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Wer ist der beste Spieler der Liga ausserhalb von YB und Basel?

Eine spannende, aber streitbare Frage: Wer ist der beste Super League-Spieler, der sein Geld nicht bei den Topklubs YB oder Basel verdient? Die Bolzplazz-Redaktion nennt ihre Kandidaten.


Wer ist der beste Spieler der Liga? In den letzten Jahren fiel die Antwort zwangsläufig immer auf einen Spieler in gelb-schwarz oder rot-blau. Seit 2014 gewann stets ein YB- oder FCB-Profi den offiziellen SFL Best Player Award. Wir fragen uns nun: Wer ist aktuell der beste Spieler der Super League, der weder in Bern, noch in Basel kickt? Die Antworten unserer Autoren überschneiden sich wenig überraschend nicht. Nur unsere Vertretung aus der Romandie kam zum gleichen Entschluss...


Chris Eggenberger:

Filip Ugrinic (22): FC Luzern

Wenn wir Spieler bewerten, muss speziell in der Super League, die so oft als Ausbildungsliga eingestuft wird, der Faktor Potential in Betracht gezogen werden. Und ein Spieler mit grosser Zukunft ist ohne Frage Luzerns Filip Ugrinic. Doch nicht nur in Zukunft, schon heute ist der Mittelfeldspieler das Herzstück des FCL und für Fabio Celestini praktisch unverzichtbar. Ugrinic ist das, was einem im Experten-Lehrgang wohl als Allrounder beigebracht wird. In dieser Saison bisher mehrheitlich als linker Mittelfeldspieler aufgestellt, bewegt sich Ugrinic überall auf dem Platz zwischen den Linien in freiem Raum und versucht, die Strukturen des Gegners zum Beispiel durch das Kreieren von Überzahlsituationen zu brechen. Er kann den Ball sowohl durch eigene Läufe mit Ball wie auch mit Pässen effektiv nach vorne bewegen.


Durch seine starke physische Präsenz ist Ugrinic auch im Spiel gegen den Ball – vor allem im Pressing – wertvoll für den FCL. 2020/21 war auf jeden Fall seine Durchbruchs-Saison, in dieser Spielzeit hat sich der Schweizer mit serbischen Wurzeln aber im Angriffsdrittel erneut gesteigert: Er war mit zwei Toren und drei Assists an mehr als der Hälfte von Luzerns neun Pflichtspiel-Toren 2021/22 direkt beteiligt – gefühlt hat er bei jedem Angriff der Innerschweizer seine Füsse im Spiel. Im Sommer kämpfte unter anderem der FC Basel um die Unterschrift des Luzerner Eigengewächses, auch ein Wechsel in eine Top-5-Liga wäre wohl bereits möglich gewesen. Doch Ugrinic bleibt dem Schweizer Fussball erhalten, er verlängerte vor wenigen Tagen beim FCL bis 2024.



Maximilian Wagner:

Leonidas Stergiou (19): FC St. Gallen

Als bester Spieler der Liga, der nicht bei den Titelkandidaten Basel und YB angestellt ist, habe ich Leonidas Stergiou gewählt. Das Innenverteidigertalent lief mit seinen 19 Jahren schon knapp 90-mal für die Profis des FCSG auf und ist zudem der jüngste Spieler der Liga-Geschichte, der 50 Pflichtspiele bestritt. Darüber hinaus hat er gemäss Transfermarkt den dritthöchsten Marktwert der ganzen Super League. Nicht umsonst ist Stergiou also seit der U-15 bei jeder Schweizer Juniorenauswahlstufe mit an Bord. Die Entwicklung des Wattwilers schreitet derart vielversprechend voran, dass sich immer wieder grosse europäische Vereine nach ihm erkundigt haben sollen. Als mögliche Interessenten wurden in den letzten Monaten Vereine wie Sevilla, Valencia oder Genua genannt. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis es zu einem “grossen” Wechsel kommen wird – ein Schritt, der jedoch wohlbedacht sein sollte.


Kommen wir nun aber zu Stergiou selbst, der 2020 zum besten Youngster der Liga ausgezeichnet wurde. Seit er im Alter von 16 Jahren erstmals für die Espen Spielminuten sammelte, machte er mit seiner Schnelligkeit von sich reden. Stergious Tempo, kombiniert mit einer hohen Spielintelligenz, einem hervorragenden Gespür für den Raum und einer beneidenswerten Technik, verleiht ihm ein hochmodernes und äusserst vielversprechendes Gesamtpaket. Heute dirigiert der U21-Nationalspieler als unumstrittener Abwehrchef die St.Galler Defensive, fängt Bälle dank seinem exzellenten Stellungsspiel bereits im Mittelfeld ab und leitet dann umgehend den Gegenangriff ein. Darüber hinaus ist Stergiou polyvalent einsetzbar, nicht nur half er bereits als Rechtsverteidiger aus, auch seine Interpretation der Innenverteidigerrolle kommt einem klassischen Libero sehr nahe. Als Manko wird aber immer wieder seine Körpergrösse und das Kopfballspiel ausgemacht, mit 1,81m ist er definitiv ein kleingewachsener Innenverteidiger. Dennoch: Was Stergiou in so jungem Alter seit Jahren zeigt, ist schlicht überragend. Der gleichen Meinung sind auch die Datenspezialisten des CIES Football Observatory, die ihn regelmässig zu den weltweit besten Teenagern zählen.



