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Wer ist der beste Sommertransfer der Super League?

Aktualisiert: Nov 21

Wer ist der beste Sommerneuzugang der Super League? Dafür gibt es einige Kandidaten, eine einzige richtige Antwort gibt es nicht. Die Bolzplazz-Autoren stellen ihre Picks vor.


Emanuel Staub:

Adriàn Guerrero, FC Zürich

Am meisten eingekauft wurde zwar in Basel, der Transfersieger ist meiner Meinung nach aber der FCZ. Mit Adriàn Guerrero (23) schnappte sich der Stadtclub den aktuell wohl besten Linksverteidiger der Liga – und das ablösefrei. Der laufstarke, dynamische Aussenläufer kam von Valencia B und wurde mit einem Vertrag bis 2024 ausgestattet, nachdem er die letzte Saison leihweise bei Lugano bestritten und dort auf sich aufmerksam gemacht hatte. In Breitenreiters 3-4-1-2-System ist Guerrero als linker Schienenspieler eine Bank und hat ganz nebenbei eine grosse Schwachstelle im Zürcher Team behoben: Seit Jahren fehlte über die Aussenverteidigerpositionen nämlich der offensive Druck, mit sagenhaften 8 Scorerpunkten in 13 Liga-Partien hat Guerrero dieses Problem auf Anhieb gelöst. Technisch stark, tolle Flanken und enorme offensive Power: Der Spanier hebt das gesamte FCZ-Offensivspiel auf ein neues Level.


© Martin Meienberger


Livio Dörig:

Ousmane Diakité, FC St. Gallen

Wäre Diakité in seiner noch jungen Karriere nicht knapp zwei Jahre aufgrund eines Totalschadens in seinem Knie ausgefallen, würde er nun wahrscheinlich nicht das grün-weisse Dress tragen. Der Mittelfeldspieler aus Mali gehört RB Salzburg und ist hochtalentiert. Im Farmteam Liefering und beim SCR Altach sammelte Diakité erste Erfahrungen im europäischen Fussball. Über 80 Partien verpasste er in dieser Zeit aber verletzt, in St. Gallen strebt er nun einen Neuanfang an – ganz zur Begeisterung der FCSG-Fans. Nach dem schmerzlichen ablösefreien Abgang von Regisseur Quintilla zum FC Basel, musste Sportchef Alain Sutter die Lücke in der Zentrale mit geringem Budget schliessen. Den Espen gelang es, Diakité für eine Saison auszuleihen – was sich sogleich als kleiner Coup erwies.



Der physisch robuste Sechser absolvierte bislang 11 Super League-Partien, erzielte dabei 2 Treffer und überzeugte spielerisch und kämpferisch auf ganzer Linie. Von Quintilla spricht in der Ostschweiz schon lange keiner mehr. Meiner Meinung nach hat Diakité sogar nochmals mehr Qualität als der Spanier und ist für mich daher der beste Sommertransfer. Diakité ist extrem pressingresistent und fast nur mit unerlaubten Mitteln vom Ball zu trennen. Bis dato wurde er in der Liga ganze 20-mal gefoult, was für einen defensiven Mittelfeldspieler sehr viel ist. Dank einer Körpergrösse von 1,89m ist er mit seiner physischen Präsenz im Zentrum extrem wertvoll für die Mannschaft. Trotz seiner Verletzungsanfälligkeit und seiner Statur verblüfft er immer wieder mit akrobatischen Einlagen à la Zlatan Ibrahimovic. Die Espen haben auf jeden Fall – wenn auch vorerst nur leihweise – einen echten Glücksgriff gelandet.



Maximilian Wagner:

Andy Pelmard, FC Basel

Der FCB schnappte sich den 21-jährigen französischen U21-Nationalspieler leihweise aus Nizza. Nur zwei Tage nach seiner Ankunft stand der talentierte Innenverteidiger bereits für die Basler in der Startaufstellung – und ist seither aus dieser nicht mehr wegzudenken. Sofort war allen Beobachtern klar, dass Pelmard das Zeug zum absoluten Schlüsselspieler hat: Er ist pfeilschnell und technisch beschlagen, stark im Zweikampf und gut in der Spieleröffnung. Pelmard verfügt zudem über ein hervorragendes Antizipationsvermögen und kann so in Windeseile die richtigen Entscheidungen treffen. Trotz einer geringen Körpergrösse von nur 1,80m, muss er sich auch physisch keineswegs verstecken, dank viel Biss und dem angesprochenen Tempo kann er diesen Nachteil kaschieren. Beachtlich: Pelmard kann seit seiner Ankunft eine Startelfquote von 100% vorweisen. Kein anderer Basler erhielt mehr Spielzeit als der junge Franzose – was ihn gemeinsam mit Cabral und Lindner zum bislang wichtigsten Akteur des FCB in dieser Saison macht. Umso besser ist es, dass Andy Pelmard laut Medienberichten nun seit knapp zwei Wochen fix dem FCB gehört. Gemäss einer Recherche der Basler Zeitung griff eine automatische Kaufklausel nach einer bestimmten Anzahl an Einsätzen. Der FCB soll Pelmard daher für etwas weniger als zwei Millionen Euro definitiv übernommen haben.


