• Chris Eggenberger

Transfer Scouting FC Luzern – Kaderplanung für eine sorgenfreie Saison

Aktualisiert: 11. Juli

Es ist Sommerpause! Die Super-League-Klubs blicken sich auf dem Transfermarkt nach Verstärkungen um. In der Serie „Transfer Scouting“ schlüpfen wir in die Sportchef-Rolle und suchen nach passenden Neuzugängen. Teil 3/10: FC Luzern.


Nach Platz vier in der Rückrundentabelle der vergangenen Super-League-Saison könnte man meinen, dass das Kader des FCL bereits gerüstet sei für eine solide Spielzeit 2022/23. Trotzdem waren und sind Sportchef Remo Meyer und Trainer Mario Frick in den Personalplanungen aufgrund der Abgänge im Sturm und vor allem wegen des Abgangs von Lokalheld Filip Ugrinic zu YB gefordert. Vor der letzten Saison noch als Transfersieger gefeiert und dann abgestürzt, darf sich Meyer keinen weiteren schlechten Transfersommer leisten.


Immerhin: Nachdem der FC Luzern in vier der letzten fünf Saisons Europapokal-Quali spielte und seinen Kader somit mit der Möglichkeit der Teilnahme an einer Gruppenphase planen konnte bzw. musste, fällt diese zusätzliche Belastung in diesem Sommer weg. Ziel in der kommenden Saison muss es sein, früh die Abstiegssorgen loszuwerden und dann eventuell wieder in Richtung Europa zu schielen.


Ein Blick auf bereits bestätigte Transfers:


Zugänge:

  • Joaquín Ardaiz (23): FC Schaffhausen

  • Pius Dorn (25): FC Thun

  • Nicky Beloko (22): Xamax


Abgänge:

  • Filip Ugrinic (23): BSC Young Boys

  • Marvin Schulz (27): Holstein Kiel

  • Silvan Sidler (23): Arminia Bielefeld

  • Tsiy Ndenge (25): Grasshoppers

  • Ashvin Balaruban (20): Xamax

  • Varol Tasar (25): Giresunspor

  • Jordy Wehrmann (23): ADO Den Haag

  • Nikola Cumic (23, Leih-Ende)

  • Marko Kvasina (25, Leih-Ende)

Wo besteht beim FC Luzern Handlungsbedarf?

Die grösste Lücke hinterlässt beim FC Luzern Filip Ugrinic, der fortan für die Young Boys auflaufen wird. Während auf der Mittelstürmerposition mit Joaquin Ardaiz bereits aufgerüstet wurde, besteht für Remo Meyer zusätzlich zum offensiven Mittelfeld noch Handlungsbedarf in der Innenverteidigung, eventuell auf der Linksverteidigerposition sowie je nach der taktischen Planung von Mario Frick vielleicht auch auf den Flügeln.


Kaderplanung FC Luzern

Tor: Keine Änderungen nötig

Marius Müller verpasste in der letzten Super-League-Saison 10 Spiele aufgrund von Adduktorenproblemen, Ersatzgoalie Vaso Vasic übernahm in jenem Zeitraum seinen Posten. Beide gehörten in der letzten Saison nicht zu den besten Torhütern der Liga, waren aber ein solides Duo. Absolut verständlich also, dass der FCL auch in der neuen Saison wieder auf Müller und Vasic setzt. Dazu gibt es zwei junge Keeper im Kader: Loic Jacot (22, zuletzt ausgeliehen an Wohlen) und Pascal Loretz (19).


Bereuen dürfte man in Luzern, dass Simon Enzler im letzten Sommer ablösefrei nach Aarau abgegeben wurde. Das Eigengewächs entwickelte sich im letzten Jahr zum wahrscheinlich besten Keeper der Challenge League.



Innenverteidigung: Burch und wer?

Marco Burch wird dem FC Luzern einmal viel Geld einbringen, daran zweifelt kaum jemand, der sich mit dem Schweizer Fussball auskennt. Der U21-Nationalspieler gehörte in der letzten Saison zu den besten Innverteidigern der Liga und trug auch schon vereinzelt die Captain-Binde des FCL. Schwieriger gestaltet sich die Frage nach dem Partner für Burch. In der Rückrunde 2021/22 erfüllte diese Rolle der erfahrene Denis Simani, den Trainer Frick aus Vaduz mitnahm. Das Duo absolvierte 15 der 18 Ligaspiele zusammen, einmal spielte das junge Talent Luca Jaquez, zweimal half Marvin Schulz aus.


Für die neue Saison muss nun unbedingt ein dritter und vielleicht auch noch ein vierter Innenverteidiger her. Nachdem Remo Meyer auf dieser Position vor einem Jahr mit Holger Badstuber und David Domgjoni gleich doppelt danebengriff, ist unser Vorschlag nun ein junger Schweizer: Serge Müller vom FC Schaffhausen. Als einziger Spieler in den zwei höchsten Schweizer Ligen verpasste Müller 2021/22 keine einzige Ligaminute, mit seinen Leistungen empfahl er sich allemal für eine Anstellung in der Super League. Alternativ könnte Mario Frick sich um einen weiteren seiner ehemaligen Spieler aus Vaduz bemühen – Joël Schmied, der beim FC Sion 2022 erst auf sechs Einsatzminuten kommt. Ablösefrei aus Sitten zu haben wäre zudem Jan Bamert, der sicher kein schlechtes Backup wäre.


Unser Vorschlag für die Innenverteidigung:

Serge Müller (FC Schaffhausen)

Alternativen:

Joël Schmied (FC Sion) oder Jan Bamert (vereinslos, zuletzt Sion)



Aussenverteidigung: Wichtige Stützen verlängerten

Extrem wichtig für den FCL auf der Aussenverteidigerposition war, dass man Mohamed Dräger für eine weitere Saison in der Swissporarena halten konnte. Der Tunesier war in der Rückrunde ligaweit der offensiv produktivste Verteidiger und massgeblich daran beteiligt, dass der FCL am Ende fast noch den direkten Klassenerhalt schaffte. Nun konnten die Innerschweizer den pfeilschnellen Rechtsverteidiger für ein weiteres Jahr von Nottingham Forest ausleihen und verfügen gar über eine Kaufoption.


Da Drägers Backup Silvan Sidler zu Arminia Bielefeld in die 2. Bundesliga wechselte, holte Mario Frick mit Pius Dorn einen Spieler, den er ebenfalls bereits aus Vaduz kennt. Auf der linken Seite wird Martin Frydek weiter gesetzt sein, der Tscheche verlängerte kürzlich bis 2024. Nach dem Abgang von Ashvin Balaruban zu Xamax könnte hinten links noch ein Frydek-Backup auf der Einkaufsliste stehen: Nias Hefti könnte eine Option sein, der 22-Jährige wurde vom FC Thun zuletzt an Stade Lausanne-Ouchy ausgeliehen und könnte Interesse an einem Wechsel haben. Mit Leny Meyer (18) wurde zudem ein junger Linksverteidiger aus dem Nachwuchs befördert.


Unser Vorschlag für die Aussenverteidigung:

Nias Hefti (FC Thun)


Alternative: Bastient Conus (FC Aarau)


Mittelfeld: Zwei grosse Lücken zu füllen

Im Mittelfeld hat der FC Luzern in diesem Sommer mit Filip Ugrinic und Marvin Schulz seine zwei wichtigsten Spieler verloren. Neu verpflichtet wurde bisher «nur» Nicky Beloko von Xamax, der 22-Jährige dürfte aber wohl nicht direkt zum Stammpersonal gehören, sondern soll langsam aufgebaut werden. Neben Ardon Jashari als gesetztem «Sechser» und Christian Gentner, gibt es noch eine grosse Lücke im zentralen Mittelfeld. Etwas offensiver werden Samuele Campo und Pascal Schürpf agieren, zudem kehrt der langzeitverletzte Ghanaer Samuel Alabi zurück.


Für die Zentrale wollte der FCL laut der Luzerner Zeitung den früheren Lausanner Cameron Puertas vom belgischen Vizemeister Royal Union Saint-Gilloise verpflichten. Puertas wäre einer von ganz wenigen Spielern, die von ihrer individuellen Qualität her als gleichwertiger Ersatz für Ugrinic bezeichnet werden können. Doch der 23-jährige Aggressivleader ist laut unseren Informationen in diesem Sommer nicht aus Belgien wegzulocken. Um im belgischen Fussball zu bleiben: Eine Ausleihe des früheren U21-Nationalspielers Bastien Toma, der in der Rückrunde noch für St. Gallen agierte, wäre vielleicht eine sinnvolle Alternative.


Weiter berichtet die Luzerner Zeitung, dass der FCL Matias Palacios vom FC Basel ausleihen wolle, auch wenn das nicht allzu realistisch scheint. Kelechi Nwakali, ein vereinsloser Mittelfeldspieler, der zuletzt in Spanien bei Huesca agierte, soll ebenfalls bei Remo Meyer auf dem Zettel stehen. Wenn der FCL etwas Geld in die Hand nehmen möchte, wären Agustin Gonzalez von Schaffhausen oder Daniel Dos Santos von Thun Top-Verstärkungen.


Unsere Vorschläge für das zentrale Mittelfeld:

Bastien Toma (Leihe, KRC Genk) und Agustin Gonzalez (FC Schaffhausen)


Alternativen:

Matias Palacios (FC Basel), Kelechi Nwakali (vereinslos) oder Daniel Dos Santos (FC Thun)



Sturm: Erfolgreich verstärkt

Toptorschütze des FCL in der letzten Saison war kein Stürmer, sondern Mittelfeldspieler Filip Ugrinic (10 Pflichtspiel-Tore). Obwohl sich zum Schluss Dejan Sorgic steigerte (4 Tore in den letzten 6 Spielen) und auch Winterneuzugang Asumah Abubakar mit 6 Toren kein schlechtes Zeugnis erhielt, gibt es nach den Leih-Enden von Nikola Cumic und Marko Kvasina eine Lücke im Sturm. Diese füllte der FCL eindrücklich – mit dem Challenge-League-Toptorschützen Joaquin Ardaiz vom FC Schaffhausen (20 Tore 2021/22). Zu den Stürmern im Kader gehören könnte auch Nando Toggenburger, Mario Frick setzte den talentierten U19-Nationalspieler in der Vorbereitung regelmässig ein.


Im Sturmzentrum darf man von Luzerns Offensive, die in der Rückrunde 2021/22 übrigens gleich viele Ligatore erzielte wie der FC Basel (32), also einiges erwarten. Dünner ist man auf den Flügeln besetzt, nach dem Abgang von Varol Tasar auf Leihbasis in die Türkei verbleiben nur noch Ibrahima Ndiaye und Pascal Schürpf auf der Aussenbahn – es ist also zu erwarten, dass Mario Frick 2022/23 wie schon teilweise in der Rückrunde der letzten Saison vermehrt auf ein 4-4-2 mit Raute und damit ohne klassische Flügel setzen wird.


Um offensiv taktisch trotzdem flexibler zu sein, wäre es sinnvoll, einen weiteren gelernten Aussenbahnspieler zu verpflichten. Eine aufregende Wahl wäre Sofyan Chader. Der algerische Flügel sorgte in der letzten Saison leihweise bei Stade-Lausanne-Ouchy für Furore (9 Tore, 2 Vorlagen) und wäre mit seinem Speed und seiner Unberechenbarkeit eine tolle Verstärkung. Chader steht noch bis 2024 bei Clermont Foot unter Vertrag, eine echte Zukunft in der Ligue 1 scheint er aber nicht zu haben.


Unser Vorschlag für den Flügel:

Sofyan Chader (Clermont Foot)


Alternative:

Henri Koide (FC Zürich)



So könnte der FC Luzern in der neuen Saison auflaufen:


Als weitere Kader-Optionen auf der Bank: Loic Jacot (GK), Pascal Loretz (GK), Leny Meyer (LV), Luca Jaquez (IV), Severin Ottiger (RV), Noah Rupp (ZM), Lino Lang (OM), Samuel Alabi (OM), Sofyan Chader (Flügel)