• Bolzplazz

Unser Super-League-Team der Hinrunde 2021/22

Aktualisiert: 22. Dez. 2021

Die Hälfte der Saison 2021/22 ist geschafft. Zeit, herausragende Einzelakteure zu würdigen. Wir stellen unsere Elf der Hinrunde vor.


Neutral, nüchtern und leistungsgerecht: Unsere Redaktion stellt ihr Super-League-Team der Hinrunde vor. Viele der Nominierten sind absolute "No-Brainers", unter uns herrschte bei vielen Namen schnell Einigkeit. Am Ende haben sich diejenigen Spieler durchgesetzt, die von unseren einzelnen Redaktionsmitgliedern die meisten Stimmen erhalten haben. Spoiler: Der FC Zürich ist nach famoser Halbserie stark vertreten – übervertreten, würde wohl so mancher Basel- oder YB-Fan sagen. Aber seien wir ehrlich: Niemand hätte damit gerechnet, dass der FCZ Wintermeister wird. Und jetzt, da er diesen inoffiziellen Titel gewonnen hat, dürfen seine Protagonisten auch besonders hervorgehoben werden.


Wir präsentieren: Das Bolzplazz Super-League-Team der Hinrunde 2021/22:




Tor: Heinz Lindner (31), FC Basel

Im letzten Jahr als eigentliche Nummer 2 hinter Djordje Nikolic verpflichtet, hat sich Lindner mit überragenden Leistungen in diesem Herbst verdient in diese Top-Elf gehext. Der Österreicher ist unglaublich reaktionsschnell und brilliant auf der Linie. Im Sommer wurde er von der Vereinsführung noch als Schwachpunkt ausgemacht, jetzt ist er absoluter Schlüsselspieler und Erfolgsgarant. Seine Paraden haben dem FCB in dieser Hinrunde so manche Punkte gerettet – auch international. Niemand weist einen höheren "Prevented Goals" Wert auf als Lindner: Nicht weniger als 8.5 "erwartbare Tore" hat der FCB-Goalie durch seine Paraden verhindert – einsamer Spitzenwert der Liga.



Rechtsverteidiger: Becir Omeragic (19), FC Zürich

Zugegeben, Omeragic ist kein wirklicher Rechtsverteidiger. Durch seine herausragenden Leistungen musste er aber einfach in dieses Team der Hinrunde. In der letzten Saison und in der U21-Nati hat das Juwel bereits hinten rechts gespielt und dabei auf ganzer Linie überzeugt. Somit ist seine Nomination auf dieser Position nicht komplett aus der Luft gegriffen. Omeragic hat unter Breitenreiter den nächsten Schritt genommen und gibt mit 19 Jahren den Patron der Stadtzürcher Hintermannschaft. Agil, clever, technisch beschlagen: Omeragic ist ein Innenverteidiger mit "Wow-Effekt" und hat als Anker der Defensive massgeblich zum FCZ-Sturmlauf mit zuletzt sechs Siegen in Serie beigetragen. Der gebürtige Genfer hat sich schon längst in die Notizblöcke grosser Klubs gespielt. Die AC Mailand soll zu den ernsthaften Interessenten zählen...



Innenverteidiger: Andy Pelmard (21), FC Basel

Andy Pelmard stiess in diesem Sommer aus Nizza zum FC Basel und hat sich sogleich unverzichtbar gemacht. Der Franzose fällt auf: Nicht nur wegen seiner Frisur, sondern auch wegen seinem spektakulären Spielstil. Es dürfte in Europa nur wenige Innenverteidiger geben, die so extrem schnell sind wie er. Die Geschwindigkeit ist demnach auch Pelmards grösste Stärke. Wenn der Gegner längst auf und davon in Richtung offenem Tor scheint, schiesst der junge Franzose aus dem Nichts heran und spendiert ihm den Ball noch irgendwie vom Fuss. Pelmard ist der Stabilitätsgarant der Basler Defensive, ohne ihn fehlt nicht nur Tempo, sondern auch ganz viel Ruhe und Abgezocktheit.



Innenverteidiger: Mirlind Kryeziu (24), FC Zürich

Wer hätte das für möglich gehalten: Vor einem Jahr noch für Super-League-untauglich befunden und für die Rückrunde der vergangenen Saison leihweise zum SC Kriens geschickt, gehört Kryeziu jetzt zu den stabilsten Innenverteidigern der Schweiz und feierte sein Debüt in der kosovarischen Nationalmannschaft. Der 1,96m-Hüne wirkte in der Vergangenheit oft ungelenk und behäbig, doch unter Breitenreiter versteht er es plötzlich, seine beeindruckende Physis gewinnbringend einzusetzen. Der Linksfuss soll mit seinen starken Leistungen auch international auf sich aufmerksam gemacht zu haben, zuletzt war von einem Interesse von Genoa zu hören. Auch offensiv setzt das FCZ-Eigengewächs Glanzlichter: Bereits 3 Saisontreffer stehen auf dem Konto.



