• Emanuel Staub

Swiss Talent Watch: Enzo Adeagbo – via Serie A an die U21-EM?

Aktualisiert: März 9

In der Serie "Swiss Talent Watch" stellt Bolzplazz jeweils ein Schweizer Talent vor. Der vierte Beitrag ist Enzo Adeagbo gewidmet.

Enzo Adeagbo dürfte für die meisten Schweizer Fussballfans ein unbekannter Name sein. Bis vor kurzem spielte der gebürtige Genfer noch für den Nachwuchs von Servette. 2016 wurde der 1,89m grossen Innenverteidiger in die eigene Jugendakademie geholt, nachdem man ihn in der westschweizer Fussballprovinz entdeckt hatte. In der U18 der Grenats war Enzo Adeagbo gesetzt und der unangefochtene Chef der Defensive, ehe es ihn im Sommer 2021 nach Italien zog. Mit Lazio Rom interessierte sich ein Topverein für Adeagbos Dienste und schnappte sich den jungen Schweizer ablösefrei. Mit Jahrgang 2002, könnte er nun schon bald der jüngste Schweizer werden, der im Ausland zum Einsatz kam.


Adeagbo unterzeichnete kurz darauf bei Lazio seinen ersten Profivertrag und ist offiziell als zukünftiger Protagonist eingeplant. Vorerst soll er aber in der U19 an den italienischen Fussball herangeführt werden und Erfahrungen in Italiens Nachwuchsmeisterschaft, der Primavera 1, sammeln. Adeagbo verfügt über eine herausragende Physis. Der Riese ist trotz seiner Körperlichkeit enorm agil und ziemlich schnell. Auch mit der Kugel am Fuss weiss Adeagbo zu gefallen und glänzt durch gutes Auge, viel Ruhe am Ball und einer tollen Spielauslösung. Seine Statistiken, die er in dieser Spielzeit in der Primavera 1 vorweisen kann, bekräftigen diese Eindrücke. Adeagbos Passquote liegt bei 90% und fast ein Drittel seiner Pässe sind progressiv nach vorne gerichtet. Das bedeutet, dass er auch während er sich ins Angriffspiel einschaltet, eine hohe Passgenauigkeit beibehalten kann. Dies wiederum spricht für seine Übersicht, Technik und die erwähnte Abgeklärtheit am Ball. Adeagbo wird nie hektisch, sondern bleibt stets gelassen und souverän. Diese Coolness, gepaart mit seinem grossen Antizipationsvermögen, sorgt dafür, dass er kaum je falsche Entscheidungen trifft.


Auch gegen den Ball wiederspiegeln Adeagbos Stats die Eindrücke, die einem durch seinen Körperbau vermittelt werden. Er gewinnt im Schnitt rund 68% seiner defensiven Zweikämpfe, kann seine beeindruckende Physis also gewinnbringend einsetzen. Mit seinen langen Beinen ist Adeagbo überdies stets in der Lage, dem Gegner den Ball noch irgendwie wegzuspitzeln. So erobert er das Leder pro Partie im Durchschnitt 7.6 Mal zurück, ein starker Wert für einen Innenverteidiger. Die langen Beine helfen Adeagbo auch in Laufduellen, dank seinen grossen, raumgreifenden Schritten kann man ihm fast nicht entkommen. Schon jetzt bringt der junge Schweizer ein hervorragendes Gesamtpaket mit. Seine Mischung aus Schnelligkeit, Körperlichkeit und fussballerischer Klasse machen ihn zu einem hochmodernen Abwehrspieler und einem äusserst interessanten Talent.

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In 22 Partien dieser Saison betrug das Durchschnittsalter der Lazio-Elf mindestens 29 Jahre. Der Klub hat also Verjüngung bitter nötig, weshalb sich Adeagbo durchaus Chancen ausrechnen darf, bei Lazio durchzustarten. Perspektivisch dürfte der gebürtige Genfer auf jeden Fall eine ernstzunehmende Option für Coach Simone Inzaghi sein. Dies wird insbesondere davon unterstrichen, dass Adeagbo in dieser Spielzeit schon dreimal in den Serie A-Kader der ersten Mannschaft berufen wurde. Gegen Benevento, Napoli und AC Milan stand er im Dezember 2020 jeweils im Aufgebot. Bald schon könnte er also der nächste Schweizer werden, der im Ausland Fuss fasst und seine Karriere lanciert.


Adeagbo wurde noch nie für eine Schweizer Nachwuchs-Nati nominiert. Seine Eltern stammen aus Benin, er könnte für das westafrikanische Land schon jetzt eine mögliche Option sein. Um das zu verhindern, würde sich vielleicht ein U21-Nationalmannschaftsaufgebot anbieten. Adeagbo wäre eine spannende Alternative für Mauro Lustrinellis Team und besässe auf jeden Fall die Klasse, eine tragende Rolle einzunehmen. Man könnte ihn bereits für die anstehende U21-EURO nominieren und ihm so eine tolle Chance gewähren. Drei seiner fünf Konkurrenten um einen Platz in der U21-Innenverteidigung, namentlich Cédric Zesiger, Jan Bamert und Jasper van der Werff, sind alle schon 22 und werden nach der Europameisterschaft wohl bald keine Zukunft mehr in der nationalen Nachwuchsauswahl haben. Mit Becir Omeragic (19) und Leonidas Stergiou (18) hat Lustrinelli zwar noch zwei hochkarätige Innenverteidiger zur Verfügung, Enzo Adeagbo wäre aber eine vorzügliche Wahl, um den Konkurrenzkampf weiter zu befeuern und die Qualitätsdecke zu erhöhen. Enzo Adegabo: Von der Serie A-Nomination zum U21-EM-Ticket? Warum auch nicht...