• Emanuel Staub

Swiss Midfield Talents: Die Schweizer U21 Mittelfeld-Hoffnungen

Aktualisiert: März 9

Die Schweiz verfügt über eine Vielzahl an jungen Mittelfeldtalenten, die in Jugendakademien auf dem ganzen Kontinent für Furore sorgen. Nachdem wir bereits die grössten Schweizer Sturmtalente vorgestellt haben, rücken wir in diesem Artikel die 12 aktuell vielversprechendsten und spannendsten Schweizer U21 Mittelfeldspieler in den Fokus.


Vorab einige Anmerkungen: In die Liste aufgenommen wurden nur Spieler, die bereits Erfahrungen auf Profi-Stufe sammeln konnten. Schweizer Talente wie Nicky Beloko (20, AC Florenz) oder Sidy Diagne (19, FC Sochaux) sind zwar ebenfalls sehr interessant, wir beschränken uns in diesem Artikel aber nur auf jene jungen Schweizer Mittelfeldspieler, die ihr Können bereits auf Profiebene nachweisen konnten. Andere Schweizer Mittelfeldhoffnungen wie Petar Pusic (22, GC), Cameron Puertas (22, Lausanne-Sport) oder Toni Domgjoni (22, FC Zürich) sind bereits älter als 21 und daher für dieses Ranking nicht zugelassen.

Die Spieler wurden in drei Kategorien aufgeteilt:

  1. Gold: Profi-Durchbruch geschafft und Potential bewiesen

  2. Silber: Arbeiten am definitiven Durchbruch und beweisen zurzeit ihr Potential

  3. Bronze: Potential wurde angedeutet, aber der Durchbruch lässt auf sich warten


Kategorie Gold


Nedim Bajrami, 21: FC Empoli – Offensives Mittelfeld

Nach dem Abstieg 2019 verliess der 12-fache Schweizer U21-Nationalspieler seinen Jugendklub GC und schloss sich Empoli in der Serie B an. Was zuerst nach einer seltsamen Wahl klingt angesichts des rohen Talents, das Bajrami in der Schweiz bewiesen hat, hat sich als exzellente Entscheidung herausgestellt. Im italienischen Unterhaus konnte der technisch hochbegabte Zehner nämlich in Ruhe reifen und sich ohne Druck weiterentwickeln. In seiner ersten Saison überzeugte Bajrami auf Anhieb und kam in 28 Serie B-Partien auf 5 Tore und 4 Assists. Was er aber in der aktuellen Saison leistet, speziell in diesem noch jungen Jahr, zeigt eindrücklich auf, dass der Zürcher ein neues Level erreicht hat. 2021 absolvierte Bajrami 7 Einsätze für Empoli, in denen er genauso viele Scorerpunkte verzeichnete. 3 Tore und 4 Vorlagen gingen in diesen Partien auf sein Konto, darunter ein Doppelpack gegen die SSC Napoli in der Coppa Italia. Bajrami zeichnet neben seinen tollen technischen Fertigkeiten auch viel Übersicht, Dribblingstärke und ein Auge für raumöffnende Pässe aus. Bei Empoli hat er es mit 21 Jahren zum Fan-Favourite und dem vielleicht besten offensiven Mittelfeldspieler der Serie B gebracht. Im nächsten Jahr wird Bajrami definitiv erstklassig spielen – ob mit dem auf Auftsiegskurs liegenden Empoli oder einem neuen Verein, wird sich weisen.



Bastien Toma, 21: KRC Genk – Zentrales Mittelfeld

Bastien Toma ist während seiner Zeit beim FC Sion zu einem der interessantesten Schweizer Talente gereift. Der quirlige und wendige Mittelfeldspieler begeisterte aber nicht nur im Wallis, sonder auch in der U21-Nati. In der erfolgreichen EM-Qualifikation sammelte Toma als Schlüsselspieler 7 Assists und hatte entscheidenden Anteil daran, dass die Schweiz in diesem Frühling an der Endrunde teilnimmt. Im letzten Sommer wagte er den Schritt aus der Super League. Für viele vielleicht etwas überraschend, zog es Toma nach Belgien zum KRC Genk. Die Belgische Jupiler Pro League ist eine hervorragende Ausbildungsliga und eignet sich ideal als Plattform für junge Spieler. Mit dem Transfer zu Genk hat Toma einen klugen Zwischenschritt eingelegt, bevor er eine Topliga anvisiert. Es besteht kein Zweifel daran, dass er eines Tages in einer solchen auflaufen wird: Toma bringt das gewisse Etwas mit, er versprüht Spielfreude und hat Anflüge fussballerischer Genialität. Er erkennt Räume, spielt immer wieder gekonnt in die Schnittstellen, legt entzückende Pirouetten hin oder spielt no-look-Pässe hinter die Abwehrreihen. Toma ist kein physisch starker Mittelfelspieler, der sich in Zweikämpfe wirft. Vielmehr ist er ein Künstler mit dem Ball und sorgt für überraschende Momente. Nach Startschwierigkeiten kommt Toma nun auch in Belgien immer besser in Fahrt und erzielte jüngst sein Premierentor.



