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Welches Challenge-League-Talent hat das grösste Potential?

Aktualisiert: 17. Dez. 2021

Das Schweizer Unterhaus ist als Ausbildungsliga für talentierte Youngster bekannt. In der Challenge League sammeln junge Spieler Erfahrungen im Profifussball und können sich mit starken Leistungen für einen Transfer in die Super League empfehlen. Welches Challenge-League-U23-Talent hat das grösste Potential? Die Bolzplazz-Redaktion stellt ihre Picks vor.


Chris Eggenberger:

Silvan Schwegler (18): FC Aarau

Silvan Schwegler gab als 16-Jähriger sein Profidebüt beim FC Aarau und etablierte sich in der Rückrunde der letzten Saison im defensiven Mittelfeld des FCA. Schwegler, der im September seinen 18. Geburtstag feierte, ist Stammspieler in der Schweizer U19-Nationalmannschaft und hat alle Voraussetzungen, um es in seiner Karriere in die Super League oder noch deutlich weiter zu schaffen. Technisch stark und mit hervorragendem Passspiel ausgestattet, muss der Youngster vor allem noch an seinem Positionsspiel arbeiten. Im Sommer stand Schwegler vor einem Wechsel in den Nachwuchsbereich des SC Freiburg, entschied sich dann aber in Aarau zu bleiben und hat nun kürzlich bis 2025 verlängert.


In dieser Saison läuft es Schwegler bei Aarau aber nicht rund. Aufgrund der Aufstiegsambitionen des Vereins setzt Trainer Keller im Mittelfeld auf die routinierteren Kräfte Olivier Jäckle, Imran Bunjaku und Allen Njie. Erst zweimal kam Schwegler in dieser Saison von Anfang an zum Einsatz, im Oktober gegen Thun stellte ihn Keller mangels Alternativen gar auf dem Flügel auf, wenig überraschend überzeugte Schwegler dabei aber nicht. Angesichts seiner Absage in Richtung Bundesliga im Sommer, wird sich der Junioren-Nationalspieler mehr Einsatzzeit gewünscht haben. Der Blick in Schweglers Zukunft verspricht aber dennoch weiterhin sehr viel.



Emanuel Staub:

Daniel Dos Santos (18): FC Thun

Der Stern des Thuner Eigengewächses ist rasend schnell aufgegangen: Im Februar erst gab er sein Debüt für die Berner Oberländer, mittlerweile ist er nicht mehr aus dem Team wegzudenken. Dos Santos ist im offensiven Mittelfeld zuhause, wo er mit technischer Klasse, Spielwitz und tollen Dribbeleinlagen überzeugt. Der 18-Jährige hat ein gewisses Etwas, seine Ballführung, seine Einzelaktionen und seine frechen Tricks lassen einen Hauch Fussballkunst über die Challenge-League-Spielfelder wehen. Wer Dos Santos sieht, erkennt sofort, dass er das Zeug zu einer grossen Karriere hat. Was beeindruckt, ist nicht nur seine Unbekümmertheit und seine Coolness, sondern auch seine Produktivität. Trotz seiner Unerfahrenheit, versteht er es, seine tollen Anlagen in Zählbares umzumünzen. 4 Tore sind ihm in dieser Saison schon geglückt, deren 3 waren es bereits in der letzten Rückrunde.



Und Dos Santos trifft nicht nur irgendwie, sondern er erzielt herrliche Tore. Egal ob wie zuletzt gegen Xamax per Schlenzer von der Strafraumkante, oder wie gegen Yverdon-Sport per Volleyabnahme, nachdem er den Ball frech über einen Gegenspieler lupfte – der Thuner Shootingstar hat ein breites Repertoire. Der gebürtige Portugiese ist auch schon auf dem Radar des SFV aufgetaucht, zuletzt setzte ihn U21-Nati-Coach Lustrinelli auf die Piquet-Liste. Trumpft der Jungspund weiter so auf, dürfte er nicht mehr lange im Oberland spielen. Dem grossen Bruder aus Bern dürfte er ebenfalls aufgefallen sein...



