• Bolzplazz

Welche Aufstellung soll Petkovic an der EM ins Rennen schicken?

Das EM-Startspiel der Schweiz gegen Wales ist nur noch wenige Tage entfernt. Ab dann wird wieder eine Zeit beginnen, in der 8 Millionen Schweizer Nationaltrainerinnen und Nationaltrainer über Taktik und Aufstellung fachsimpeln. Die Bolzplazz-Redaktion wagt sich an die heikle Aufgabe, die ideale Schweizer EM-Startelf zu bestimmen.


© Gian Ehrenzeller / via tagblatt.ch

Livio Dörig:

Könnte ich als Nati-Coach bei der EM an der Seitenlinie stehen, würde ich in einer 3-4-3 Formation spielen lassen. Die Dreierkette vor Schlussmann Sommer hat sich mehr als bewährt und das Trio Rodriguez, Elvedi und Akanji steht für defensive Stabilität. Letztere sind zweifelsohne Innenverteidiger mit gehobener internationaler Klasse und Rodriguez ist als linker Verteidiger der Dreierreihe mit seiner Abgeklärtheit, Erfahrung und gefährlichen Halbfeldflanken trotz schwindendem Tempo ein absoluter Fixpunkt der Schweizer Mannschaft.


Die Nominierungen von Xhaka, Freuler, Shaqiri und Seferovic sind aufgrund ihrer Qualitäten keine Überraschungen. Dagegen würde ich auf der rechten Aussenbahn überraschenderweise Christian Fassnacht eine Chance geben. Der Berner befindet sich seit diesem Frühling in herausragender Verfassung, ist bis in die Haarspitzen motiviert seine Farben an einer Endrunde zu vertreten und hat bei YB gezeigt, dass er sehr mannschaftsdienlich auch defensive Aufgaben erledigen kann.


Sein Pendant auf der linken Seite ist Jordan Lotomba, welcher bei Nizza Stammspieler ist und mit seiner Power und Energie meiner Meinung nach – gerade gegen physisch starke Gegner wie die Waliser oder Türken – ein sehr wichtiges Element ins Schweizer Spiel einbringen kann. Vor ihm spielt mit Ruben Vargas ein technisch begabter Wirbelwind der mit seinen Auftritten und Treffern in der Bundesliga sehr auf sich aufmerksam machen konnte. Aus meiner Sicht hätte man mit Shaqiri und Vargas als „Freigeister“ um Seferovic die grösstmögliche Portion an Kreativität in der Offensive. Und je nach Spielverlauf stehen unter anderem Brecher Embolo oder Knipser Gavranovic als gefährliche Alternativen von der Bank aus zur Verfügung.




Emanuel Staub:

Ich halte es für ausgeschlossen, dass Vladimir Petkovic an der EM Experimente wagen wird. Daher entscheide ich mich für das zuletzt bewährte 3-5-2 mit Zehner. An Yann Sommer gibt es natürlich nichts zu rütteln, in naher Zukunft könnte in der Person von Gregor Kobel aber schon bald ein Generationenwechsel im Schweizer Tor stattfinden. Vor ihm würde ich den drei Innenverteidigern Elvedi, Schär und Akanji das Vertrauen schenken. Sie alle sind für mich in der internationalen Klasse anzusiedeln und wiederspiegeln den Luxus an Qualität, den die Schweiz in den letzten Jahren dazugewonnen hat.


Das linke Couloir wird meiner Meinung nach Ricardo Rodriguez beackern. Auch wenn ihm Speed und Dynamik fehlen, sind seine Standards und defensive Zuverlässigkeit Gold wert. Rechts schicke ich Silvan Widmer ins Rennen. Er ist im Vergleich zu Mbabu die defensiv solidere Variante, wenn auch weniger spektakulär. Das zentrale Mittelfeld bilden wenig überraschend Captain Granit Xhaka und Balldieb Remo Freuler, Denis Zakaria wäre die erste Alternative.


In der Offensive vertraue ich auf die genialen Momente von Xherdan Shaqiri. Hinter den Spitzen kommen seine Qualitäten am Besten zum Tragen, weswegen ich ihn unbedingt als Zehner aufstellen würde. Vor Shaqiri lauern die beiden Stossstürmer Haris Seferovic und Breel Embolo. Während der "Mann aus Sursee" nicht zuletzt aufgrund seiner Mannschaftsdienlichkeit enorm wichtig fürs Schweizer Spiel ist, glaube ich nach wie vor auch daran, dass Embolo mit seiner Dynamik und rohen Power ein entscheidender Faktor für die Schweiz sein könnte. Als Joker hätte man dann mit Mario Gavranovic, Ruben Vargas und Christian Fassnacht drei weitere Kandidaten in der Hinterhand, die den Unterschied ausmachen könnten.