Simon Sohm, 19: FC Parma – Defensives Mittelfeld

FCZ-Eigengewächs Simon Sohm schaffte in der letzten Saison den Durchbruch in der Super League. Als Stammspieler gefiel er durch seine Ruhe am Ball, tollen und sehr präzisen Pässen und einer resoluten Zweikampfführung. 1,88m gross und breit gebaut, ist Sohm kein Spieler, an dem man mal so eben vorbeikommt. Er weiss seinen Körper gut einzusetzen und ist im Stande, seine Gegner aus dem Weg zu räumen. Sohm verleiht sowohl dem Spiel gegen den Ball als auch dem Aufbauspiel eine klare Struktur und kann als defensiv ausgerichteter Sechser eine Wucht sein. Im letzten Herbst wurde er prompt von Vladimir Petkovic aufgeboten und absolvierte sogleich seinen ersten Einsatz. Was Sohm noch ein wenig fehlt, ist die Offensivstärke. Erst 4 Scorerpunkte in 72 Profi-Einsätzen sprechen Bände. Dies hat den FC Parma aus der Serie A aber nicht davon abgehalten, sich das Schweizer Juwel vor der aktuellen Saison zu angeln. Bei den Italienern fand Sohm den Tritt sehr schnell und hat bereits 16 Partien absolviert. Der Schritt zum unbestrittenen Stammspieler dürfte ihm bald gelingen. Es wird nicht lange dauern, bis Sohm auf dem Radar von Vereinen anderer Gewichtsklassen auftaucht...

© Andrea Cantini


Kategorie Silber


Kastriot Imeri, 20: Servette FC – Zentrales Mittelfeld

Bereits über 100 Einsätze hat Kastriot Imeri im Alter von 20 Jahren für seinen Jugendklub Servette FC absolviert. Schon lange gilt der gebürtige Genfer als eines der grössten Talente im Schweizer Fussball. Aber so richtig ist Imeri noch nicht durchgestartet, es fehlt etwas die Konstanz in seinem Spiel. Während er in der letzten Spielzeit auf immerhin 7 Scorerpunkte in 24 Super League-Partien kam, kann er in der aktuellen Saison in 14 Einsätzen gerademal eine einzige Vorlage vorweisen. Der U21-Nationalspieler, dem in der EM-Quali gegen Frankreich ein herrliches Tor gelang, zeichnet sich durch eine äusserst feine Technik und unheimlich viel Gefühl im Fuss aus. Kleine Kunststückchen und freche Finten gehören bei Imeri sehr zur Freude der Genfer Fans zum Programm. Zweifelsohne ist er ein begnadeter Fussballer, technisch kann ihm bei Servette nur Miroslav Stevanovic das Wasser reichen. Kann sich Imeri zum unentbehrlichen Spieler für sein Team entwickeln und seine rohen Anlagen konstanter und konsequenter abrufen, wird man in Genf dereinst einmal ein kleines Vermögen mit ihm machen.

© Sam Modestia/Sandro Färber

Fabian Rieder, 18: BSC Young Boys – Zentrales Mittelfeld

Etwas aus dem Nichts erschien Fabian Rieder im vergangenen Herbst auf der Bildfläche. Extrem unerschrocken, cool und mit viel Elan, hat er sich seither beim Schweizer Meister festgespielt und gehört mittlerweile zum erweiteren Kreis des Stammpersonals. In der Schaltzentrale verteilt Rieder im Stile eines Routiniers die Bälle präzise und zuverlässig, gefällt überdies durch läuferischen Einsatz und beispielhaftes Zweikampfverhalten. Das YB-Eigengewächs geht keinem Duell aus dem Weg und ist auch als Balleroberer sehr wertvoll für sein Team. Die Abgeklärtheit und das Selbstvertrauen, mit dem er auch auf europäischer Bühne aufgetreten ist, erstaunt für jemanden seines Alters und zeigt auf, wie viel Talent und Potential noch in ihm schlummert. Gegen die AS Roma, notabene in seinem zweiten Einsatz für die 1. Mannschaft der Young Boys, holte Rieder rotzfrech einen Penalty heraus und schien die grosse Bühne zu geniessen. Rieder ist ein heisser Kandidat auf einen Platz im EURO-Kader der U21-Nati und wenn sein Aufstieg so rasant weitergehen sollte, wird er YB nicht mehr lange erhalten bleiben.