Livio Dörig:

Sofian Bahloul (22): FC Wil

Der französisch-algerische Flügelstürmer Sofian Bahloul ist meiner Ansicht nach das grösste Versprechen der Challenge League. Im Nachwuchs von SCO Angers genoss er als Jugendlicher eine hervorragende Ausbildung unter besten Gegebenheiten, ehe er im Alter von 18 Jahren beim FC Chiasso im Profifussball landete. Bei den Tessinern reifte er nach und nach zum absoluten Leistungsträger und war in den vergangenen beiden Spielzeiten trotz seines jungen Alters jeweils Topscorer. Trotz gesamthaft herausragenden 38 Torbeteiligungen in 100 Partien konnte auch er den Abstieg Chiassos in die Drittklassigkeit nicht verhindern. Der FC Wil nutzte in diesen Sommer die Gunst der Stunde und schnappte sich Bahloul – trotz einigen Interessenten aus der Super League – ablösefrei und stattete ihn mit einem Vertrag bis 2023 aus.



Der in Nantes geborene Offensivspieler ist seither gesetzt und sorgt auch beim Ostschweizer Ausbildungsverein für mächtig Furore. Zusammen mit Josias Lukembila bildet Bahloul eine gefürchtete Flügelzange und steht schon wieder bei 7 Treffern und 4 Assists. Nicht ohne Grund hat der FC Wil in dieser Challenge-League-Saison bislang am meisten Tore erzielt und darf somit in der extrem ausgeglichenen Liga doch auch ein klein wenig von einer Top-3-Klassierung träumen. Als rechter Aussenbahnstürmer besticht Bahloul durch Schnelligkeit, Stärke im Eins gegen Eins und viel Spielfreude. Ähnlich wie sein grosses Idol Riyad Mahrez verfügt auch er über einen begnadeten linken Fuss. Sehr gut möglich, dass dieser bald bei einem grösseren Verein in der Schweiz oder gar im Ausland das eine oder andere Traumtor erzielen wird



Owen Ogieva:

Maren Haile-Selassie (22): Xamax

Der Name Maren Haile-Selassie dürfte spätestens nach seinen tollen Leistungen in der aktuellen Saison den meisten Schweizer Fussballfans ein Begriff sein. Der pfeilschnelle, trickreiche Flügelstürmer debütierte im Alter von 18 Jahren unter Uli Forte fürs Fanionteam seines Ausbildungsvereins FC Zürich, konnte sich aber nie nachhaltig festspielen. Haile-Selassie begab sich stattdessen auf eine kleine Leih-Odyssee, um Erfahrungen im professionellen Fussball zu sammeln. Seit 2018 war er an drei verschiedene Klubs verliehen: An den FC Rapperswil-Jona, an Neuchâtel Xamax und an den FC Wil. Wirklich explodiert ist er aber erst in der letzten Saison in der Ostschweiz. Unter Alex Frei entwickelte sich der Schweizerisch-Äthiopische Doppelbürger prächtig weiter und registrierte starke 10 Scorerpunkte. Sein Speed, seine Dynamik im Eins gegen Eins und seine Dribblings auf engstem Raum veranlassten in diesem Sommer Neuchâtel Xamax, dem ehemaligen Leihspieler eine neue Chance zu geben.



Dort avancierte der 22-Jährige sogleich zum Schlüsselspieler in der Offensive. In 18 Spielen gelangen ihm bereits 8 Torbeteiligungen (5 Tore, 3 Assists), mit seiner Geschwindigkeit und seiner Beweglichkeit ist der für die Challenge-League-Verteidiger kaum einzufangen. Besonders in Erinnerung bleibt ein Tor zu Beginn dieser Saison gegen seinen ex-Klub Wil: Haile-Selassie hämmerte den Ball aus vollem Lauf herrlich per Volleyabnahme von der Strafraumkante ins untere Eck. Ein Treffer, der unterstrich, wie sehr der ehemalige Schweizer U-Nationalspieler gereift ist. Wenn er weiterhin so unbekümmert und mutig aufspielt, wird er wohl eher früher als später einen zweiten Anlauf in der Super League erhalten. Aktuell kursiert das Gerüchte, dass ihm bereits im Winter ein Wechsel zum FC Lugano bevorsteht – überraschen würde es nicht.



