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Was kann der FC St.Gallen von Euclides Cabral erwarten?

Aktualisiert: Jan 30

Nachdem sich der Deal über ein paar Tage angekündigt hatte, wurde er am Mittwoch 20. Januar von Seiten des FC St.Gallen als fix vermeldet: Aussenverteidiger Euclides Cabral (22) stösst von GC zu den Espen. Was können die Ostschweizer von diesem Transfer erwarten? Bolzplazz macht den Check.

© fcsg.ch

Nachdem sich Stammlinksverteidiger Miro Muheim (22) im Testspiel gegen den österreichischen Bundesligisten SCR Altach schwer an der Schulter verletzt hatte und wohl zwei bis drei Monate ausfallen wird, war der FCSG zum Handeln gezwungen. Denn einen weiteren gelernten Linksverteidiger haben die Espen nicht im Kader. Hinzu kommt, dass man Back-up Vincent Rüfli jüngst an Stade-Lausanne abgab, und dadurch mit Alessandro Kräuchi (22) nur noch ein fitter Aussenverteidiger im Kader stand. Kurzerhand holten Hüppi und Sutter also Euclides Cabral in die Ostschweiz. Was ist vom Neuzugang nun in der Super League zu erwarten? Notnagel oder Wünschlösung?


Cabral wird wohl keine Soforthilfe sein können - der kapverdisch-portugiesische Doppelbürger bestritt seinen letzten Ernstkampf am 22. Februar 2020. Im Mai letzten Jahres zog er sich nämlich einen Mittelfussbruch zu und konnte sich seither nicht mehr in die Profimannschaft der Hoppers zurückkämpfen. Nun soll er körperlich zwar wieder fit sein - an sein volles Leistungsniveau wird er aber anfänglich kaum wieder herankommen, zu lang war seine Zwangspause. Auch an die Intensität der Super League wird sich Cabral erst noch gewöhnen müssen. In der Rückrunde der Abstiegssaison 2018/19 bestritt er zwar für GC sechs Super League-Partien, wirklich überzeugen konnte er damals jedoch nicht.


In der Challenge League fasste Cabral dann aber schnell Fuss und entwickelte sich bei GC 2019/20 zum Stammspieler. Mit beinharten Tacklings, viel Speed und offensivem Einsatz stürmte Cabral die Flanken rauf und runter. In 19 Partien glänzte er zudem mit 3 Toren und 2 Assists. Mit seinen langen Beinen und raumgreifenden Schritten verfolgte er die gegnerischen Spieler und suchte sowohl offensiv als auch defensiv jeden Zweikampf. Im Schnitt stieg Cabral letzte Saison in 21.89 Duelle pro Partie und gewann davon in der Defensive 66% - eine starke Quote! In der Vorwärtsbewegung sorgte der Aussenläufer nicht nur mit seinen Scorerpunkten für Spektakel, sondern auch mit seinen Dribblings: Pro Spiel versuchte er 4.91 mal sein Glück und liess seinen Gegenspieler in fast der Hälfte aller Fälle erfolgreich hinter sich zurück.

© Roger Albrecht

Diese starken Werte machen eines klar: Euclides Cabral verfügt über grosses Potential. Hätte er sich nicht verletzt, wäre er wohl auch in dieser Saison nicht aus der Startelf des Rekordmeisters wegzudenken. Der FC St.Gallen bekommt nun einen Spieler, dessen Attribute Offensivdrang, Einsatzfreude und Schnelligkeit wie geschaffen für Peter Zeidlers Pressingfussball sind. Was Cabral des weiteren Pluspunkte bringen dürfte, ist die Tatsache, dass er polyvalent eingesetzt werden kann. Ob als linker oder rechter Aussenverteidiger spielt keine Rolle, er könnte sogar eine Reihe weiter vorne als Flügelspieler aufgestellt werden. Kehrt Miro Muheim von seiner Verletzung zurück, verfügt Zeidler mit Cabral über ein starkes Back-up auf Links, das viel Dynamik und Power mitbringt. Kommt er in Fahrt, entwickelt er sich wohl schnell zu einer echten Alternative für Alessandro Kräuchi auf Rechts - und wird damit den Konkurrenzkampf in der Mannschaft weiter anheizen.


Hüppi und Sutter haben in der Vergangenheit bewiesen, dass sie ein gutes Näschen für Spieler haben, die in einer Versenkung verschwunden sind. Rein von seinen Anlagen her könnte Cabral also zum nächsten Toptransfer der Espen werden und passt wie die Fast aufs Auge ins Spielsystem - auch wenn er nach der langen Verletzungspause anfänglich noch etwas Mühe mit dem Rythmus haben dürfte. Obwohl durch die Verletzung von Muheim zum Handeln gezwungen, ist Cabral für den FCSG alles andere als ein Notnagel, und könnte sich bald schon zu einem echten Faktor in Peter Zeidlers Equipe entwickeln.


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