Lorik Emini, 21: FC Luzern – Defensives Mittelfeld

Nach dem Liga-Restart in der vergangenen Saison betrat mit Lorik Emini ein Spieler die Bühne des Schweizer Fussballs, den wohl nur sehr wenige auf der Rechnung hatten. Bissig im Zweikampf, geschickt in der Balleroberung und mit der seltenen Fähigkeit, das Spiel haargenau zu lesen. Emini ist ausserdem im Stande, Umschaltsituationen selbst einzuleiten durch kluge Pässe in die Spitze. Der gebürtige Zuger ist bereits mit 21 Jahren ein sehr kompletter Mittelfeldspieler und bringt eine grosse Zuverlässigkeit mit. In dieser Spielzeit macht er unter Fabio Celestini eine schwierige Phase durch und ist aus der ersten Elf gefallen. Nur dreimal durfte er über 90 Minuten ran, doch auch das schmälert sein Engagement auf dem Platz nicht im Geringsten. Dem FC Luzern ist zu raten, seinem Talent einen klaren Plan zu präsentieren und genug Einsatzzeit zu geben. Andernfalls dürfte es genug Vereine geben, die Emini noch so gerne in ihren Reihen hätten. Das letzte Mal für eine nationale Auswahl wurde Emini in der U16-Stufe berufen. Der SFV sollte ihm eine Chance in der U21 gewähren und ihm somit zeigen, dass man ihn nicht vergessen hat. Der Kosovo, das Land seiner Eltern, wirbt nämlich bereits aktiv um ihn.


Bledian Krasniqi, 19: FC Wil – Zentrales Mittelfeld

Dies dürfte vielleicht ein etwas überraschender Name in dieser Liste sein. Bledian Krasniqi, Schweizer U20-Nationalspieler und FCZ-Eigengewächs, ist schon in seiner zweiten Saison hintereinander als Leihgabe beim FC Wil unumstrittener Stammspieler. In 54 Partien für die Ostschweizer bringt es der filigrane Edeltechniker auf 4 Tore und 4 Vorlagen – für einen Teenager aller Achtung wert. Krasniqi läuft in der Talenttruppe von Alex Frei mit der Rückennummer 10 auf und ist als Bindeglied zwischen Aufbau und Angriff für den FC Wil unersetzlich. Mit eleganten Dribblings, tollen Pässen aus dem Fussgelenk oder feinen Hebern beweist Krasniqi in jedem Spiel seine fussballerische Hochbegabung. Noch fliegt das Zauberfüsschen unter dem Radar, dürfte aber bald schon gross rauskommen. Schwer vorstellbar, dass ihn der FCZ im kommenden Sommer erneut abgeben wird. Beim Stadtclub könnte Krasniqi der etwas offensiver ausgerichtete Ersatz für Toni Domgjoni werden, sollte dieser abwandern.



Kategorie Bronze


Alexandre Jankewitz, 19: FC Southampton – Zentrales Mittelfeld

Eines der vielleicht grössten Schweizer Juwele arbeitet zur Zeit auf der Insel an seinem Durchbruch. Der FC Southampton war 2018 bereit, fast zwei Millionen Euro für Alexandre Jankewitz an Servette zu überweisen, um das Talent in die eigene Akademie zu lotsen. In den Nachwuchsteams der Saints zeigte Jankewitz überragende Leistungen und wurde von Mauro Lustrinelli in die U21-Nationalmannschaft berufen, bevor er überhaupt auch nur eine Sekunde professionellen Fussballs gespielt hatte. 2020 wurde der Teenager aus Vevey zum "Scholar of the Year" des FC Southampton gewählt, also zum besten Nachwuchsspieler des Vereins. Jankewitz ist physisch unheimlich stark, enorm agil und dynamisch, technisch beschlagen und mit seinen raumgreifenden Schritten kaum einzuholen. Den rohen Anlagen zum Trotz, erlebte er jedoch einen Alptraumstart in seine Profi-Laufbahn. Bei seinem Starteldebüt für die Saints kassierte Jankewitz nach weniger als zwei Minuten eine rote Karte, die für sein Team eine historische 9:0-Pleite gegen Manchester United einleiten sollte. Das Negativerlebnis dürfte den Youngster noch etwas begleiten. Aber Jankewitz ist bereits jetzt einfach zu gut, als dass ihn dieser Fehlstart längerfristig schwächen könnte.


