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Swiss Talent Watch: Benjamin Kabeya – YB-Leader mit Köpfchen

Aktualisiert: 6. März

In der Serie "Swiss Talent Watch" stellt Bolzplazz jeweils ein Schweizer Talent vor. Heute im Fokus: Benjamin Kabeya (20), Kapitän des U21-Teams des BSC Young Boys.


Der YB-Nachwuchs produziert nun schon seit geraumer Zeit in regelmässigen Abständen echte Rohdiamanten, die sich in vielen Fällen zu Stützen des Vereins entwickelt haben. David von Ballmoos, Michel Aebischer, Sandro Lauper, Fabian Rieder, Felix Mambimbi, Nico Maier, Leandro Zbinden, Abdullah Laidani, Lewin Blum und Aurèle Amenda – das sind die Namen all jener YB-Eigengewächse, die in dieser Saison schon in der 1. Mannschaft zum Einsatz gekommen sind. In Bern ist "Nachwuchsförderung" also nicht nur eine leere Floskel, sondern sie wird gezielt vorangetrieben und ist ein fest verankerter Teil der Klubstrategie.


Ein Spieler, den man in naher Zukunft ebenfalls in dieser Auflistung finden dürfte, ist Benjamin Kabeya. Der 20-Jährige ist seit 2019 Kapitän der U21-Mannschaft, mit der er seit letztem Sommer in der Promotion League aufläuft, und schnuppert nun an einem Platz in der 1. Mannschaft. Mitte Februar stand er zum ersten Mal im Spieltagskader von David Wagner, nachdem er in der Vorbereitung bereits in Testspielen auflaufen durfte. Der Deutsche nominierte ihn für den Spitzenkampf gegen den FC Basel (3:1). Eine Erfahrung, die Kabeya, seinerseits gebürtiger Berner, im Gespräch mit Bolzplazz als "aufregend und elektrisierend" beschreibt.


Auch eine Woche später gegen GC (2:2) war er auf dem Matchblatt zu finden, noch aber lässt der erste Einsatz auf sich warten. Dass er sich nun so plötzlich im Dunstkreis der Profis wiederfindet, hat sicher auch mit der Verletzungsmisere zu tun, die YB in dieser Saison erleidet – aber nicht nur. Gerade sein Aufgebot für die Partie gegen Basel beweist, dass die Verantwortlichen vom Potential Kabeyas überzeugt sind – und das mit gutem Recht.


Kabeya – Power und Polyvalenz


Kabeya kam mit 15 Jahren in den Nachwuchs der Young Boys. Ursprünglich im defensiven Mittelfeld zuhause, wurde er in der U18 aufgrund vieler Ausfälle zum Rechtsverteidiger umfunktioniert. Seither pendelt er zwischen den beiden Positionen, sagt jedoch ganz klar: "Langfristig sehe ich meine Zukunft als Aussenverteidiger." Gute Voraussetzungen bringt er aber zweifellos für beide Rollen mit: Kabeya ist schnell, robust, einsatzwillig und sehr mannschaftsdienlich. Dazu kommen eine saubere Technik, gutes Spielverständnis und viel Aggressivität gegen den Ball. Allesamt Eigenschaften, die dem Rechtsfuss sowohl auf der Sechs, als auch auf der defensiven Aussenbahn zugutekommen.



Während im Zentrum Kabeyas gute Technik, das Spielverständnis und die Zweikampfstärke zum Tragen kommen, ist es auf der Aussenbahn eher sein Speed, seine Durchschlagskraft und seine Lauffreude. Der Biss und die Aggressivität, das stete "Suchen nach Zweikämpfen und Laufduellen", wie es Kabeya beschreibt, ist zudem für beide Positionen ein grosses Plus. Es ist das Gesamtpaket aus physischen Faktoren und Polyvalenz, das den jungen Berner zu einem äusserst spannenden Talent für die Zukunft werden lässt.