Linksverteidiger: Adriàn Guerrero (23), FC Zürich

Die Viererkette wird durch einen weiteren FCZ'ler komplettiert. Adriàn Guerrero war in dieser Hinrunder der alles überragende Aussenverteidiger der Super League, daran besteht kein Zweifel. Die letzte Saison verbrachte der ehemalige Barca-Junior leihweise beim FC Lugano, im Sommer verpflichtete ihn der Wintermeister schliesslich ablösefrei von Valencia B. Guerrero ist unter Breitenreiter regelrecht explodiert: Sprint- und laufstark, einsatzfreudig, brandgefährliche Standards und offensive Läufe – der Spanier liefert das gesamte Paket. Bemerkenswert ist seine Ausbeute an Scorerpunkten: 3 Treffer und 7 Vorlagen stehen nach der Hinrunder zu Buche – ein absoluter Topwert.



Zentrales Mittelfeld: Antonio Marchesano (30), FC Zürich

Der nächste Zürcher in unserer Top-Elf ist Mittelfeld-Zauberfüsschen Antonio Marchesano. Im reifen Fussballeralter blüht der Tessiner auf und steht völlig verdient für den "Best Player Award" 2021 zur Auswahl. Beim FCZ ist der quirlige Zehner Dreh- und Angelpunkt der Offensive. In 17 Partien glückten ihm starke 12 Scorerpunkte (8 Tore, 4 Vorlagen), darüber hinaus versprüht er unheimlich viel Spielfreude und Kreativität. Wenige Spieler in der Super League können mit Marchesanos technischer Klasse mithalten. Auch bei ruhenden Bällen ist er eine Wucht, vier direkte Freistosstore gelangen ihm in dieser Hinrunde (zwei davon im Cup). Nicht wenige Stimmen forderten in diesem Herbst gar ein erstmaliges Nati-Aufgebot für Marchesano. Wer weiss: Zaubert er auch im neuen Jahr so weiter, hat Yakin vielleicht ein Einsehen...



Linkes Mittelfeld: Kastriot Imeri (21), Servette

Ebenfalls einen vorzüglichen Herbst erlebte Servette-Eigengewächs Kastriot Imeri. Der frischgebackene Schweizer A-Nationalspieler hat in Genf den Sprung zum Schlüsselspieler geschafft und begeistert die Massen mit herrlichen Toren, frechen Dribblings, technischen Kabinettstückchen und herzhaftem Einsatz. In 14 Einsätzen erzielte Imeri 8 Tore. Von Anfang Oktober bis Anfang Dezember traf er in fünf Spielen in Folge, darunter war auch ein Doppelpack beim 2:1-Sieg der Genfer in Bern. Ähnlich wie Marchesano ist auch Imeri ein Kunstschütze. Er trifft aus der Distanz, aus spitzen Winkeln oder mit überragenden Dropkicks. Der Edeltechniker verkörpert einen Spielertypus, der die Fanherzen im Sturm erobert: Kurze Stulpen, Spielfreude, gewagte Einzelaktionen. Lange dürfte es nicht mehr dauern, bis der "Schweizer Jack Grealish" der Super League entwachsen ist.



Rechtes Mittelfeld: Miroslav Stevanovic (31), Servette

Der zweite Servettien in unserer Top-Elf fliegt in der Deutschschweiz leider nach wie vor unter dem Radar: Der bosnische Flügel Miroslav Stevanovic wird wie guter Wein von Jahr zu Jahr besser, seine Bedeutung für die Genfer ist immens. In dieser Vorrunde setzte er noch einmal gänzlich neue Massstäbe: In 17 Partien sammelte Stevanovic unfassbare 15 Assists, dazu kommen noch 4 eigene Treffer. Damit ist er offiziell der produktivste Spieler der Liga, niemandem gelangen in der Hinrunde mehr Torbeteiligungen, nicht einmal Arthur Cabral. Aber er setzt noch einen drauf: Stevanovic ist gemeinsam mit Bayern-Star Thomas Müller aktuell der beste Vorlagengeber der Welt. Kein einziger Spieler aus einer professionellen 1. Liga hat in diesem Herbst mehr Assists gesammelt als "Mica".



