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Wer ist der beste Schweizer Spieler in 5 Jahren?

Welcher Schweizer Fussballer wird in fünf Jahren als der Beste seines Landes gelten? Die Bolzplazz-Redaktion stellt ihre Picks vor.


Wer ist aktuell der beste Schweizer Fussballer? Ist es nach wie vor Xherdan Shaqiri? Ist es Nati-Captain Granit Xhaka? Vielleicht Manuel Akanji? Oder wieso eigentlich nicht Yann Sommer? Die Frage nach einem Besten ist immer kontrovers. Richtige Antworten gibt es nicht. Doch es gibt Spieler, die dieser Kategorie näher kommen als andere. Welche das wohl in fünf Jahren sein werden?


Chris Eggenberger:

Breel Embolo, 24 Jahre

Breel Embolo erfüllt alle Voraussetzungen, um eine Weltklasse-Stürmer zu werden. Die beim 24-Jährigen vorhandene Kombination aus Physis und Tempo erfüllt kein anderer Schweizer in seiner Generation. Mit mehr Erfahrung, verbesserter Chancenverwertung und hoffentlich weniher Verletzungspech, wird der dann 29-jährige Embolo in fünf Jahren Gladbach als Sprungbrett genutzt haben – wie übrigens auch der aktuell beste Schweizer Fussballer Granit Xhaka – und das Trikot eines Topklubs tragen.


In der Nati ist Embolo mit seinem einzigartigen Spielerprofil bereits heute unverzichtbar. Seine Auftritte gegen Nordirland und Litauen haben unterstrichen, wie wertvoll seine Anlagen – wenn gewinnbringend eingesetzt – sein können. 2026 wird er im Sturm neben Ruben Vargas, Bradley Fink und co. als Leader agieren und könnte sogar den Rekord von 118 Länderspielen für die Schweiz von Heinz Hermann angreifen. Letzteres ist gar nicht einmal so unwahrscheinlich: Mit 24 Jahren hat Embolo bereits die Marke von 50 Länderspielen geknackt. Bleibt er nun über längere Zeit von Verletzungen verschont, wird er zu einem ernsthaften Anwärter auf den Titel des Rekordnationalspielers.





Besnik Shala:

Andi Zeqiri, 22 Jahre

Nicht ein Trainer oder ehemaliger Weggefährte, der Zeqiri nicht für seine hochprofessionelle Einstellung lobt. Doch reicht Einstellung und Arbeitsmoral, um der beste Schweizer Fussballer zu werden? Der Lausanner, der zu den jüngsten Profi-Debütanten des Schweizer Fussballs gehört, erhielt bis zur Volljährigkeit viele Vorschusslorbeeren: Technisch sehr stark, dynamisch und temporeich, aggressiv und willensstark auch in der Rückwärtsbewegung sei der junge Stürmer. Gerecht wurde er diesen Lobeshymnen bis dato aber selten. Nach einer Leihe in die Jugend von Juventus, lehnte er vernünftigerweise die Weiterarbeit mit den Italienern ab und kehrte zu seinem Heimatverein Lausanne-Sport zurück. In der Aufstiegssaison 2019/20 explodierte Zeqiri schliesslich und trug mit 25 Torbeteiligungen entscheidend zum Aufstieg bei.


Karrieretechnisch ging es daraufhin ebenfalls steil aufwärts. Im Oktober 2020 verpflichtete ihn Brighton & Hove Albion für rund 4 Millionen Euro. Aber in seinem enttäuschenden ersten Jahr in England mit kaum Einsatzzeit, bestätigte sich die Vermutung, die viele Experten hierzulande hatten: Der Sprung von der Challenge League in die Premier League ist viel zu gross. Also musste Zeqiri in diesem Sommer einen Schritt zurück gehen, um zwei weitere nach vorne zu machen: Es folgte ein Leihwechsel zum FC Augsburg. Der talentierte Stürmer kommt in der Bundesliga regelmässig zum Einsatz, oft sogar von Beginn. Gegen den BVB gelang ihm jüngst sein erstes Tor, kurz zuvor feierte er sein Debüt in der A-Nati. Gelingt ihm in Augsburg der erhoffte nächste Schritt, könnte er in Deutschland den Grundstein für eine sehr erfolgreiche Karriere legen, die ihn für ihn auch den Status des so dringend benötigten Nati-Torjägers bereithalten könnte…




Livio Dörig:

Gregor Kobel, 23 Jahre

Ein Blick in die Zukunft zu wagen ist immer schwierig, doch für mich wird Gregor Kobel in fünf Jahren der beste Spieler des Schweizer Nationalteams sein. Nach seinem Wechsel vom VfB Stuttgart hat der Torwart bislang elf Partien für Borussia Dortmund absolviert und auf Anhieb überzeugen können. Der Schlussmann besticht durch seine minimale Fehleranfälligkeit, starken Reflexen und hervorragendem Aufbauspiel. Ebenfalls ist er im 1 vs. 1 ein regelrechter Chancen-Killer und entschärft so regelmässig die ein oder andere «Hundertprozentige». Mit gerade einmal 23 Jahren ist der gebürtige Zürcher Stammtorwart bei einem Top 15-Team in Europa – nicht nur für ihn, sondern auch für den ganzen Schweizer Fussball eine feine Sache.