Gegner ablaufen, ausspielen und abdrängen gehört zum Repertoire des Energiebündels. Wo er allerdings noch Luft nach oben besitzt, ist der offensive Bereich. Kabeya bringt das Tempo und die Stärke im Eins-gegen-Eins mit, kann aber noch zu selten mit Scorerpunkten zum Angriffsspiel seines Teams beitragen. Nur zwei Treffer und keine einzige direkte Vorlage in fast 50 Einsätzen für die Berner U21 ist eine ausbaubare Statistik – vor allem für einen Spieler mit seinen Anlagen. Das weiss auch Kabeya selber: "Ich möchte mein offensives Spiel noch weiter verbessern. Speziell will ich die Effizienz meiner Flanken optimieren und der Mannschaft so zu mehr Toren verhelfen."


Leader mit Köpfchen


Kabeya hat aber noch deutlich mehr zu bieten als "nur" tolle Anlagen als Fussballer: Der 20-Jährige bringt erstaunliche Führungsqualitäten mit, schon vor seiner Beförderung in die U21 trug er in diversen Nachwuchsstufen die Kapitänsbinde. Ein Amt, das er seither mit viel Pflichtbewusstsein und Leidenschaft ausgefüllt hat. "Ich versuche die Werte, die wir als Team definiert haben, auf und neben dem Platz zu verkörpern und so auch ein Vorbild für die jüngeren Spieler zu sein", so Kabeya auf seinen Kapitänsstatus angesprochen. Die Berner Verantwortlichen schätzen seine reife Art und seine professionelle Haltung sehr – weitere Faktoren, die dafür sprechen, dass ihm eine Zukunft in der 1. Mannschaft winkt.


Als Leader qualifiziert Kabeya aber auch noch ein weiterer Punkt: Der junge Schweizer hat Köpfchen. Während seiner fussballerischen Ausbildung drückte er jahrelang parallel die Schulbank. Und das mit Erfolg: Er absolvierte die Matura am Gymnasium Neufeld in Bern, im Sommer 2021 schloss er souverän ab. Der Spagat zwischen Fussball und Schule gelang ihm optimal, als Zweitkarriere kommt für ihn so auch eine akademische Laufbahn in Frage – gerade am Fach Psychologie findet er viel Gefallen. Vorerst liegt der volle Fokus aber auf dem Sport. Ist der fixe Sprung in den Profifussball geschafft, könnte sich vielleicht ein gleichzeitiges Fernstudium anbieten – ein Modell, das von nicht wenigen Fussballern gewählt wird.



Langfristig hat Kabeya ein ganz bestimmtes Ziel: Er will in eine Top-Liga wechseln, besonders die Bundesliga steht bei ihm hoch im Kurs, wie er uns erzählt. Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg. Was noch fehlt: Spielzeit auf höchster Ebene. Sein Vertrag läuft am Ende der Saison aus, bekommt er Perspektiven aufgezeigt, dürfte er aber bleiben. Im Sommer steht in der Bundeshauptstadt ohnehin ein personeller Umbruch an – könnte sein, dass dann Kabeyas Stunde schlägt. Eine andere Möglichkeit: Die Parteien kommen angesichts der grossen Konkurrenzsituation zum Schluss, dass eine Ausleihe mehr Sinn ergibt. Mit Mischa Eberhard und Lewin Blum, die beide leihweise bei Yverdon-Sport aufgeblüht sind, hat der Schweizer Meister in dieser Saison ja bereits gute Erfahrungen mit Leihgeschäften gemacht.


Die nächsten Monate werden für Kabeya also entscheidend. Erhält er eine echte Chance in der 1. Mannschaft, wird er diese packen wollen – durch seine Adern fliesst als Stadtberner schliesslich gelb-schwarzes Blut. Gut möglich, dass ihm Wagner noch in dieser Saison eine Gelegenheit gibt, sein Talent in der Super League zu beweisen und sich so für einen neuen Vertrag aufzudrängen. Das fussballerische Talent, der Biss und die richtige Einstellung bringt er jedenfalls mit. Was er nun braucht, sind Einsatzminuten. Bekommt er diese auf hohem Level, könnte er zudem auch bald wieder in den Fokus des SFV rücken. Kabeya gehörte in der Vergangenheit bereits der Schweizer U18- und U19-Auswahl an, musste sich dort aber mit einer ungewohnten Reservistenrolle zufrieden geben. "Die U-Nati ist und bleibt für jeden Nachwuchsspieler eine Motivation", so der 20-Jährige. Ein weiterer Beleg dafür, dass der Youngster grosse Ziele hat. Man darf gespannt sein...