Linksaussen: Assan Ceesay (27), FC Zürich

Wer hätte das für möglich gehalten: Assan Ceesay, jahrelang als Chancentod und "Stolperi" verschrien, hat diese Hinrunde geprägt wie kaum ein anderer. Unter André Breitenreiter hat sich der Gambier plötzlich zu einem kaltblütigen Torjäger entwickelt. In 17 Partien erzielte Ceesay 11 Tore und legte 6 weitere auf. Endlich spürt der pfeilschnelle Stürmer das Vertrauen des Trainerteams, endlich agiert er mit Selbstvertrauen – und endlich wird ihm die Liebe der Fans zuteil. Nach schwierigen Jahren, in denen Ceesay als Sündenbock für einen kriselnden FCZ ausgemacht wurde, kann man nicht anders, als ihm diese unglaubliche Entwicklung einfach zu gönnen. Ein Sonderlob verdient natürlich Coach Breitenreiter, der ihn endlich seinen Stärken entsprechend einzusetzen weiss.



Rechtsaussen: Kaly Sène (20), GC

Eine weitere schöne Story dieser Vorrunde lieferte Kaly Sène bei Aufsteiger und Rekordmeister GC. Am Deadline Day vom FC Basel übernommen, zündete der junge Senegalese bei den Hoppers sogleich den Turbo. Mit wehenden Rasta-Locken, muskelbepacktem Körper und brachialem Tempo stürmte er in die Herzen der GC-Fans. Sène vereint Wucht und Dynamik, Technik und Killerinstinkt. Nach 13 Einsätzen steht er bereits bei 10 Scorerpunkten (8 Tore, 2 Vorlagen). Bemerkenswert: Sämtliche Tore glückten ihm in den vier Partien gegen den FC St.Gallen und den FC Sion. Der nächste Schritt für ihn muss nun sein, seine Treffsicherheit auch gegen die Topteams der Liga unter Beweis zu stellen. Aber schon jetzt gehört Sène zu den Gewinnern dieser Saison und bereitet auch dem neutralen Zuschauer mit seinem spektakulären Spielstil viel Freude.



Mittelstürmer: Arthur Cabral (23), FC Basel

Er ist so etwas wie das Gesicht der Super League: Arthur Cabral, wertvollster Spieler der Liga und wahrscheinlich auch der talentierteste. Der Brasilianer scort für den FCB am Laufmeter, 14 Tore und 4 Vorlagen stehen nach 18 Spielen zu Buche. International ist seine Quote sogar noch besser (13 Tore und 4 Assists in 12 Partien). Cabrals phänomenalen Auftritte bescherten ihm im Herbst gar eine erstmalige Nomination in die brasilianische Nationalmannschaft. Dass der grösste Star der Schweiz noch lange in Basel bleibt, kann leider ausgeschlossen werden. Wenn nicht schon im Winter, dann dürfte er spätestens im Sommer in einer grossen Liga unterwegs sein. Interessenten aus ganz Europa haben ihn auf den Zettel, darunter auch Schwergewichte wie Barcelona oder Arsenal.



Trainer: André Breitenreiter (48), FC Zürich

Der beste Transfer dieses Jahres hat der FC Zürich getätigt. Aber nicht etwa mit einem teuren Spieler, sondern mit einem vereinslosen Trainer mit Vergangenheit in der Bundesliga. André Breitenreiter hat den Stadtclub transformiert und zu einem Spitzenteam geformt. Er ist mit 7 Punkten Vorsprung Wintermeister geworden, hat aus einem soliden Kader das Maximum herausgeholt und bereits abgeschriebene Akteure wie Ceesay oder Kryeziu zu Erfolgsgaranten weiterentwickelt. Kann er das Zürcher Meistermärchen im nächsten Frühling zu Ende schreiben?



Ersatzbank:

  • Yannick Brecher (28), FC Zürich: Verlässlicher Rückhalt im Tor des Wintermeisters.


  • Reto Ziegler (35), FC Lugano: Steht stellvertretend für eine starke Hinrunde der Luganesi, die ohne herausragende Spieler, aber mit starkem Kollektiv zum Erfolg kamen.


  • Ulisses Garcia (25), BSC Young Boys: Hat unter David Wagner den nächsten Entwicklungsschritt genommen und gar den Sprung in die Nati geschafft. Überzeugt mit Wucht, Tempo und offensiven Akzenten.


  • Fabian Rieder (19), BSC Young Boys: Überragende Hinrunde des Berner Eigengewächses. Als Youngster bereits Leader und Chefstratege im Zentrum, dazu offensiv gefährlich (wettbewerbsübergreifend 10 Scorerpunkte).


  • Christian Fassnacht (28), BSC Young Boys: Bis zu seiner Kopfverletzung in toller Verfassung, 7 Tore in 11 Partien sprechen eine deutliche Sprache.


Weitere Spieler, die für ihre starken Leistungen in der Hinrunde Anerkennung verdienen, wären etwa Amir Saipi (Lugano), Numa Lavanchy (Lugano), Fabian Frei (Basel), Michel Aebischer (YB), Ousmane Doumbia (FCZ), Ousmane Diakité (FCSG), Filip Ugrinic (Luzern), Elie Youan (FCSG), Jordan Siebatcheu (YB) und Liam Millar (Basel). Keine abschliessende Liste.