Potential hat der 1,94-Mann noch reichlich und gepaart mit seinem Ehrgeiz und ungeheurem Trainingsfleiss, wird sich Kobel in Zukunft in der absoluten Weltspitze etablieren. Der emotions- und mentalitätsgeladene Verein BVB passt dabei perfekt zum Rechtsfuss, denn trotz seines jungen Alters gibt er schon lautstarke Kommandos und amtet als vorbildlicher Anführer. Eine Rolle, die ich Kobel auch im Nationalteam zutraut. Jüngst von Murat Yakin zur Nummer 2 hinter Yann Sommer erkoren, wird Kobel meines Erachtens nach in fünf Jahren den Schweizer Kasten bei der WM in Mittel- und Nordamerika sauber halten. Nach der Ära Yann Sommer können wir uns mit Kobel gleich auf den nächsten internationalen Topkeeper freuen – ein absoluter Luxus für ein Land wie die Schweiz. Geht es nach mir, wird Kobel im Jahr 2026 zweifelsohne der qualitativ beste Spieler mit rotem Pass sein. Eine neue Erfolgsgeschichte der "Goalie-Nation" Schweiz steht in den Startlöchern – gut möglich, dass sie gar die bis dato gelungenste wird.




Maximilan Wagner:

Ruben Vargas, 23 Jahre

Der dieses Jahr 23 Jahre alt gewordene Flügelspieler aus Adligenswil bei Luzern besitzt für mich alle Anlagen, die es braucht, um in fünf Jahren der beste Fussballer unserer Alpenrepublik zu sein. Und das nicht nur, weil er dann mit guten 28 Jahren im besten Fussballeralter ist. Auf dem linken Flügel beheimatet, spielte Vargas im Laufe seiner Karriere schon so gut wie auf jeder offensiven Position. Mit flinken Bewegungen, frechen Dribblings, enorm viel Tempo und Lust im Vorwärtsgang, verkörpert Vargas einen flexiblen, unberechenbaren Instinktfussballer, der jedem Zuschauer Freude bereitet. Seit seinem Wechsel 2019 zum FC Augsburg entwickelt er sich in einem ruhigen Umfeld stetig weiter und gewinnt immer mehr an Abgeklärtheit und Profil. Seine Entwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen, mit einem zeitnahen Wechsel zu einem grösseren Klub könnte er den nächsten Schritt anpeilen.


Aus der A-Nati ist er mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Vargas sprüht nur so vor Energie und Dynamik und ist damit bereits in jungen Jahren ein wichtiges Element. Seine Auftritte an der diesjährigen EURO machten Lust auf mehr und haben unterstrichen, dass wir uns noch jede Menge von diesem quirligen, furchtlos aufspielenden Flügelstürmer erhoffen dürfen. Ich bin überzeugt, dass sich Vargas in den nächsten Jahren zu einem absolut prägenden Spieler entwickelt und schon bald als bester Kicker unseres Landes angesehen sein wird.




Emanuel Staub:

Bryan Okoh, 18 Jahre

Innenverteidiger Bryan Okoh ist der einzige Spieler dieser Liste, der noch kein einziges A-Länderspiel bestritten hat, ja geschweige denn über grosse Erfahrung im Profibereich verfügt. Dennoch bin ich überzeugt, dass er in naher Zukunft zu den besten Spielern seiner Generation gezählt wird. Okoh, der seit diesem Sommer zum Profikader von RB Salzburg gehört, hat mit 18 Jahren bereits den Schritt in die U21-Nati von Mauro Lustrinelli geschafft. Seine Anlagen sind unglaublich gut: Er ist extrem schnell, technisch beschlagen, versteht es, das Spiel von hinten aufzuziehen und zu dirigieren und gefällt dabei auch noch durch Physis und Zweikampfstärke. Okoh bietet in jungen Jahren also bereits ein unglaublich vielversprechendes Gesamtpaket.


Vom Red Bull-Kosmos kann man halten was man will, unbestritten herausragend ist jedoch die Jugendarbeit, die Salzburg leistet. Für aufstrebende Talente gibt es aktuell kaum ein besseres Pflaster als die Mozardstadt. In Österreich erhält Okoh demnach beste Voraussetzungen, um seine Karriere erfolgreich zu lancieren. Die Salzburger Verantwortlichen planen langfristig mit ihrem Schweizer Juwel, in diesem Sommer wurde das Arbeitsverhältnis bis 2025 verlängert – ein weiteres Indiz dafür, wie unglaublich talentiert der athletische Abwehrspieler ist. Die Schweiz steuert indes auf ein Luxusproblem in der Innenverteidigung zu: Akanji (26) und Elvedi (25) werden über Jahre Schlüsselspieler bleiben, mit Stergiou und Omeragic (beide 19) drängen zwei weitere Zukunftsversprechen nach oben. Der Spieler, der jedoch von allen die aufregendsten Anlagen mitbringt, ist Okoh.


Für mehr zu Okoh: Swiss Talent Watch – der nächste Akanji?