nach seiner überragenden letzten Saison im vergangenen Sommer zu seinem Stammklub Sion zurückbeordert. Ein Ersatz wurde damals nicht verpflichtet. Auf dem Papier ist Vladi nun der späte Nachfolger des letztjährigen Topscorers. Aber in Wahrheit hinkt der Vergleich ein wenig. Denn der YB-Junior ist eben kein typischer Mittelstürmer, der wie Stojilkovic vor allem als Brecher in der Box funktioniert, sondern ein variabler, technisch versierter Angreifer, der nicht nur im Sechzehner wertvoll für sein Team ist.



Vladi besitzt grosses Potential und dürfte nach seinen starken Auftritten im FCA-Trikot ein ernsthafter Kandidat für ein erstmaliges U21-Nati-Aufgebot sein. Lustrinelli beobachtet seine Entwicklung aufmerksam. Das Gleiche gilt auch für den kosovarischen Verband, der den Berner schon länger auf dem Zettel hat. Für welches Land Vladi in Zukunft auflaufen wird, steht noch in den Sternen. Ohnehin dürfte sein unmittelbarer Fokus auf dem Aufstieg mit Aarau liegen. Als Stammkraft in der Offensive wird von ihm schliesslich erwartet, dass er mit Scorerpunkten zum erfolgreichen Gelingen der Mission beiträgt – und genau das tut er bislang auch. Christoph Spycher und die Young Boys werden an Vladis toller Entwicklung ebenfalls ihre Freude haben. Gut möglich nämlich, dass das Eigengewächs im Sommer im Zuge eines grösseren Umbruchs endlich eine Gelegenheit erhält, sich in der 1. Mannschaft zu zeigen.