• Livio Dörig

Rundgang auf dem FCSG-Campus: 5 Juwelen aus dem St. Galler-Nachwuchs

Illustre Namen wie Tranquillo Barnetta und Michael Lang haben ihre beachtliche Fussballerlaufbahn im Nachwuchs des FCSG begonnen. Bolzplazz deckt auf, welche fünf hoffnungsvollen Talente die Ostschweizer Fussballfans derzeit unbedingt auf dem Radar haben müssen.


Die Nachwuchsarbeit der Gallusstädter hatte lange Zeit nicht den besten Ruf. Mit der Lancierung des 2011 gegründeten Future Champs Ostschweiz (FCO) änderte sich dies fundamental. Vor dem Führungswechsel 2017 gab es zwischenzeitlich zwar Kritik von vielen Seiten, doch spätestens nach dem darauffolgenden «Kulturwandel» durch Matthias Hüppi und weiteren neuen Gesichtern, ist das FCO stärker denn je auf Kurs. Dank dem FCO verfügt eine fussballverrückte Region mittlerweile über ein absolutes Vorzeigeprojekt in Sachen Ausbildung von verheissungsvollen Talenten.


Nicht ohne Grund ist das FCO seit einigen Jahren auch als nationales «Leistungszentrum SFV/SFL» zertifiziert und erfüllt damit die allerhöchsten Anforderungen. Das ganze Nachwuchsprogramm geniesst inzwischen ein hervorragendes Image und ist durch die zahlreichen lokalen Sponsoren und Förderer sehr stark in der Ostschweiz verwurzelt und anerkannt.

Neben der ganzen sportlichen Weiterentwicklung, steht beim FCO auch der gesamtheitliche Fortschritt der Kinder und Jugendlichen im Mittelpunkt. Selbständigkeit, Bodenständigkeit, Fairness sowie schulische und soziale Kompetenzen werden genauso gefördert beziehungsweise gefordert. Das Nachwuchsprogramm ist aufgeteilt in 10 regionale FCO-Stützpunkte und umfasst damit die ganze Ostschweiz mit den Kantonen St. Gallen, Thurgau, Graubünden, Glarus, beiden Appenzells sowie dem Fürstentum Liechtenstein.

Das Einzugsgebiet ist damit riesig und die Talentsichter und Scouts picken talentierte Kinder schon in frühen Jahren bei ihren Stammvereinen heraus. Die Kinder spielen dann in den entsprechenden Stützpunkten (Team Thurgau, Team Appenzell, Team Rheintal*Bodensee, Team St. Gallen etc.) und die Besten erhalten dann ab der U15 die Chance für den FC St. Gallen oder den FC Wil auf dem Rasen zu stehen. Dabei ist die Zusammenarbeit der beiden Profimannschaften und weiteren ambitionierten Vereinen aus der Ostschweiz wie beispielsweise dem SC Brühl sehr eng, wodurch eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten garantiert wird.

Der Talent-Pool des FCO ist enorm und die Qualität demzufolge hoch. Derzeit sind rund 800 Jugendliche, davon ca. 100 Mädchen, Teil des Nachwuchsprogramms. Noch vor einigen Jahren setzte der FC St. Gallen kaum auf Spieler aus der eigenen Akademie. Seit etwa 2014 und insbesondere auch seit Peter Zeidler der Mann an der Seitenlinie ist, hat sich dies glücklicherweise stark geändert. Silvan Hefti, Jasper van der Werff, Roy Gelmi, Boris Babic, Leonidas Stergiou, Betim Fazliji oder Tim Staubli sind nur einige der Namen, die in jüngster Zeit den Durchbruch vom FCO zu den Profis geschafft haben. Die Liste könnte ohne Frage noch mit etlichen Akteuren vom FC Wil ergänzt werden.


Für die ostschweizer Anhängerschaft ist die Identifikation und Verwurzelung mit der Region ein sehr wichtiger Aspekt des Fandaseins. Durch den Einsatz von möglichst vielen eigenen FCO-Talenten erfahren diese beiden Aspekte natürlich einen stattlichen Boost und der Stolz auf den eigenen Verein wächst.

Im Folgenden stellen wir fünf der talentiertesten Jugendlichen vor, an denen die grün-weisse Fangemeinde aller Voraussicht nach noch viel Freude haben wird:

via futurechamps.ch

Leandro Bötschi

Alter: 17

Position: Torwart

Nationalität: Schweiz

Team: FCO St. Gallen/Wil U18

U-Nati Spiele: -


Seine ersten Schritte auf dem Rasen machte Leandro Bötschi beim FC Wittenbach. Schon rasch zeichnete sich ab, dass er sich zwischen den Pfosten am wohlsten fühlt und mit reichlich Talent gesegnet ist. Bereits im Alter von 9 Jahren wurde Bötschi in das FCO-Nachwuchsprogramm aufgenommen. Die Oberstufe absolvierte er im Talent Campus St. Gallen und konnte sich so neben der Schule optimal dem Fangen von Bällen widmen. Trotz allen sportlichen Ambitionen macht Bötschi momentan eine kaufmännische Ausbildung.


