• Emanuel Staub

Schweizer Legionäre: Rumänien

In der Serie "Schweizer Legionäre" werden alle Schweizer Fussballer, die im Ausland unter Vertrag stehen, vorgestellt. Auch unbekannte Spieler aus weniger beachteten Ligen sollen ins Spotlight gerückt werden. Der fünfte Beitrag der neuen Serie ist Schweizer Spielern in Rumänien gewidmet.


Rumänien? Zugegebenermassen eine verblüffende Wahl. Aber nur auf den ersten Blick, denn: In Rumänien hat sich im letzten Jahr eine kleine Kolonie von Schweizer Fussballern angesiedelt. So stehen zur Zeit mehr Eidgenossen im Land am Schwarzen Meer unter Vertrag, als in Spanien und Belgien. Zeit also, den Schweizern in Rumänien etwas Beachtung zu schenken.


Der rumänische Fussball

Kaum jemand hierzulande dürfte sich mit dem rumänischen Fussball besonders gut auskennen. Rumänien, Gruppengegner der Schweiz an der EM 2016, besitzt aber eine lange Fussballtradition. Die Nationalmannschaft aus den 1990ern, angeführt von Gheorghe Hagi, ist bis heute legendär. An deren Erfolge konnte allerdings nie angeknüpft werden. Zwar war man 2016 für die Europameisterschaft qualifiziert, schied dort aber als Gruppenletzter aus. Die Endrunde in diesem Sommer verpasste Rumänien genau so, wie alle Weltmeisterschaften seit 1998.


Die heimische Liga 1 gibt ein ähnlich tristes Bild ab. Der bekannteste Klub, Steaua Bukarest, Europapokal-Sieger von 1986 und Rekordmeister, hat genau wie die Nationalelf eine glorreiche Vergangenheit hinter sich, wartet aber seit 2015 auf einen Meistertitel. In diesem Jahr scheint ein Triumph endlich wieder möglich: Nach 30 Spieltagen und vor Beginn der Meisterrunde, führt Steaua die Tabelle mit einem Punkt Vorsprung auf CFR Cluj an.


Neben Steaua und Cluj sind die anderen Vereine der Liga 1 einem ausländischen Betrachter kaum bekannt. UTA Arad, Chindia oder Gaz Metan sind nicht die klingendsten Namen. Der heimische Fussball ist im internationalen Vergleich in keiner einfachen Lage. Die UEFA führt die Liga 1 in der Fünfjahreswertung auf Platz 25. Die finanziellen Mittel der meisten Vereine sind bescheiden, die Infrastruktur teils sehr schlecht.


Trotz unvorteilhaften Rahmenbedingungen wächst zur Zeit in Rumänien eine vielversprechende Generation junger Talente heran, die den nationalen Fussball in eine bessere Zukunft führen sollen. Einige von ihnen sind bereits im Ausland bei grossen Vereinen unter Vertrag, andere werden ganz genau beobachtet. Zu nennen wären etwa Ianis Hagi (Rangers), Dennis Man und Valentin Mihaila (beide Parma) oder Radu Dragusin (Juventus).


Die Meisterschaft besteht aus 14 Mannschaften, 177 Ausländer sind in der Liga 1 angestellt. Fünf davon kommen aus der Schweiz.

Liga 1 nach 30 Spieltagen


Schweizer in der Liga 1


Cephas Malele, 27: FC Arges

Der vielleicht beste unbekannte Schweizer Stürmer spielt im Süden Rumäniens. In Pitesti, Heimat des FC Arges, geht seit Spätsommer 2020 Cephas Malele auf Torejagd. Der Zürcher, geboren in Angola, durchlief von der U15 bis zur U19 sämtliche Stufen der Schweizer U-Nationalmannschaften. Früh ging Malele in den Nachwuchs von Palermo, eine Odyssee via Serie B und Liga Portugal 2 brachte ihn schliesslich zum rumänischen Aufsteiger. Auf seinen Stationen in Portugal erzielte Malele viele Tore, beim FC Arges konnte er nahtlos daran anknüpfen. 23 Spiele, 14 Tore und 3 Vorlagen: Maleles Statistiken sprechen eine deutliche Sprache. Er ist der herausragende Einzelspieler seines Teams und gehört zu den besten Torschützen der Liga. Seine Physis, sein Torjägerinstinkt und seine Abschlussstärke machen ihn in Rumänien zu einer Attraktion. Nach Maleles starker Debütsaison dürften andere Klubs bereits Schlange stehen...

