• Emanuel Staub

Welche 26 Spieler sollen mit der Schweiz an die WM?

In dieser Woche gibt Nationaltrainer Murat Yakin sein 26-Mann-Kader für die Weltmeisterschaft bekannt. Welche Plätze sind noch zu vergeben? Wer darf sich Hoffnungen auf ein Ticket nach Katar machen – und wer muss zittern? Unsere Einschätzung vor der Kaderbekanntgabe.


Wenn die Schweiz am 24. November gegen Kamerun ins Turnier startet, werden – vorbehaltlich Verletzungen – wohl mehr oder weniger jene 11 Spieler auf dem Feld stehen, die schon im September in der Nations League mit Siegen gegen Spanien (2:1) und Tschechien (2:1) überzeugt haben. Nur zwei Plätze scheinen noch nicht definitiv vergeben zu sein: Einerseits der Part des zweiten Innenverteidigers neben Manuel Akanji. Nico Elvedi hatte in der Nati zuletzt die Nase vorne, doch Fabian Schär spielt aktuell mit Newcastle in der Premier League gross auf. Routine oder Formstärke – diese Frage wird sich Yakin hier stellen müssen. Die andere offene Position ist jene des Linksaussens. Am wahrscheinlichsten scheint, dass Noah Okafor dort gesetzt ist, in den letzten Länderspielen fehlte er aber aufgrund von Zahnbeschwerden und wurde von Ruben Vargas vertreten.


Bleiben alle fit, dürfte die Nati ungefähr mit diesem Team in die Weltmeisterschaft starten:

Hinter diesen 11 (vermeintlich) Gesetzten tummeln sich 15 weitere Spieler, die auf Einsätze in Katar hoffen. Wie könnte das vollständige Schweizer 26-Mann-Kader aussehen?


Kobel, Omlin, Mvogo oder Köhn? Qual der Wahl hinter Yann Sommer

Im Tor ist die Schweiz geradezu verwöhnt. Hinter dem gesetzten Yann Sommer, Volksheld und Führungsspieler, kämpfen gleich vier weitere Keeper von internationaler Klasse um zwei verbliebene Plätze. Jonas Omlin (Montpellier) und Gregor Kobel (BVB), die sich zuletzt um die Nummer 2 duelliert haben (mutmasslich mit dem besseren Ende für Omlin), scheinen die besten Karten zu haben. Nach seinem Wechsel in die Ligue 1 zu Lorient spielt aber auch Yvon Mvogo wieder gross auf, wodurch er sich wieder in Schlagdistanz zu einem Platz in der Nati gebracht hat.


Dummerweise zog er sich jüngst eine Verletzung zu – im Übrigen genau wie Sommer und Omlin. Zumindest in Sommers Fall scheint die WM aber nicht in Gefahr zu sein. Fallen seine Vertreter aber verletzungsbedingt aus, könnte plötzlich Salzburg-Schlussmann Philipp Köhn der lachende Dritte sein. Der frühere Wil-Goalie zeigte auch in dieser Saison überragende Auftritte in der Champions League und dürfte langfristig eine ernsthafte Alternative sein.



Unser Tipp für Murat: An die WM fahren Sommer, Omlin und Kobel. Erste Alternative ist Mvogo, falls alle Stricke reissen stünde auch noch Köhn bereit.


Keine Experimente in der Innenverteidigung

In der Innenverteidigung gibt es kaum offenen Fragen: Manuel Akanji (Manchester City), Nico Elvedi (Gladbach), Fabian Schär (Newcastle) und Eray Cömert (Valencia) sind allesamt Stammspieler bei grossen europäischen Vereinen und seit Jahren fester Bestandteil der Nationalmannschaft. Möglich aber, dass Yakin noch einen 5. Innenverteidiger mitnimmt. In diesem Fall streiten sich YB-Abwehrchef Cédric Zesiger und FCSG-Toptalent Leonidas Stergiou um das letzte verbliebene Ticket – wobei Zesiger aufgrund seiner starken Herbstform die Nase vorn haben dürfte.