Seit 2013 hält Bötschi seinen Kasten also für die U-Mannschaften des FCO sauber. Der 17-Jährige ist ein äusserst kompletter und moderner Torwart. Im 1 vs. 1 lässt er gegnerische Stürmer in aller Regel verzweifeln und kann somit viele Grosschancen vereiteln. Des Weiteren weiss Bötschi definitiv auch mit dem Ball am Fuss umzugehen. Eine saubere Spieleröffnung über die Aussen zählt zu seinen grössten Stärken.


Bötschi hat aufgrund des harten Konkurrenzkampfs bislang noch keine Einsätze für U-Nationalmannschaften vorzuweisen. In der U15 zählte er jedoch zum Kader der Schweiz und derzeit steht er auf Abruf für die U-Nati bereit. In der nächsten Saison zählt Bötschi zum älteren Jahrgang und möchte nach einer kleineren Verletzung so richtig angreifen. In der Hoffnung, dass der gebürtige St. Galler noch den einen oder anderen Zentimeter wächst, dürfte er bei künftig konstant guten Leistungen auf jeden Fall seine Landesfarben vertreten.

Lorin Rohner

Alter: 17

Position: Rechter Verteidiger

Nationalität: Schweiz

Team: FCO St. Gallen/Wil U18

U-Nati Spiele: -


Die Laufbahn des nächsten Talents ähnelt jener von Leandro Bötschi sehr und auch in puncto Talent nehmen sich die beiden nicht viel. Beim FC Neukirch-Egnach gestartet, wurde Rohner aufgrund seines Könnens schon früh von den Scouts des FCO entdeckt. Auch er war im Talent Campus St. Gallen einquartiert und macht neben den ganzen Trainings und Spielen aktuell eine Lehre als Kaufmann. Anders als Bötschi bewegt sich Rohner jedoch nicht zwischen den Pfosten, sondern beackert als rechter Verteidiger unermüdlich seine Seite.

Ins Auge fällt dabei die ungemeine Geschwindigkeit von Rohner. Der Verteidiger ist pfeilschnell, was ihm sowohl beim Ablaufen von gegnerischen Angreifern als auch bei eigenen Offensivaktionen deutliche Vorteile bringt. Der 17-Jährige ist aber nicht nur sprintstark, sondern vermag sein Tempo dank seiner grossen Ausdauer über die vollen 90 Minuten durchzuziehen. Ähnlich wie sein Positionszwilling und FCSG-Eigengewächs Silvan Hefti, ist auch Rohner extrem zweikampfstark und vermag sich in den meisten Duellen eindrucksvoll zu behaupten.


Mit Ivan Martic, Michael Lang, Silvan Hefti und Alessandro Kräuchi hat in der jüngeren Vergangenheit eine Vielzahl an Rechtsverteidigern den Durchbruch bei den Espen geschafft. Dass sich Rohner zu diesen bekannten Namen gesellt, ist aufgrund seines Potentials sehr wahrscheinlich.

Vincent Spari

Alter: 17

Position: Offensives Mittelfeld

Nationalität: Schweiz / Österreich

Team: FCO St. Gallen/Wil U18

U-Nati Spiele: 2

Spari und Bötschi haben schon früher beide beim FC Wittenbach gemeinsam gekickt und wie auch der Torwart wurde der Mittelfeldspieler 2013 in den FCO-Kosmos aufgenommen. Dies ist nicht verwunderlich, kursieren im Netz einige Videos, die den damals schmächtigen Knirps regelrecht zaubern zeigen. In allen Zusammenschnitten ist er seinen gleichaltrigen Gegenspielern völlig überlegen, reiht Tor an Tor und seine Fähigkeiten im Dribbling sind regelrecht atemberaubend. Gewisse Züge von Edeltechnikern wie Ronaldinho & Co. waren zu jener Zeit schon zu erkennen.

Selbstverständlich konnte Spari diese Qualitäten aus seinen Anfangsjahren auf dem grünen Rasen bis heute konservieren. Seine aussergewöhnliche Technik sticht jedem Zuschauer sofort ins Auge und im direkten Duell ist Spari kaum mit fairen Mitteln vom Ball zu trennen. Dank seines stets sauberen «first touchs» kann der 17-Jährige die Kugel immer sofort kontrollieren und so optimal die entsprechende Anschlussaktion einleiten. Der 1,75 m grosse Spari ist in der Offensive variabel einsetzbar, seine Stärken kommen jedoch zentral hinter den Spitzen am besten zur Geltung. In der aktuellen Swiss League U18 Elite League-Saison machte Spari 21 Partien und traf dabei 7 Mal.


Der in Deutschland geborene Spari ist schweizerisch-österreichischer Doppelbürger. Bislang machte er zwei Länderspiele für die U15 der Schweiz. Derzeit steht Spari im erweiterten Kader der U-Nati und weitere Einsätze sind bei seinem spektakulären Skillset hoffentlich nur eine Frage der Zeit.

