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Tician Tushi – ein FCB-Talent in der Warteschlaufe

Aktualisiert: 26. Sept. 2021

Er gehört zu den hoffnungsvollsten Talenten des FCB-Nachwuchs: Schweizer U-Nati-Stürmer Tician Tushi. Nach einem rasanten Aufstieg ist seine Entwicklung zuletzt stagniert und seine Spielzeit in der 1. Mannschaft geschrumpft. Woran liegts? Bolzplazz macht den Check.


Tician Tushi, geboren in Grenchen im Frühling 2001, schnürte seine Fussballschuhe zu Beginn seiner Fussballkarriere für die Junioren des kantonansässigen FC Biel Bienne. Durch starke Leistungen im Breitenfussball ermöglichte er sich einen Wechsel in den Junioren Spitzenfussball. Ab Sommer 2013 läuft er für unterschiedliche Altersklassen der Young Boys auf und darf sich Woche für Woche mit seinen besten Altersgenossen schweizweit messen. Die Umstellung vom Breiten- in den Leistungssport fällt jungen Fussballern in diesem Alter normalerweise schwer, Tushi aber bekundete erstaunlich wenig Mühe.


Von nun an zählt nicht nur die Leistung auf dem Platz, sondern auch das Verhalten neben dem Rasen. All diese neuen Hürden scheinen für „Tici“, wie sein Umfeld ihn nennt, kein Problem zu sein. Der mittlerweile 1,80m gross gewachsene Mittelstürmer etabliert sich in der Nachwuchsabteilung der Berner und in der U-Nationalmannschaft, bei der er seit der U15 immer dabei ist. Der Ligakonkurrenten aus Basel wird auf den technisch versierten Stürmer, gesegnet mit einem schnellen Antritt, aufmerksam. Auch die Ruhe, die er vor dem Tor behält, ist für sein Alter eher rar. So entscheiden sich die Verantwortlichen des FC Basel, ihn 2016 unter Vertrag zu nehmen und den Angreifer in die eigene Nachwuchsakademie einzugliedern. Zuerst sollte er sich durch die Jugendmannschaften hocharbeiten, ehe er behutsam an die erste Mannschaft herangeführt werden sollte.


Der Plan ging auf: So feierte er in der Saison 2017/18 den Meistertitel mit der U18 und konnte im Folgejahr für die 1. Mannschaft der Basler debütieren. Seitdem taucht er allerdings nur noch sporadisch auf dem Matchblatt der Profis auf. Zuletzt stand er stets für die U21 im Einsatz. Bis dato schoss Tushi in 85 Partien 36 Tore für die Nachwuchsmannschaften des FCB. Auf Profistufe kommt er auf insgesamt 30 Spiele (14 in Basel/ 16 in Wil), bei denen er sieben Mal das Netz zappeln liess und vier weitere Male ein Tor vorbereitete.


Das Sturmjuwel, das nach wie vor zu den grössten Schweizer Offensivhoffnungen seines Jahrgangs gezählt wird, scheint aber aktuell ein wenig zu stagnieren. Der Sprung in die 1. Mannschaft ist zwar gelungen, aber noch mangelt es an konstanter Spielzeit. Spielzeit, die natürlich essenziell für seine kontinuierliche Weiterentwicklung auf höchster Stufe wäre. Nun ist Tushi 20 Jahr alt, über den Status "Talent" ist er noch nicht hinausgekommen. Zum absoluten Leistungsträger muss er in diesem Alter zwar noch nicht gereift sein. Jedoch sind regelmässige Spielminuten auf Profiniveau Pflicht, um fussballerisch zu wachsen.


Ist er im Fanionteam aufgelaufen, konnte er sich dem neutralen Zuschauer oft nachhaltig ins Gedächtnis spielen. Am besten veranschaulicht, dass er zu den auffälligsten FCB-Eigengewächsen gehört, die aktuell an die Türe der Profis klopfen, hat er am letzten Spieltag der Saison 2019/20 in der Partie gegen den FC Luzern. Tushi greift energisch an, setzt immer wieder erfolgreich zu Hackentricks an, gewinnt Laufduelle, kommt zu Torchancen, scheitert aber an der Latte. In Spielen wie diesen hat er gezeigt, was für ein grosses Potential in ihm steckt. Deshalb auch wenig verwunderlich, dass sich der FC Will im letzten Winter um eine Ausleihe des explosiven Stürmers bemühte. Tushi entschloss sich zum leihweisen Wechsel in die Challenge League, wo er sich sofort einen Stammplatz eroberte und auf verschiedenen offensiven Positionen mehrheitlich durchspielte.


© Marc Schumacher (Freshfocus)

Was also sind die Gründe dafür, dass ein so hochveranlagter Spieler beim FC Basel kaum mehr zum Zug kommt? Folgend werden mögliche Antworten genannt:


1) Artur Cabral

Die Basler Lebensversicherung ist in dieser Form kaum vom Thron zu stossen. Das bekommt auch Sebastiano Esposito zu spüren. Der Ausnahmekönner, der eigentlich gelernter Stürmer ist, kommt vermehrt als hängende Spitze oder Zehner zum Einsatz. Cabral ist an den meisten Toren beteiligt und der Verein will wieder um den Titel spielen. Die logische Konsequenz daraus ist, dass gewisse Spieler kaum Spielminuten kriegen. Den Luxus wie früher, einem Jugendspieler ein "paar Spiele" in der Super League zu geben, hat der FCB in der Verfolgerrolle nicht mehr.


2) Vertrauen

Offensivspieler benötigen generell mehr Vertrauen als Defensivspieler, damit sie funktionieren. Als Stürmer musst du dieses Vertrauen in dich spüren, sonst wird es schwierig, Leistung abzurufen. Ein junger Profi muss, soll und darf Fehler machen. Wer keine Fehler macht, kann nicht lernen. Dieses Vertrauen scheint Tushi im Moment weniger zu geniessen. Wenn er es aber erhält, wie beispielsweise im Cup gegen den FC Schönenwerd, zahlt er es bestmöglich bzw. mit 3 Torbeteiligungen und einem gewonnenen Penalty zurück. Natürlich war das ein unterklassiger Gegner aber dennoch unterstrich er in dieser Partie vor wenigen Wochen einmal mehr sein Potential.


3) Neuzugänge

Viel Potential besitzen auch die hochkarätigen Neuzugänge, die aus den renommiertesten Clubs Europas gekommen sind. Durch sie sind die eigenen Talente in der Hierarchie weiter nach hinten gerutscht. Dieser neuen Transferpolitik sind Eigengewächse wie Orges Bunjaku oder Yannick Marchand zum Opfer gefallen. Ob die neuen Youngster wirklich besser sind, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.


Die Frage, warum Tushi sich aktuell schwertut in der 1. Mannschaft festzuspielen, hält also mehrere Antworten bereit. Was sich zudem hinter verschlossen Türen genau abspielt, wissen nur die Akteure selbst. Dass es in seiner FCB-Karriere aber nicht ewig so weiter gehen kann, weiss Tushi selber am besten. Will er wie erhofft eine grosse Fussballkarriere lancieren, wird er sich beim FC Basel weiterhin durchbeissen müssen – oder aber bei einem neuen Verein einem Anlauf nehmen, wo er als Protagonist gesetzt ist und nicht nur bloss eine Nebenrolle ausfüllt.