© Manuel Geisser

Owen Ogieva:

Nikola Boranijašević , FC Zürich

Nikola Boranijašević (29) wechselte im Sommer ablösefrei von Lausanne-Sport zum FC Zürich und hat sich auf Anhieb mit guten Leistungen in die Startelf gespielt. Während der aktuellen Spielzeit erzielte der Rechtsverteidiger zwei Treffer und bereitete einen weiteren vor. Dank diesem Transfer hat der FCZ endlich einen würdigen Nachfolger für Kevin Rüegg gefunden, denn seit dessen Abgang klaffte eine Lücke auf der auf rechten Abwehseite. Boranijašević hat gemeinsam mit Guerrero die Aussenverteidiger-Probleme der Zürcher gelöst und bildet zusammen mit dem Spanier ein offensiv brandgefährliches Duo. Mit seiner Geschwindigkeit und seinem Zug zum Tor vermag sich der Serbe bestens in Breitenreiters 3-4-1-2-System einzugliedern und kann sich aufgrund der offensiven Grundausrichtung an jedem Angriff beteiligen. Diese Spielweise kommt ihn sehr zugute, schliesslich brillierte er in der letzten Spielzeit bereits für Lausanne in einem ähnlichen System mit starken 9 Scorerpunkten.




Luca Feurer:

Élie Youan, FC St. Gallen

Élie Youan wechselte bereits im September 2020 leihweise von Ligue 1-Verein Nantes zum FC St. Gallen. Mit 3 Toren und 5 Assists in Meisterschaft und Cup bis zum 35. Spieltag, konnte er sich lange Zeit aber nicht nachhaltig aufdrängen. So kam der FCSG im Frühjahr zum Schluss, die Kaufoption des ex-U20 Nationalspieler Frankreichs nicht zu ziehen – auch, weil sich der FCSG im Abstiegskampf befand und keine finanziellen Risiken eingehen wollte. Am zweitletzten Spieltag kam es zum Duell gegen Lausanne-Sport. Den Ostschweizern gelang der Befreiungsschlag dank einem diskussionslosen 5:0-Sieg. Élie Youan schoss dabei 2 Tore und bereitete 2 weitere vor. Mit der Sicherheit, auch in der Saison 2021/22 in der Super League spielen zu dürfen, macht die sportliche Führung eine Kehrtwende und der FC St .Gallen zieht noch am gleichen Tag die Kaufoption für Youan. Die richtige Entscheidung, wie die neue Saison zeigt.



Denn es scheint fast, als hätte Youan in den letzten Spielen die St. Galler Stürmerdiskussion beendet. Zusammen mit dem Ex-YB-Junior Kwadwo Duah bildet er das neue Sturmduo der Espen. Der 22-jährige Stürmer schoss die Ostschweizer aus der Minikrise und das ausgerechnet gegen die beiden stärksten Teams der Liga. Erst trifft mit einem herrlichen Fernschuss beim 3:1-Heimsieg gegen den Meister YB, eine Woche später köpfelt er den FCSG zum 1:0-Auswärtssieg im St.Jakob Park in Basel. So steht er nach einem Drittel der Saison schon bei 5 Toren, also bei gleich vielen wie in der gesamten letzten Saison. Schon jetzt lässt sich daher meiner Meinung nach sagen, dass die fixe Übernahme von Youan der beste Transfer des Sommers war.



Chris Eggenberger:

Giorgio Contini, GC

Der Grasshopper Club Zürich hat wieder ein Gesicht. Kaum jemand spricht mehr von Wolverhampton, Joao Carlos Pereira oder Sky Sun. Denn GC ist zurück in der Super League. Und sie haben mit Giorgio Contini einen Schweizer Trainer geholt, der Erfahrung in der Super League mitbringt und vor allem auch sehr gut mit den Medien kann. Aber nicht nur für die Aussendarstellung hat sich die Verpflichtung des 47-jährigen Winterthurers für die Hoppers ausgezahlt, sie sind aktuell in der oberen Tabellenhälfte klassiert und haben mit Spielen wie dem 3:3 im Stadtderby oder dem 5:2 gegen St. Gallen schon viel Freude bereitet. Contini zeigte bereits in der letzten Saison mit Lausanne seine Fähigkeiten, einen Aufsteiger erfolgreich durch die Saison zu führen und auch 2021/22 hat er die vielen Neuzugänge schon zu einer starken Mannschaft geformt. Contini ist für mich das zentrale Element im aktuellen GC-Aufschwung und deshalb mein Top-Transfer des Sommers.



Anmerkung: Die Picks unserer Autoren sind rein subjektiv. Selbstverständlich gäbe es genug andere Spieler, die ebenfalls in Frage kämen. Daher nachfolgend eine kurze Liste von "Honorable Mentions":


  • Zeki Amdouni zu Lausanne-Sport

  • Kal Sène zu GC

  • Sebastiano Esposito zum FC Basel

  • Zan Celar zum FC Lugano