Mischa Beeli

Alter: 17

Position: Innenverteidiger / Defensives Mittelfeld

Nationalität: Schweiz

Team: FC St. Gallen U21

U-Nati Spiele: 4


Der im Hauptort des Kantons Graubünden geborene Beeli spielte als Junior beim einheimischen Klub Chur 97. Schon damals war sein riesiges Potential unübersehbar und so sicherten sich die Espen schon früh die Dienste des Bündners.


Beeli ist der Inbegriff eines Defensivspezialisten und kann sowohl als Innenverteidiger als auch als Abräumer vor der Abwehr auflaufen. Im Zweikampf ist er äusserst giftig und sein Gegenspieler zieht meist den Kürzeren. Trotz seines jungen Alters verfügt Beeli über eine beeindruckende Mentalität und nimmt immerzu eine Leaderfunktion ein. In der U16 war er Captain und ging mit seinem unbändigen Siegeswillen auch in schwierigen Situationen stets voran. Diese Qualitäten werden in St. Gallen gerne gesehen und da Beeli physisch schon auffallend weit ist, gelang ihm mit 16 Jahren bereits der Sprung in die U21 des FCSG. Dort absolvierte er bis dato acht Partien und war ein wichtiger Faktor im Team. Verbessern kann sich Beeli sicherlich noch im Timing beim Kopfballspiel.

Nicht wenige sehen in Beeli das momentan heisseste Eisen aus dem Nachwuchs der St. Galler. Im letzten Spiel der abgelaufenen Super League-Spielzeit gegen Servette, nominierte Peter Zeidler den Verteidiger als Belohnung für seine bestechenden Leistungen sogar ins Kader der 1. Mannschaft. Das Schweizerdress trug Beeli bis jetzt 4 Mal und auch bei den zukünftigen U-Nati-Zusammenzügen ist Beeli dabei. Läuft weiterhin alles reibungslos, dürfte der fleissige Bündner im grün-weissen Umfeld bald in aller Munde sein und der FCSG ihm ein Profivertrag vorlegen.

Alessio Besio

Alter: 17

Position: Mittelstürmer

Nationalität: Schweiz / Spanien

Team: FCO St. Gallen/Wil U18

U-Nati Spiele: -


Der wohl bekannteste Name dieser Auflistung ist Alessio Besio. Genau wie Beeli stand auch Besio im letzten Meisterschaftsspiel der vergangenen Saison im Aufgebot von Peter Zeidler. Doch dabei blieb es nicht, denn der Stürmer stand völlig überraschend in der Startelf und schoss kurz vor der Halbzeitpause seinen ersten Treffer für das Profiteam der Espen. In einer blutjungen Mannschaft stach Besio heraus und krönte sich zum jüngsten Super League-Torschützen der Vereinsgeschichte der Espen.


Vom FC Gossau kommend, durchlief Besio die Nachwuchsmannschaften des FCO und stand in diesem Jahr – mit Ausnahme des beschriebenen Abends in Genf – für die U-18 auf dem Platz. Inklusive Cupspielen gelangen ihm in 12 Partien fantastische 10 Tore. Mussten die Ostschweizer vor einem Jahr mit Federico Crescenti noch das verheissungsvollste Stürmertalent zu Red Bull Salzburg ziehen lassen, steht mit Besio bereits der nächste vielversprechende «Ballermann» in den Startlöchern. Genau wie Crescenti, gehört nun auch Besio zum Kreis der Schweizer U-17 Nationalmannschaft und die ersten Länderspieleinsätze dürften bald folgen.


Mit 1,85 m Körpergrösse ist Besio sehr robust und körperlich für sein Alter schon top entwickelt. Von allen anderen Talenten abheben kann sich der Angreifer vor allem dank seiner erstklassigen Schusstechnik. Entweder mit Präzision oder mit richtig Wumms: Besio kann beides auf beeindruckende Art und Weise und unter seinen erzielten Treffern war das eine oder andere Traumtor dabei. Wie im Spiel gegen die Servettiens bestens zu erkennen, hilft der Neuner auch fleissig nach hinten mit und zeigt sich giftig im Zweikampf.

Vater Claudio Besio war ebenfalls Fussballer und absolvierte zwischen 1990 und 1993 insgesamt 62 Spiele für den FC St. Gallen. Sohnemann Alessio hat sich mit seinem Debüt für die erste Mannschaft bereits einen Traum erfüllt. Macht der gebürtige St. Galler so weiter, kann er nicht nur in die Fussstapfen seines Vaters treten, sondern seine eigene, noch erfolgreichere Geschichte bei den Espen schreiben. Den Profivertrag für Besio dürfte Sportchef Alain Sutter schon mehr oder weniger griffbereit haben und das Ostschweizer Publikum sehnt sich zweifelsohne nach einem «eigenen» Knipser.




Weitere Talente:

- Armin Abaz, 19

- David Jacovic, 20

- Florian van der Werff, 18

- Filip Radojicic, 17

- Nico Rissi, 17



FCO-Webseite: https://futurechamps.ch/


FCSG-B-Elf schlägt Servette 2:1: https://www.youtube.com/watch?v=hay4a6qsSLo