Emanuel Staub:

Antonio Marchesano (30): FC Zürich

Aktuell kann kein Weg an ihm vorbeiführen: Antonio Marchesano verzaubert die Liga nach Lust und Laune. Der 30-jährige Routinier benötigte beim FCZ eine gewisse Anlaufzeit, ist nun aber unbestritten auf seinem absoluten Höhepunkt angekommen. Der offensive Mittelfeldspieler begeistert mit enormen Spielwitz, technischer Klasse und unheimlicher Torgefahr. Bereits in der letzten Saison brillierte Marchesano und hielt die Zürcher im Alleingang von den grössten Abstiegssorgen fern. In 34 Partien erzielte der gebürtige Tessiner 2020/21 13 Tore und 6 Vorlagen, ein überragender Wert für einen Zehner. Was Marchesano nun aber unter Neu-Coach André Breitenreiter abreisst, ist schlicht nationale Topklasse. Nach fünf Spieltagen stehen vier Treffer auf dem Konto des 1,68m kleinen Wirbelwinds, zwei davon per direktem Freistoss. Im Cup erzielte er zudem einen Hattrick. Mit dem Ball am Fuss gelingt Marchesano zur Zeit alles, er ist Dreh- und Angelpunkt jedes Zürcher Angriffs und ist für kaum einen Gegenspieler zu fassen.


Marchesano ist ein Künstler, ein Edeltechniker, wie man ihn im Schweizer Fussball nicht oft findet. In seiner aktuellen Verfassung ist er ausserhalb von Bern und Basel die grösste Attraktion der Liga. Marchesanos Aufstieg zum individuell besten Spieler seines Vereins ist beispielhaft für die unglaubliche Entwicklung, die er in den letzten Monaten genommen hat. Ein Überflieger wie ihn würde es im Normalfall ins Ausland ziehen. Mit 30 Jahren ist ein Wechsel in eine Topliga aber wohl nicht mehr die wahrscheinlichste Option. Stattdessen könnte er aber zu einem Thema für die Nationalmannschaft werden: Murat Yakin hat in seiner kurzen Amtszeit bereits bewiesen, starke Leistungen in der heimischen Liga mit Nati-Aufgeboten zu honorieren. Marchesanos Weg ist noch lange nicht zu Ende, sein Stern geht im Moment gerade erst so richtig auf.



Livio Dörig:

Lukas Görtler (27): FC St. Gallen

Trotz gerade einmal knapp 80 Spielen für den FCSG ist Lukas Görtler schon so etwas wie eine Art Vereinslegende und meiner Meinung nach der beste Akteur ausserhalb der Schwergewichte Basel und YB. Das Spiel des Deutschen wird mir vielfach unterschätzt. Wenn man ein Match der Espen vor dem Bildschirm verfolgt, konzentriert man sich nur selten auf den Rechtsfuss. Live im Stadion fällt die ungemeine Wichtigkeit und die Klasse Görtlers aus meiner Sicht viel mehr auf. Der Mittelfeldspieler ist gefühlt überall auf dem Platz zu finden und macht trotzdem selten Fehler. Görtlers Aktionen haben immer Hand und Fuss und auch auf engem Raum findet er entweder durch kluge Pässe oder geschickte Körpertäuschungen stets optimale Lösungen. Wegen seiner enormen Pressingresistenz ist er auch unter hohem gegnerischem Druck kaum vom Ball zu trennen. Dabei helfen ihm natürlich auch seine 1,86m-Körpergrösse und seine allgemein starke Physis. Als Gegenspieler ist ein Duell mit dem Heisssporn sicherlich nicht immer angenehm. Und obwohl der gebürtige Bamberger immer dahin geht wo es wehtut, hat er bislang im grün-weissen Dress nur gerade einmal zwei Partien krankheits- oder verletzungsbedingt verpasst.


Diese Konstanz ist einzigartig und unterstreicht die Verlässlichkeit des ehemaligen Akteurs im Trikot des grossen FC Bayern. Görtler ist das unverzichtbare Puzzlestück im Kollektiv der Espen und auf seiner halbrechten Seite Bindeglied und Antreiber zugleich. In puncto Scoringqualitäten besteht sicherlich noch etwas Luft nach oben, doch sieben Treffer und 17 Assists in 79 Pflichtspielen für die St. Galler können sich für seine Position und Spielart doch sehen lassen. Neben dem aufgezählten fussballerischen Können ist der Deutsche natürlich auch unangefochtener Führungsspieler und seit dieser Saison Captain der jungen Elf von Zeidler. In der fussballverrückten Ostschweiz ist Görtler mit seinen Emotionen und seinem unbändigen Einsatzwillen bestens aufgehoben. Dass er trotz Angeboten aus der Bundesliga seinen Vertrag im Juli bis 2026 verlängert hat, ist ihm hoch anzurechnen und die Verantwortlichen haben damit auch ein Statement Richtung Konkurrenz gesendet. Vielleicht ist meine letzte Aussage etwas mutig: Ich behaupte, dass ein Team mit zehn Lukas Görtlers auf dem Spielfeld klar und deutlich Schweizer Meister werden würde.