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Goran Karanovic, 33: FC Hermannstadt

In der Schweiz erfreut sich Karanovic durchaus einer gewissen Bekanntheit. Immerhin hat der Mittelstürmer 119 Partien in der Super League absolviert und 33 Tore erzielt. Gross geworden ist Karanovic beim FC Wohlen, am meisten Eindruck hinterlassen hat er wohl in St. Gallen, schliesslich war er zwei Jahre nacheinander bester Torschütze der Espen (13/14 und 15/16). Seit 2019 ist Karanovic in Rumänien engagiert, auf seine gute Debütsaison bei Sepsi OSK mit 13 Treffern, folgt aktuell eine wenig erfreuliche Spielzeit beim FC Hermannstadt, wo ihm bislang erst ein Tor in 15 Einsätzen geglückt ist. Ob der Altmeister nochmals zurück in die Spur findet?



Sébastien Wüthrich, 30: Astra Giurgiu

Auch Wüthrich dürfte vielen Schweizer Fussballfans ein Begriff sein. Genau wie Karanovic, hinterliess der offensive Mittelfeldspieler mit 196 Super League-Einsätzen tiefe Spuren. Nach einem Vertragsstreit mit Servette, löste Wüthrich seinen Vertrag in Genf auf und wechselte im letzten Herbst zu Astra Giurgiu. Der ehemalige U21-Nationalspieler, der sich durch seine feine Technik auszeichnet, ist seit seiner späten Ankunft grösstenteils gesetzt und spielt eine ansehnliche Saison. 18 Spiele, 3 Tore und 2 Vorlagen lautet Wüthrichs Bilanz.



Matteo Fedele, 28: Universitatea Craiova

Seit diesem Winter läuft auch Matteo Fedele in Rumänien auf. Der ehemalige Sion- und GC-Spieler wechselte ablösefrei aus der Ligue 2 von Valenciennes zu Craiova. Als Leihspieler war Fedele bereits 2018/19 beim vierfachen rumänischen Meister engagiert und schloss sich dem Klub nun fix an. Der zentrale Mittelfeldspieler ist bislang aber noch nicht auf Touren gekommen: Seit seinem Transfer hat er gerademal 42 Minuten auf dem Feld gestanden.


Simone Rapp, 28: Sepsi OSK

Der vielleicht bekannteste Schweizer in Rumänien ist ex-Super League-Stürmer Simone Rapp, der für Thun, Lausanne und St. Gallen zusammen 35 Tore in der Liga schoss. Bei Aufsteiger Lausanne ist der 1,93m-Turm in dieser Saison ausser Rang und Traktanden gefallen, sein Vertrag wurde im Winter aufgelöst. Bei Sepsi soll seiner Karriere neuer Schwung verliehen werden. Es wäre ihm zu gönnen, könnte er in Rumänien eine ähnliche Erfolgsgeschichte schreiben wie Cephas Malele. Noch ist er aber nicht wirklich angekommen: Erst ein 12-minütiger Kurzeinsatz hat Rapp für Sepsi absolviert.




Schweizer in Rumänien: https://www.transfermarkt.ch/detailsuche/spielerdetail/suche/27458260


Rapp zu Sepsi OSK: https://www.nau.ch/sport/fussball/ex-lausanne-sturmer-simone-rapp-vor-wechsel-nach-rumanien-65871488


Malele in Rumänien: https://www.sport.ch/fussball-international/695956/dieser-schweizer-schiesst-seine-tore-in-rumaenien