• Chris Eggenberger

So könnte die Schweiz an der U21-EM Ende März auflaufen

In einem knappen Monat beginnt die U21-Euro. Bolzplazz wirft einen Blick auf das mögliche Schweizer Turnier-Kader und Mauro Lustrinellis Stammelf.



© Martin Kobelt via wikimedia commons

Mit dem 2-1-Sieg gegen Frankreich setzte die Schweizer U21-Nationalmannschaft im November 2019 ein Ausrufezeichen. In den restlichen Qualifikationsspielen konnte das Team von Mauro Lustrinelli diesen Exploit bestätigen und so schaffte erstmals seit 2011 eine Schweizer U21 die Qualifikation für eine Endrunde. Damals gelang der Schweiz übrigens mit Spielern wie Yann Sommer, Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri der Einzug ins Finale, wo man dann Spanien unterlag (0-2).


Die Schweiz gewann in der Qualifikation 9 ihrer 10 Partien und musste Frankreich nur aufgrund der 1-3-Niederlage im Direktduell im letzten Gruppenspiel den Gruppensieg überlassen. Als einer der fünf besten Gruppenzweiten war den Eidgenossen aber das Ticket für die Endrunde nicht mehr zu nehmen. So darf die Schweiz nun ab dem 25. März in Ungarn und Slowenien um den Europameister-Titel spielen.



Der Umbruch

Blickt man zurück auf den erwähnten Sieg gegen Frankreich vor knapp eineinhalb Jahren, hat sich im Schweizer Team einiges getan: Zum einen haben sich viele weitere Talente in den Fokus gespielt, Spieler wie Dan Ndoye, Simon Sohm oder Miro Muheim rückten erst später verstärkt in den Fokus von Mauro Lustrinelli.


Vor allem aber auch wagten mit Andi Zeqiri (Brighton), Kevin Rüegg (Hellas Verona), Simon Sohm (Parma) und Dan Ndoye (Nizza) im Sommer 2020 gleich mehrere Spieler der hoffnungsvollen Nachwuchsgeneration einen Wechsel aus der Schweiz in eine grosse Liga und tun sich seither schwer, zu regelmässigen Einsatzminuten zu kommen. Zeqiri zum Beispiel stand für Brighton and Hove Albion nur in 3 Pokalspielen in der Startelf, Rüegg für Hellas Verona erst in einem einzigen Pflichtspiel. Auch Noah Okafor (Salzburg) oder Toni Domgjoni (FCZ) haben aktuell keinen Stammplatz. Dass sich die Spieler in ihren Vereinen trotzdem entwickeln, ist nicht zu bezweifeln, es wird nun aber an Trainer Mauro Lustrinelli liegen, die Topform aus den Spielern herauszuholen.

Die Schweizer Startelf beim 3-1-Sieg gegen Frankreich im Herbst 2019 auf der Neuenburger Maladière.


Die mögliche Elf

Anders als noch in der Qualifikation wird die Schweiz an der EM-Endrunde nicht mehr als Favorit in die meisten Spiele gehen, daher ist ein permanenter Wechsel von Lustrinellis bevorzugten 4-2-3-1 und 4-2-2-2 auf ein defensiveres 4-3-3 – wie im Rückspiel gegen Frankreich – gut möglich.


Torhüter Anthony Racioppi ist Stammtorhüter bei Dijon in der Ligue 1, bei 16 Ligaeinsätzen in dieser Saison kassierte er nur 20 Gegentore – obwohl sein Team auf dem letzten Tabellenplatz steht. Vor ihm steht eine starke Schweizer Abwehr, die in den ersten 9 Gruppenspielen nur 5 Gegentore kassierte. Cedric Zesiger bringt neben 12 U21-Länderspielen auch Erfahrung aus fast 100 Super-League-Spielen und YBs internationalen Kampagnen ins Team, an seiner Seite dürfte das St. Galler Supertalent Leonidas Stergiou den Vorzug vor dem aktuell in der Liga nicht fehlerfreien Jan Bamert erhalten. Muheim und Rüegg sind, falls sie fit sind, wohl gesetzt. Ansonsten könnten Silvan Sidler oder Jasper van der Werff zum Zug kommen.


Im Mittelfeld hängt vieles von der Spielidee von Mauro Lustrinelli ab. Genauer gesagt davon, wie offensiv der ehemalige Mittelstürmer sein Team ins Rennen schicken möchte. Nedim Bajrami, der sich aktuell mit 7 Torbeteiligungen in 7 Pflichtspielen 2021 in Topform befindet, bietet sich als zentraler Spielgestalter an. Bastien Toma, der sich einen Stammplatz bei Genk erspielt hat, als Achter und dahinter Simon Sohm als Sechser werden sehr wahrscheinlich auf dem Matchblatt erscheinen. Alternativen wären Toni Domgjoni oder Servettes Kastriot Imeri.


Der Star im Angriff der Schweizer U21 ist unbestritten Andi Zeqiri: Der gebürtige Lausanner war mit 9 Toren in 8 Spielen der viertbeste Torschütze der ganzen EM-Qualifikationsphase. In der U21 könnte er wieder mit Dan Ndoye auflaufen, an dessen Seite er in der Vorsaison bereits die Challenge League dominierte und sein volles Potenzial, das er bei Brighton erst andeuten konnte, auf den Platz bringen. Noah Okafor konnte sich bei grosser Konkurrenz in Salzburg noch nicht durchsetzen, bringt aber immerhin Erfahrungen aus 4 Champions-League-Spielen in dieser Saison mit.