Erwähnt werden sollten an dieser Stelle auch noch FCZ-Juwel Becir Omeragic, der in dieser Saison aber noch überhaupt nicht in die Spur gefunden hat, und Sturm-Graz-Verteidiger Gregory Wüthrich, der mittlerweile zu den besten Abwehrspielern Österreichs zählt. Für beide ist eine WM-Teilnahme aktuell utopisch – perspektivisch sind sie für die Nati aber echte Alternativen.


Unser Tipp für Murat: An die WM fahren Akanji, Elvedi, Schär und Cömert. Erste Alternative ist Zesiger, dahinter scharrt Stergiou mit den Hufen.


Wenige Alternativen auf den Aussenverteidigerpositionen

Wenn die Schweiz so etwas wie eine "Problemzone" hat, dann dürften das die Aussenverteidigerpositionen sein. Im Vergleich zu den anderen Positionen geht der Nati dort die internationale Klasse etwas ab – genauso wie die Kaderbreite. Gerade hinten links klafft hinter Routinier Ricardo Rodriguez ein tiefes Loch. Auf der rechten Seite ist Silvan Widmer unumstritten gesetzt, beim FSV Mainz 05 ist er in dieser Saison zum Kapitän aufgestiegen. Als erste Alternative zu Widmer fährt Kevin Mbabu mit an die WM – seine Karriere geriet in den letzten Jahren jedoch ins Stocken, nach seinem Wechsel zu Fulham ist er in England noch nicht glücklich geworden.


Einen zweiten gelernten Linksverteidiger suchte man im Nati-Kader zuletzt vergeblich. OGC Nizzas Jordan Lotomba, der auf beiden Seiten eingesetzt werden kann, hat die besten Karten als 4. Aussenverteidiger mit nach Katar zu fliegen. Dahinter bieten sich als erste Vertreter Cédric Brunner (Schalke), Silvan Hefti (Genoa), Michael Lang (Basel), Ulisses Garcia (YB) und Miro Muheim (HSV) an. Auch Isaac Schmidt (FCSG) und Kevin Rüegg (YB) sind perspektivisch für die Nati sicherlich interessant, die WM kommt aber noch deutlich zu früh.


Unser Tipp für Murat: An die WM fahren Widmer, Mbabu, Rodriguez und Lotomba. Erste Alternativen sind Hefti und Brunner für die rechte Seite, sowie Muheim für die linke Seite.


Jashari oder Rieder: Welches Mittelfeld-Juwel erhält den Zuschlag?

Das Zentrum ist mit vielen Spielern internationaler Klasse gesegnet: Captain Granit Xhaka zeigt sich bei Arsenal seit Monaten in Bestform, auch Remo Freuler (Nottingham) und Djibril Sow (Frankfurt) glänzen bei ihren Vereinen. Denis Zakaria (Chelsea) macht zwar eine schwere Zeit durch, wird aber dennoch zum WM-Kader zählen. Auch Michel Aebischer (Bologna) dürfte aller Voraussicht nach sein Ticket auf sicher haben. Dahinter gibt es wohl noch zwei offene Plätze – um den sich gleich sechs Spieler streiten.


Gute Karten dürfte Altmeister Fabian Frei (Basel) haben, den Yakin enorm schätzt – nicht zuletzt aufgrund seiner Polyvalenz. Im September debütierte Luzern-Wunderkind Ardon Jashari in der Nati, womit auch er sich in Stellung gebracht hat. Hoffnungen auf eine Rückkehr in den Kreis der Nationalmannschaft macht sich Edimilson Fernandes, der bei Mainz zum Stammspieler aufgestiegen ist und sich endlich in der Bundesliga durchsetzen konnte. Ebenfalls auf Yakins Radar ist Cremonese-Legionär Charles Pickel, der zuletzt erstmals auf der Abrufliste stand. Er behauptet sich in der Serie A auf eindrückliche Weise – genau wie Nicolas Haas (Empoli). Eindruck hinterlässt auch YB-Juwel Fabian Rieder und das seit langer Zeit. Sein Weg wird ohne Zweifel in die Nati führen, alles andere als ein baldiges Aufgebot wäre unverständlich.