Chris Eggenberger:

Vladimir Petkovic hat mit der Nominierung von Edimilson Fernandes oder auch Admir Mehmedi bereits gezeigt, dass er an der EM keine Experimente eingehen will. Ob man das nun gut oder schlecht finden will, er hat seine Stammelf im vergangenen Jahr bei den Tests und Nations-League-Spielen gegen grosse Nationen gesucht und gefunden.


Yann Sommer ist im Schweizer Tor diskussionslos die Nummer 1. Wenn die Gerüchte stimmen, dass er das zweite Spiel wegen der Geburt seines Kindes verpasst, wäre Mvogo meine Wahl. Die Dreierkette in der Verteidigung aus Akanji, Schär und Elvedi dürfte fix sein, erster Ersatz ist nach den zuletzt guten Tests vielleicht gar Cömert. Im zentralen Mittelfeld sind Xhaka und Freuler im Startspiel gegen Wales und die Türkei wohl gesetzt. Gegen Italien könnte ich mir dann auch die Variante Xhaka und Zakaria von Beginn an vorstellen.


Das Sturmtrio Shaqiri, Embolo und Seferovic macht Hoffnung und wird das Turnier so beginnen. Dass sich Shaqiri vor allem im rechten Halbraum wohlfühlt, hat auch Auswirkungen auf die verbleibenden Positionen, die Aussenbahnen. Petkovic hat die Möglichkeit, mithilfe eines ebenfalls aufrückenden Rechtsaussen Überzahlsituationen zu kreieren, meine Wahl wäre daher im Startspiel gegen Wales der offensivstarke Mbabu. Links gibt es mit Rodriguez und Zuber zwei Varianten. Beide zeigten in den jüngsten Tests gute Leistungen, daher wird wie gegen die USA Rodriguez beginnen. Superjoker wird der Mann, der 2021 in 96 Länderspielminuten 4 Torbeteiligungen sammelte: Christian Fassnacht.




Joel Trummer:

Mit Yann Sommer hat die Schweizer Nationalmannschaft seit Jahren einen sicheren Rückhalt. Auch für die anstehende Europameisterschaft ist er aus der Mannschaft nicht wegzudenken. Für einen Torhüter ist er mit seinen 32 Jahren zwar noch im besten Alter, ich kann mir jedoch gut vorstellen, dass es hier in den nächsten 2-3 Jahren einen Wechsel geben wird. Mit diesem Gedanken verbinde ich vor allem einen Namen: Gregor Kobel. Mit seinem Wechsel vom VfB Stuttgart zu Borussia Dortmund sind die Weichen für den nächsten Karriereschritt gestellt. Im Ruhrgebiet wird er wohl als Nummer 1 in die neue Saison gehen. Wenn es ihm gelingt, seine starken Leistungen auch im Dress der Schwarz-Gelben abzurufen, hätte er auf jeden Fall das Potenzial, Sommer den Platz zwischen den Pfosten der Nati streitig zu machen. Sein Fehlen an der Europameisterschaft kann ich nicht nachvollziehen, da er von seiner Qualität her die klare Nummer 2 ist.


Manuel Akanji und Nico Elvedi sind für mich klar gesetzt. Beide haben diese Saison in der Bundesliga und in der Champions League regelmässig gespielt und wussten dabei auch zu überzeugen. Als dritten Innenverteidiger würde ich sehr gerne Becir Omeragic sehen. Dem jungen Genfer traue ich einen ähnlichen Werdegang wie den beiden Erstgenannten zu. Er wird ja bereits jetzt von diversen Vereinen aus Deutschland sowie Italien umworben, eine weitere Saison in Zürich würde ihm aus meiner Saison jedoch guttun.


Im Zentrum ist Granit Xhaka als Captain und Organisator vor der Abwehr ein absoluter Fixpunkt. Neben ihm fällt meine Wahl auf Remo Freuler. Bei Atalanta Bergamo in den letzten Jahren zum unverzichtbaren Stammspieler gereift, hat sich Freuler seinen Platz in der ersten Elf definitiv verdient.