Yannick Marchand, 21: FC Basel – Zentrales Mittelfeld

FCB-Nachwuchsspieler Yannick Marchand fiel der Fussballschweiz erstmals so richtig im Pokalfinale der letzten Saison gegen YB auf (1:2). Als gewiefter Balldieb machte er seine Sache vor der Abwehr sehr überzeugend und schnell war klar, dass in Basel ein talentierter junger Fussballer heranwächst. Marchand ist körperlich zwar kein Brocken, stellt sich aber dennoch extrem geschickt in der Zweikampfführung an. Exzellentes Timing in Duellen und eine tolle Technik machen in Kombination mit einer guten Übersicht und viel läuferischem Engagement aus dem U21-Nationalspieler bereits jetzt einen sehr kompletten Mittelfeldakteur. In Basel gehört Marchand zum erweiterten Stammpersonal und erzielte im vergangenen Dezember sein Premierentor auf Profiebene. Seine Entwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen, doch schon jetzt hat er dem FCB äusserst viel zu bieten. Man darf gespannt sein, wie sein weiterer Weg verläuft.


Gabriel Bares, 20: Lausanne-Sport – Defensives Mittelfeld

Ein noch sehr unbekannter Name ist jener von Gabriel Bares. Trotz aller Konkurrenz, die von INEOS-Partnerklub OGC Nice nach Lausanne eingeflogen wurde, konnte sich Bares behaupten und hat sich in dieser Saison klamheimlich in Lausannes erste Elf gespielt. Mit einer Körpergrösse von 1,87m und den langen Beinen, bringt das Waadtländer Eigengewächs eine beeindruckende Erscheinung mit. Für seine Physis präsentiert sich Bares aber erstaunlich leichtfüssig und elegant, scheut dennoch keinen Zweikampf und verteilt die Bälle aus dem Zentrum stilsicher wie ein alter Hase. Offensive Impulse sind bei ihm jedoch noch Mangelware und auch sonst hat er kaum Überraschendes in seinem Spiel. Was nicht ist kann ja noch werden und der Kurs, den Bares eingeschlagen hat, stimmt jedenfalls.


Stéphane Cueni, 19: Lausanne-Sport – Zentrales Mittelfeld

Das nächste Lausanne-Juwel, das noch unter dem Radar fliegt, ist der 19-jährige Stéphane Cueni. Der Schweizer U20-Nationalspieler bringt vielleicht etwas mehr rohes Potential als Gabriel Bares mit. Unheimlich dynamisch und agil, äusserst beweglich und wendig und überdies mit viel technischer Klasse gesegnet, gilt Cueni zurecht als eines der grössten Talente der Schweiz. Anfangs Februar 2021 feierte er sein Debüt als Profi gegen den FC Basel (1:3). Es wird interessant zu sehen sein, wie und wann er sich bei Lausanne-Sport etablieren wird. Cueni ist ein ungeschliffenes Juwel und man darf auf seine Auftritte in der Super League gespannt sein.


Tyron Owusu, 17: FC Luzern – Zentrales Mittelfeld

Mit Tyron Owusu verfügt der FC Luzern über einen Schweizer Rohdiamanten erster Güte. Der fünffache Schweizer U17-Internationale (2 Tore) gehört in die Kategorie Spektakelspieler. Und das, obwohl seine Position dies naturgemäss nicht unbedingt vorsieht. Owusu ist ein Edeltechniker, er besitzt ein breites Repertoire an Dribblingkünsten, die er während dem Spiel unerschrocken und frech einsetzt. Fussballerisch absolut begnadet, können ihm auch die meisten gestandenen Super League-Profis in puncto Ballbehandlug, Ballführung und Technik nicht das Wasser reichen. Gegen Ende der letzten Saison durfte er unter Celestini seinen Einstand auf der Profistufe geben, hat aber seither noch keine weiteren Super League-Minuten sammeln können. Owusu ist mit seinen 17 Jahren blutjung und seine Zeit wird kommen. Fans des schönen Fussballs werden auf ihre Kosten kommen – und die Schweiz kann sich auf eines ihrer spannendsten Talente freuen.


Auf dem Radar sein sollten:

Alexis Antunes

David Mistrafovic

Giovani Bamba

Giotto Morandi

Orges Bunjaku

Tim Staubli

Stephan Seiler

Stefano Guidotti

Esteban Petignat

Flavio Caserta

Nico Maier