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Swiss Talent Watch: Matteo Di Giusto – eine Attraktion aus dem Ländle

In der Serie "Swiss Talent Watch" stellt Bolzplazz jeweils ein Schweizer Talent vor. Der 13. Beitrag ist Matteo Di Giusto gewidmet.


Wechsel zum FCV: Ein gefühlter Rückschritt wird zu einem doppelten Sprung nach vorne

Der FC Vaduz ist in der Schweiz nicht unbedingt als Sprungbrett für Toptalente bekannt. Das könnte sich nun aber bald ändern: Dank einem Strategiewechsel unter dem Duo Mario Frick (Trainer) und Franz Burgmeier (Sportchef) legt der FCV vermehrt den Fokus auf die Entwicklung junger Spieler. Einer dieser talentierten Vaduzer, der in dieser abgelaufenen Saison trotz Abstieg viel Werbung für sich gemacht hat, ist Matteo Di Giusto (20).


Im letzten Sommer stiess der 1,68m kleine Angreifer aus dem Nachwuchs des FC Zürich ins Ländle. Beim frischgebackenen Aufsteiger sollte er erste Erfahrungen im Profifussball sammeln und eine Bühne in der Super League erhalten. Ein Jahr später lässt sich sagen: Geklappt hat es wunderbar.


Der FCZ liess seinen Jugendspieler im letzten Jahr für eine geringe Summe ziehen. Sehr wahrscheinlich hat die Klubführung diesen Verkauf mittlerweile bereut – und das nicht nur, weil Di Giusto in dieser Saison gleich zweimal gegen den FCZ traf. Der Stadtclub muss sich vorwerfen lassen, seinem ehemaligen Junior keine wirkliche Perspektiven geboten zu haben. Ein einziger Einsatz absolvierte Di Giusto für die 1. Mannschaft der Zürcher, im Sommer 2019. Danach wurde er wieder in der U21 parkiert, von wo aus er schliesslich den Schritt ins Fürstentum wagte.


Im Nachhinein kann man Di Giusto für seine Wahl nur gratulieren. Es braucht Mut, ohne jegliche Profi-Erfahrung bei einem designierten Absteiger zu unterschreiben. Der gefühlte Rückschritt hat sich für den jungen Zürcher als doppelten Sprung nach vorne erwiesen. Beim FCV erhielt er eine Plattform im Schweizer Profifussball und garantierte Einsatzzeiten. Je länger die Saison ging, desto wichtiger wurde Di Giusto für die Liechtensteiner.




33 Super League-Einsätze kann der quirlige Angreifer für den FC Vaduz vorweisen, 20 Mal stand er in der Startelf. Dabei brachte es Di Giusto auf sehr respektable 4 Tore. In einer defensiv ausgerichteten Mannschaft ohne starke Einzelspieler ist diese Bilanz für einen unerfahrenen Youngster wie Di Giusto aller Ehren wert.


Spielerprofil

Der in Wetzikon ZH geborene Stürmer zeichnet sich durch drei besondere Eigenschaften aus: Seine Wendigkeit, sein kraftvoller Abschluss und seine Frechheit. Di Giusto hat einen tiefen Körperschwerpunkt, wenn er mit dem Ball am Fuss durch die gegnerischen Abwehrreihen wuselt, ist er kaum vom Spielgerät zu trennen. Saubere Technik und tolle Ballführung in Kombination mit seiner wendigen, flinken und leichtfüssigen Art verleihen ihm eine ganz besondere Dynamik.


Seine erwähnte Abschlussstärke hat er in dieser Spielzeit ebenfalls zur Genüge unter Beweis gestellt: Seine erzielten Tore waren teils herrlich anzuschauen, die Entschlossenheit, Kraft und Präzision bei der Schussabgabe sind für einen so unerfahrenen Spieler äusserst beeindruckend. Als bestes Beispiel für Di Giustos tolle Schusstechnik darf sein Debüttor in der Super League hernagezogen werden: Aus über 25m traf er unhaltbar gegen seinen ex-Klub:



Bliebe noch Di Giustos erwähnte Frechheit: Diese charakterisiert seinen gesamten Spielstil. Wie er dribbelt, Haken schlägt und an Gegnern vorbeizischt ist teilweise spektakulär. 59% seiner Dribblings waren erfolgreich, ein respektabler Wert. Ohne jeden Zweifel ist der 20-jährige Angreifer der grösste Gewinner im Team des FC Vaduz. Seine Energie belebte das Offensivspiel der Ländle-Kicker merklich. Er verlieh dem FCV fast im Alleingang ein attraktiveres und unberechenbareres Gesicht.


Zukunftspläne und Nationalmannschaft

Sehr wahrscheinlich wird Di Giusto in der kommenden Saison nicht mehr in Vaduz unter Vertrag stehen. Definitiv wird er sich auf die Zettel einiger anderer Super League-Klubs gedribbelt haben, vielleicht klopft sogar ein Team aus dem Ausland an. Im Ausland war Di Giusto übrigens bereits einmal: 2018/19 war er als Leihspieler in der U19 des SC Freiburg engagiert, wo er starke Leistungen gezeigt hat: 8 Tore und 5 Assists in 24 Einsätzen. Ein weiterer Beweis für das aussergewöhnliche Talent des Youngsters.


via sport.ch

Eine offene Frage, der er sich in Zukunft noch wird stellen müssen, ist diejenige nach seiner besten Position. Eigentlich ist Di Giusto kein wirklicher Mittelstürmer, dazu fehlt ihm auch die Wasserverdrängung. Auf dem Flügel oder als hängende Spitze im Stile von Lorenzo Insigne dürfte er hingegen eine grosse Zukunft haben.


Diese könnte eines Tages auch ein A-Nati-Aufgebot bereithalten. Als Lohn seiner erfolgreichen Debütsaison im Profifussball berief ihn Mauro Lustrinelli jetzt bereits einmal in die Schweizer U21-Nationalmannschaft. Di Giusto könnte eines der Gesichter der neuen Generation Schweizer Talente werden. Nicht nur hat er grosses Potential nachgewiesen, sondern er hat auch gezeigt, dass der FC Vaduz als Schaufenster für junge Spieler eine attraktive Destination sein kann. Dazu kommt, dass die Super League um einen kreativen, frechen Spielertypus bereichert wurde, den es in der Schweiz sonst nicht allzu oft gibt.





Di Giusto erhält U21-Nati-Aufgebot: https://www.vaterland.li/liechtenstein/sport/matteo-di-giusto-vom-fc-vaduz-erhaelt-u21-aufgebot;art174,446848


Viel gelernt beim SC Freiburg: https://www.blick.ch/sport/fussball/superleague/ueberraschung-di-giusto-diese-rolle-spielt-streich-im-vaduz-abstiegskampf-id16509420.html