Auf der rechten Seite sind mit „Rasta-Rocket Mbabu“ Dribblings in atemberaubenden Tempo garantiert. Mbabu ist zwar gelernter Rechtsverteidiger, war jedoch schon immer ein Spieler, welcher auch sehr viel zur Offensive beiträgt. Dies ist in meinen Augen eine absolute Bereicherung für das Spiel der Nati. Mit 11 Scorerpunkten in der abgelaufenen Saison gehörte Ruben Vargas zu den Topscorern in Augsburg. Ich hoffe, er kann den Schwung mitnehmen und auch diesen Sommer zeigen, was er drauf hat.

Hinter den zwei Stürmern ist Xherdan Shaqiri ein unverzichtbarer Wert. Auch wenn er in Liverpool momentan keine einfache Phase erlebt, lebt die „Nati“ von seinen Ideen. Er hat gerade auch im Dress der Schweiz schon oft gezeigt, zu was er fähig ist – hoffentlich auch diesen Sommer.


22 Tore in 31 Ligaspielen für den portugiesischen Rekordmeister Benfica Lissabon. Mit diesem beeindruckenden Leistungsausweis kommt Haris Seferovic an die EM. Aufgrund seiner starken Saison erhoffe ich mir von ihm einiges. Mit seiner physischen Wucht ist er ein wertvolles Element im Sturm. An seiner Seite fällt meine Wahl auf Mario Gavranovic, welcher seit Jahren konstant gute Leistungen in der kroatischen Liga erbringt. Ausserdem wäre der wendige Gavranovic eine gute Ergänzung zu Seferovic.



Maximilian Wagner:

Klar ist: Die Schweiz wird mit der in den letzten Jahren einstudierten Fünferkette in

dieses Turnier gehen. Mit flexiblen Aussenläufern, die viel Druck nach vorne entwickeln. Ich würde mich gegen den wohl tiefstehendsten aller Gruppengegner, Wales, für zwei Stürmer entscheiden. Der Torwart ist wohl die unumstrittenste aller Positionen. Seit Jahren ist hier Yann Sommer gesetzt und zahlt dies mit weltklasse Paraden zurück.


Auch die Innenverteidigung kann man schon als eingespielt bezeichnen. Der erfahrene Schär bildet mit den beiden Bundesliga-Verteidigern Akanji und Elvedi eine tolle Innenverteidigung. Doch gerade Cömert könnte auch seine Möglichkeiten kriegen. Die schnellen Flügelverteidiger geben bei mir Widmer rechts und Zuber links.

Widmer bringt wertvolle Erfahrung mit. Auch der zuletzt in der Nati überzeugende Zuber erhält den Vorzug vor einem schwächelnden Rodriguez.


Das zentrale Mittelfeld sollte meiner Meinung nach aus Zakaria und Xhaka bestehen. Doch auch Freuler könnte man ohne Probleme aufstellen. Die Position des Zehners dürfte nicht zu diskutieren sein. Die Klasse und Qualität des Alpenmessi ist trotz wenig Spielpraxis unbestritten. Mit Shaqiri auf der Zehn kommt genau die richtige Portion Kreativität, Explosivität und Cleverness ins Schweizer Spiel. Er kann gegen jeden Gegner für ein Übarrschungsmoment sorgen.


Im Sturm ist zumindest eine Position fix vergeben. Diese geht natürlich an Haris Seferovic. Der Mann aus Sursee, der beste Schweizer Torschütze des Jahres, ist aus der Nati-Startelf nicht wegzudenken. Der Platz neben ihm ist hart umkämpft: Ich entscheide mich jedoch für Breel Embolo, dessen Dynamik eine Waffe sein kann. Aber auch Gavranovic, welcher im Nati-Dress stets zu überzeugen wusste, dürfte im Verlaufe des Turniers ebenfalls seine Chance in der Doppelspitze erhalten.




Nischal Schwager-Patel:

While I'd rather Switzerland went with a back four, it has been over two years since we last saw that, so we can expet to see Vladimir Petkovic's preferred back three. Fabian Schär comes back in after a long period out injured, which thankfully allows Ricardo Rodríguez to be pushed further forward into wing-back.


Denis Zakaria is another player to return in midfield, and while it is harsh on the inform Remo Freuler, someone unfortunately had to make way. The most notable inclusion from my Nati lineup is Mario Gavranovic, yet it is his reliability and consistency which puts him ahead of Breel Embolo. His hat-trick against Liechtenstein was a great example of his quality up front, and providing much-needed support to Haris Seferovic makes up for an experienced yet exciting strikeforce.