Joel Trummer:

Becir Omeragic (19): FC Luzern

Seit seinem Wechsel aus der U18-Mannschaft von Servette im Sommer 2018, hat Becir Omeragic eine rasante Entwicklung durchlaufen. Seit weit über einem Jahr gehört der gebürgte Genfer mit bosnischen Wurzeln zu den wichtigen Stützen im Fanionteam des FC Zürich. Seine Leistungen blieben auch dem ex-Trainer der Schweizer Nationalmannschaft, Vladimir Petkovic, nicht verborgen. So stand Omeragic bei der diesjährigen Europameisterschaft mit gerade mal 19 Jahren im 23-Mann Kader der Nati. Nach Startschwierigkeiten mit schweren Verletzungen eroberte Omeragic die Bühne des Schweizer Fussballs im Sturm. Moderner Innenverteidiger – diese Bezeichnung passt perfekt zu seinen Fähigkeiten. Er ist antritts- und passstark, technisch beschlagen und zweikampfstark, sowie äusserst abgeklärt am Ball. Zudem ist der 1,87m grosse Teenager sehr variabel einsetzbar, am meisten Erfahrung hat er aber als rechter Innenverteidiger in einer Dreierkette gesammelt, kann aber auch in einer Viererkette im Zentrum sowie als Rechtsverteidiger eingesetzt werden. Diese Art von Variabilität gewinnt im Fussball immer mehr an Bedeutung und wird ihm in Zukunft sicher noch oft zu Gute kommen.


Ich habe Becir Omeragic auch deswegen ausgewählt, weil er für sein doch noch sehr junges bereits grosse Verantwortung auf seine Schultern nimmt. Die Defensive, gerade die Innenverteidigung, ist im Fussball ein Gebiet, welches Ruhe erfordert. Werte wie Routine, Ruhe am Ball, Übersicht und eine tiefe Fehlerquote sind dort so wichtig wie auf fast keiner anderen Position auf dem Platz. Was ich damit sagen will: Es gibt für einen Youngster definitiv einfachere Positionen. Er erfüllt seine Aufgabe jedoch extrem stilsicher und davor ziehe ich den Hut. Ein Routinier ist Omeragic altersbedingt logischerweise noch nicht, aber er hat durchaus eine routinierte Spielweise. Klar wird es noch ein paar Jahre dauern, bis er als kompletter Innenverteidiger angesehen werden kann. Wenn er jedoch weiterhin so akribisch arbeitet und von weiteren schlimmeren Verletzungen bewahrt wird, sehe ich ihn auf gutem Wege dazu – und bereits jetzt als Spieler mit dem besten Gesamtpaket ausserhalb von YB und Basel.



Guest contribution by Super League Report (@SuisseSL):

Miroslav Stevanovic (31): Servette FC

It’s always difficult to compare players playing in different positions on the pitch… How can we say that a striker is better than this defender or that fullback for example? But as we all know, the offensive players are always put ahead of the others on the scene (see Ballon d’Or). And if I analyze all the offensive players in the Super League – excluding YB and Basel – I can’t find anyone who is more consistently decisive for his team than Miroslav Stevanovic. Beside his excellent career in which he has played for some top clubs in Europe (proof of his excellent level), he has carried his team since his arrival in Genève and has helped Servette to become one of the best team in the league behind the two giants. He was key in Servette’s incredible rise from the Challenge League to the top three of the Super League. Technical creator, scorer, worker: “Miro” can do everything on the pitch. His statistics talk for themselves: Two seasons in the Super League, 13 goals and 18 assists. For a winger, these are incredible stats. Moreover, I love the fact that he decided to stay at Servette, even though he could have easily played for one of the two Swiss giants without any problems, or even in one of the top five European championships.


@SuisseSL: https://twitter.com/SuisseSL



Giacomo Notari:

Miroslav Stevanovic (31): Servette FC

My pick is Miroslav Stevanovic, the Bosnian international player of Servette. I honestly was hesitating between a few names, but what made me choose Servette’s number 9 is how much his teams success depends on him. The importance he holds in Servette’s system is crucial, and the fact that he’s also a very unselfish player that makes everybody around him better only strengthens this aspect. Servette can always rely on him when the team needs him most. It’s rare that he has an individually bad performance. His consistency and regularity are also what makes him one of the best.


I also think that we can pretty easily affirm that if Stevanovic’s finishing was better, he would earn his money in a bigger league since years. But still, his assist-provider role at Servette is enough to carry the attack of the Grenats. I honestly think that in at least 50% of his team’s goals, he’s either the scorer, the assistant or gives the pre-assist. Servette can be really grateful to having him just secured for four more seasons (new contract until 2025). Miroslav Stevanovic is that rare type of a humble and incredibly talented player that just everyone enjoys watching play and bring his magic to the Super League.