Luca Feurer:

Matteo Di Giusto (21): FC Vaduz

Matteo Di Giusto ist ein aufstrebender Youngster vom FC Vaduz, der sich im Gegensatz zu vielen anderen Talenten aus der 2. Liga bereits in der Super League zeigen konnte. In der Abstiegssaison der Liechtensteiner kam der 21-Jährige auf stolze 33 Spiele und schoss dabei 4 Tore. Der gebürtige Zürcher machte als wirbliger, trickreicher Angreifer auf sich aufmerksam. Trainer Mario Frick setzt ihn sehr variabel ein, schliesslich erlaubt es sein Profil, dass er auf mehreren Position auflaufen kann: Im offensiven Mittelfeld überzeugt di Giusto mit seiner technischen Stärke und seiner Kreativität, als Hängende Spitze gefällt er mit viel Tempo und Dribbelstärke und auf der Mittelstürmer-Position kommt ihm seine Schusskraft und seine Handlungsschnelligkeit zugute. Dank den starken Leistungen in der Super League verdiente er sich die Anerkennung von Mauro Lustrinelli und zählt seit dieser Saison zur neuen Schweizer U21-Nationalmannschaft. Bisher kommt der kleingewachsene Angreifer für die «Nati von Morgen» auf drei Teileinsätze.



Beim Zusammenzug der U-Nati im Oktober verletzte sich der ehemalige FCZ-Junior aber schwer. Diagnose Mittelfussknochenbruch im linken Fuss. Bis dahin spielte Di Guisto eine sehr gute Saison. Mit 2 Toren und 3 Assists nach nur 12 Spielen hat er einen grossen Anteil daran, dass sich der FC Vaduz bei der Mission Wiederaufstieg auf Kurs befindet. Voraussichtlich kann Matteo Di Guisto im neuen Jahr wieder mit dem Training beginnen und wird auf den Rückrundenstart hin wieder voll angreifen. Immer wieder gab es Gerüchte um das Interesse von Super League Klubs – steigt der FCV nicht auf, ist es sehr gut möglich, dass wir den Tempodribbler im nächsten Sommer in neuen Farben sehen werden…



Maximilian Wagner:

Donat Rrudhani (22): FC Aarau

Meiner Ansicht nach zählt Donat Rrudhani zu denjenigen Challenge-League-Spielern, die das grösste Potential besitzen, schon in naher Zukunft in der Super League aufzulaufen. Alleine schon, dass er sich zu einem der spannendsten Spielern der 2. Liga entwickelt hat, ist alles andere als selbstverständlich. Denn der Kosovare ging einen ungewöhnlichen Weg und ist kein Produkt einer Nachwuchsakademie – heutzutage eine Seltenheit. Rrudhani genoss seine fussballerische Ausbildung bei der AS Timau in Basel, dort spielte er sich bis in die 1. Mannschaft hoch. Von dieser aus wechselte er auf die Saison 2018/19 von der 2. Liga Interregional in die 1. Liga Classic zu den Black Stars aus Basel. Und ab diesem Moment ging sein Stern so richtig auf. Der technisch versierte Mittelfeldspieler trumpfte gross auf, nach nur einer Saison bei „Black“ (25 Einsätze, 15 Tore!) und dem Aufstieg in die Promotion League, klopfte bereits der FC Aarau an. Der FCA ist dafür bekannt, jungen Spielern den nötigen Schliff zu verpassen, für Rrudhani waren die Aargauer aber noch viel mehr – nämlich das Sprungbrett in den Profifussball.


Der elegante, spielstarke und kreative Mittelfeldmann wird von Jahr zu Jahr besser. Während er in der letzten Saison für den FCA bereits auf starke 14 Scorerpunkte kam, steht er heute bereits wieder bei 8 Torbeteiligungen. Kein Wunder also, dass der neue „Back-Up“ Captain der FC Aarau auch schon für die Nationalmannschaft seines Heimatlandes aufgelaufen ist. Im Sommer diesen Jahres gab er sein Debüt. Kaum vorstellbar, dass Rrudhani auch noch im nächsten Jahr auf dem Brügglifeld spielt. Das findet auch sein ex-Teamkollege Steven Oberle, Keeper der Black Stars, der uns im Gespräch sagt: „Sein Weg wird nicht in der Challenge League enden.“