Am wahrscheinlichsten scheint ein Dreikampf von Frei, Rieder und Jashari um die letzten verbliebenen Tickets fürs Mittelfeld. Mindestens zwei aus diesem Trio dürften in Katar mit dabei sein.



Unser Tipp für Murat: An die WM fahren Xhaka, Freuler, Sow, Zakaria, Aebischer, Frei und Rieder. Die ersten Alternativen sind Jashari und Edimilson, dahinter lauert Pickel.


Fragezeichen um Zuber und Fassnacht auf dem Flügel

Auf den offensiven Aussen sind ebenfalls nur wenige Fragen offen. Xherdan Shaqiri (Chicago), Noah Okafor (Salzburg) und Ruben Vargas (Augsburg) sind gesetzt. Auch Renato Steffen (Lugano) dürfte trotz zuletzt wenig berauschenden Auftritten für die Nati mit an Bord sein. Seinen Wert für die Schweiz schon oft bewiesen hat Steven Zuber (AEK Athen). Er verpasste die letzten Länderspiele verletzungsbedingt und hat aktuell grosse Mühe im Verein. Trotzdem müsste er im Normalfall mit dabei sein – was wohl im Umkehrschluss bedeutet, dass es für Christian Fassnacht (YB) keinen Platz gibt. Auch er hat seit geraumer Zeit mit Verletzungen zu kämpfen und ist von seiner Bestform weit entfernt.


Möglich aber auch, dass Yakin sowohl Zuber als auch Fassnacht zuhause lässt – und stattdessen einen jungen Spieler aus der Super League mitnimmt. Dan Ndoye (Basel) debütierte im Herbst in der A-Nati und bringt viel Tempo und Dynamik mit. Kastriot Imeri (YB) ist für seine überragenden technischen Fähigkeiten und Standards bekannt, auch er hat bereits Nati-Luft geschnuppert. Auch Darian Males (Basel), der einen starken Saisonstart hinlegt, und Filip Ugrinic (YB) gilt es zu erwähnen. Beide dürften perspektivisch ein Thema werden – genau wie St.Gallens Julian Von Moos.


Unser Tipp für Murat: An die WM fahren Shaqiri, Okafor, Vargas, Steffen und Zuber. Die ersten Alternativen sind Fassnacht, Ndoye und Imeri.


Gibt es im Sturm eine Überraschung?

Die letzten verbliebenen WM-Plätze machen die Stürmer unter sich aus. Werden wie in diesem Artikel vermutet fünf Flügel und sieben zentrale Mittelfeldspieler aufgeboten, dürfte es nur noch Platz für drei Angreifer geben. Da Yakin sowieso mit einer einzelnen Spitze plant und im Zweifel auch Okafor als Nummer Neun auflaufen kann, könnte diese Rechnung aufgehen. Bleiben alle fit, erübrigen sich hier auch alle Spekulationen um Überraschungen: Breel Embolo (AS Monaco), Haris Seferovic (Galatasaray) und Cedric Itten (YB) haben ihr WM-Ticket auf sicher. Das bedeutet im Umkehrschluss: Zeki Amdouni (Basel), der vor wenigen Wochen in der Nati debütierte, geht leer aus. Genau wie Andi Zeqiri (Basel), Albian Ajeti (Sturm Graz), Josip Drmic (Dinamo Zagreb), Michael Frey (Antwerpen), Kwadwo Duah (Nürnberg) und Filip Stojilkovic (Sion).


Unser Tipp für Murat: An die WM fahren Embolo, Seferovic und Itten. Erste Alternativen sind Amdouni und Zeqiri, perspektivisch auch Duah und Stojilkovic.


Das Bolzplazz-WM-Kader der Schweiz im Überblick: