• Emanuel Staub

Torschützenkönig in Luxemburg: Das ist SLO's neuer Stürmer Hadji

Die Challenge League ist um eine Attraktion reicher: Stade-Lausanne-Ouchy verstärkt sich mit dem französisch-marokkanischen Stürmer Zachary Hadji, der zuletzt in Luxemburg zum besten Spieler ausgezeichnet wurde und die Torschützenkrone ergatterte. Was darf sich SLO von seinem neuen Angreifer erhoffen?


Auf Umwegen zu Ruhm im Herzogtum

Zachary Hadji, heute 24-jährig, unterschrieb vor wenigen Wochen bei Stade-Lausanne-Ouchy in der Challenge League. Der Sohn des früheren afrikanischen Ballon d'Or-Gewinners Mustapha Hadji hat trotz jungen Alters bereits eine beachtliche Odyssee hinter sich. Seine fussballerische Ausbildung erhielt er in der Nachwuchsschmiede des FC Metz. Zu einem Einsatz für die erste Mannschaft der "Grenats" ist es aber nie gekommen.




Nach einem halben Jahr der Vereinslosigkeit schloss sich Hadji im Winter 2017 CF Gavà an, einem spanischen Viertligisten. Nach nur 6 Monaten und 2 Toren in 10 Spielen, zog es ihn – erneut nach mehreren Monaten ohne Klub – nach Deutschland: In der Regionalliga Südwest ging er in der Saison 2017/18 für den SV Röchling Völklingen auf Torejagd – mit verhaltenem Erfolg, wie 2 Treffer in 14 Einsätzen belegen. Zum dritten Mal in seinem Fussballerleben erlebte Hadji darauf eine Periode der Vereinslosigkeit. Im Winter 2019 führte ihn sein Weg schliesslich nach Luxemburg, zum achtfachen Meister CS Fola Esch.


Die Scouting-Abteilung des ältesten Fussballklubs in Luxemburg muss etwas in Hadji erkannt haben, das allen anderen Vereinen davor verborgen blieb. Und der Trainerstaff wusste genau, wie man es aus ihm rauskitzeln konnte: Nach einer verhaltenen Debütsaison explodierte der Stürmer in der abgelaufenen Spielzeit regelrecht. Hadji schwang sich zum überragenden Spieler der luxemburgischen BGL Ligue auf und schmeckte zum ersten Mal in seiner bis anhin wenig glücklichen Karriere das süsse Gefühl von Erfolg.


Als einzige Spitze in einem 4-3-2-1-System schoss Hadji Fola Esch im Alleingang zum Titel. In 28 Liga-Einsätzen 2020/21 kam er auf unfassbare 33 Tore und 9 Vorlagen. Pro Partie registrierte Hadji 1.5 Scorerpunkte – eine Bilanz, wie es sie im modernen Fussball nicht oft gibt. Im Herzogtum wurde ein neuer Stürmerstar aus dem Nichts geboren. Hadji eroberte ohne Mühe die Torjägerkrone und wurde darüber hinaus auch zum besten Spieler der Liga gewählt – eine Auszeichnung, die er im Interview mit theworldnews.net selber als "verdient" bezeichnete.


33 Tore sind kein Zufall

Hadji hat eine bemerkenswerte Entwicklung hinter sich. In wenigen Monaten schwingt er sich von einem arbeitslosen Halbprofi zum gefragtesten Mann im luxemburgischen Fussball auf. Ein solcher Aufstieg war nicht vorauszusehen. Doch wie war diese Explosion möglich? Wir haben bei einem Mann nachgefragt, der den luxemburgischen Fussball und die BGL Ligue wie seine eigene Westentasche kennt: Bence Horvath, Betreiber von LuxembourgFooty, dem grössten unabhängigen Social Media-Kanal, der sich dem Fussball im Herzogtum widmet.


Horvath sieht mehrere Gründe für Hadjis Durchbruch: "Vor seinem Engagement bei Fola Esch spielte er nie mehr als eine Saison für den selben Klub, für ihn war es daher eine grosse Chance, sich hier über mehr als 2 Jahre richtig einleben zu können." Daneben sei auch das installierte Spielsystem mit ein Grund für die steile Entwicklung des 24-Jährigen. Der offensive, schnelle Fussball, den Trainer Sébastien Grandjean spielen lässt, komme seinen Qualitäten entgegen. "Fola Esch spielte meist mit einer 4-2-3-1-Formation, in welcher Hadji und die drei offensiven Mittefeldspieler hinter ihm oft die Positionen wechselten und dadurch ein "organisiertes Chaos" kreierten."


via fcslo.ch

Und genau diese ständigen Bewegungen im Angriff brachten das Beste in Hadji hervor: "Er war oft involviert ins Kombinationsspiel, arbeitete auch intensiv nach hinten und bot eine helfende Hand im Aufbauspiel, indem er sich fallen liess und seine Position ständig wechselte, gerade mit den Flügelspielern. Darüber hinaus presste er die gegnerischen Verteidiger aggressiv und förderte so deren Schwächen mit dem Ball zutage." Hadji ist also mehr als ein reiner Torjäger, vielmehr war er essentiell für das gesamte Spiel von Fola Esch. "Er ist ein all-round-Stürmer", fasst Horvath zusammen.


Aber wer 33 Tore erzielt, der bringt auch noch ganz andere Qualitäten mit: "Hadji wählt vor dem Tor stets den einfachsten Weg. Obwohl er technisch zu den stärksten Spielern der Liga zählte, sah man ihn nie unnötig um den Torwart dribbeln oder einen Panenka-Penalty versuchen. Er hat einen natürlichen Killerinstinkt vor dem Tor, er sucht immer den direktesten Weg und jagt das Leder ohne zu zögern in die Maschen, wenn sich ihm die Gelegenheit dazu bietet."


Der perfekte Lahiouel-Ersatz?

Der Wechsel zu Stade-Lausanne-Ouchy überraschte Horvath ein wenig: "Ich muss sagen, meine optimistischere Seite hätte gehofft, dass er eine Chance in einem grossen Verein erhält." Den Waadtländern muss man zu einem vielversprechenden Transfer gratulieren. Den Torschützenkönig Luxemburgs von einem Wechsel zu überzeugen, muss einem Challenge League-Verein erst einmal gelingen.


SLO sieht sich in der schwierigen Lage, Topscorer Yanis Lahiouel (26) ersetzen zu müssen, den es zu Liga-Konkurrent Xamax zog. Der Franzose sammelte in der abgelaufenen Saison in 31 Partien 19 Scorerpunkte und überzeugte – ähnlich wie Hadji – mit seinem natürlichen Torriecher und seiner Abschlussstärke. Auch physische Merkmale (Lahiouel 1,81m / Hadji 1,82m) und die Mobilität teilen sich die beiden Angreifer. Darüber hinaus war Lahiouel ebenfalls im Stande, aktiv zum Spielaufbau beizutragen und Vorlagen zu liefern. Hadji verkörpert also einen sehr ähnlichen Spielertypus und kann als Lahiouels 1:1-Ersatz verstanden werden.


Aber natürlich ist trotz aller tollen Voraussetzungen etwas Vorsicht geboten: Das Niveau der BGL Ligue ist im internationalen Vergleich eher niedrig anzusiedeln. Die UEFA klassiert das luxemburgische Championnat in der 5-Jahres-Wertung auf Rang 35 – und damit hinter Ligen wie jene aus Litauen. Wie stark ist die BGL Ligue also? Horvath: "Mein perfekter Vergleich ist immer die Irische Premier League, wir haben viel gemeinsam. Beide haben teilweise semi-professionelle Teams und Strukturen, zwei hervorstechende "Standout-Vereine" (Shamrock & Dundalk bzw. Dudelange & Fola Esch) und sind im europäischen Vergleich eher niedrig klassiert. Das Level ist ganz sicher deutlich unter jenem der Schweizer Super League, aber in Reichweite der Challenge League."


Grosse Anpassungsschwierigkeiten dürften sich Hadji bei SLO nicht bieten. Es wird äusserst spannend zu beobachten sein, ob er seine letzte Saison in der Schweiz wird bestätigen können – oder ob er am Ende doch nur ein One Season Wonder aus Luxemburg ist. Aber Hadji bringt alles mit, um zu einer grossen Attraktion der Challenge League zu werden.





Bence Horvath / LuxembourgFooty: https://twitter.com/LuxembourgFooty