Die Fragezeichen

Aussenverteidiger Kevin Rüegg und Miro Muheim fehlen ihren Klubs aktuell verletzt, nach aktuellen Informationen sind beide für eine Teilnahme an der EM fraglich.

Jordan Lotomba absolvierte die ersten 6 Qualispiele, danach war er aber aufgrund eines gleichzeitigen Aufgebots für die A-Nati nicht verfügbar. Eine Rückkehr in die U21 für die EM hängt wohl auch von Vladimir Petkovic ab. Auch Simon Sohm debütierte bereits für die A-Nati, kehrte danach aber für die letzten beiden Qualispiele wieder in die U21 zurück, ihn darf man also Ende März im Kader erwarten.


Weniger wahrscheinlich ist eine Nomination von FCZ-Juwel Becir Omeragic, der nie für die Mannschaft von Mauro Lustrinelli auflief und direkt von der U19 aus zum A-Nati-Debüt kam. Ein erstes Aufgebot für die U21-Nati dürfte hingegen Fabian Rieder erhalten. Das YB-Toptalent spielt eine überraschend starke Saison und darf sich berechtigte Hoffnungen auf ein EM-Ticket machen.


Ebenfalls theoretisch teilnahmeberechtigt wäre Sions Timothy Fayulu, der qualitativ mindestens den Platz als Torhüter Nummer 2 auf sicher hätte. Fayulu reiste aber bereits einmal zum Zusammenzug der Nationalmannschaft der Demokratischen Republik Kongo, was seine Pläne deutlich macht. Für eine Schweizer U-Nati stand er nie auf dem Feld.


Ein möglicher 23-Mann-Kader der Schweizer U21:

Torhüter: Anthony Racioppi (Dijon), Philipp Köhn (Wil), Loic Jacot (Luzern)

Verteidigung: Miro Muheim (St. Gallen), Cedric Zesiger (YB), Leonidas Stergiou (St. Gallen), Kevin Rüegg (Hellas Verona), Silvan Sidler (Luzern), Jasper van der Werff (Basel), Jan Bamert (Sion)


Mittelfeld: Simon Sohm (Parma), Bastien Toma (Genk), Nedim Bajrami (Empoli), Kastriot Imeri (Servette), Toni Domgjoni (FCZ), Alexandre Jankewitz (Southampton), Fabian Rieder (YB)


Angriff: Noah Okafor (Salzburg), Andi Zeqiri (Brighton), Dan Ndoye (Nizza), Petar Pusic (GC), Felix Mambimbi (YB), Jeremy Guillemenot (St. Gallen)


Mögliche Wild Cards:

Torhüter: Timothy Fayulu (Sion), Amir Saipi (Schaffhausen)


Verteidigung: Enzo Adeagbo (Lazio), Bryan Okoh (Liefering), Nias Hefti (Thun), Jan Kronig (Wil), Lindrit Kamberi (FC Winterthur)


Mittelfeld: Lorik Emini (Luzern), Alexis Antunes (Servette), Tim Staubli (St. Gallen), Yannick Marchand (Basel), Gabriel Bares (Lausanne), Stefano Guidotti (Lugano)


Angriff: Julian Von Moos (Basel), Yvan Alounga (Luzern), Christopher Lungoyi (Lugano), Filip Stojilkovic (Aarau), Darian Males (Basel), Zeki Amdouni (Stade-Lausanne-Ouchy)


Die Gegner

An der Endrunde in Ungarn und Slowenien hat die Schweiz eine Hammergruppe erwischt. In der Gruppenphase Ende März trifft man auf England, Kroatien und Portugal. England ist Stammgast an der U21-EM, schied aber bei der letzten Ausgabe 2019 in der Gruppenphase aus. Mit Eddie Nketiah haben die Three Lions den Top-Torschützen der Qualifikationsphase in ihren Reihen (13 Tore). Portugal verfügt bekanntlich über viele talentierte Youngster und gewann wie auch die Schweiz 9 seiner 10 Qualispiele. Laut Transfermarkt.ch hat der Kader von Portugals U21 einen Marktwert von 180 Millionen Euro, im Vergleich zu 45 Mio. bei der Schweiz.


Kroatien hat noch nie ein Spiel an einer U21-EM-Endrunde gewonnen und somit auch die Gruppenphase noch nie überstanden. In der Qualifikation wurden die Kroaten nur Gruppenzweiter hinter Tschechien und sind daher der Aussenseiter dieser Gruppe D. 2 Teams pro Gruppe kommen weiter und werden Anfang Juni für die K.o.-Phase erneut in Richtung Osten reisen.


Zusammenfassung Schweiz-Slowakei: Sieg in Unterzahl und nach Rückstand: https://www.srf.ch/sport/fussball/nationalmannschaft/em-quali-gegen-die-slowakei-schweizer-u21-nati-dreht-spiel-spaet-und-in-unterzahl


Qualifikation geschafft: https://www.football.ch/sfv/nationalteams/u-21/news/u-21-die-schweiz-qualifiziert-sich-fuer-die-em-endrunde-2021.aspx


Bastien Toma: Fixpunkt unter Lustrinelli: https://www.srf.ch/sport/fussball/nationalmannschaft/endspurt-in-der-u21-em-quali-bastien-toma-ein-fixpunkt-in-lustrinellis-truppe


Betim Fazliji: Aus der Schweizer U21 in die Kosovo-Nati: https://www.tagblatt.ch/sport/der-kosovo-angelt-sich-fcsg-spieler-betim-fazliji-ld.1274990