• Emanuel Staub

Riesentöter Sheriff: Zwei Schweizer spielten bereits für Tiraspol

Aktualisiert: Okt 4

In dieser Woche erlebten wir eine der grössten Champions League-Sensationen der Geschichte: Der moldawische Meister Sheriff Tiraspol schlug Real Madrid auswärts mit 2:1. Wir richten den Fokus auf zwei Schweizer Fussballer, die in der Vergangenheit bereits das Sheriff-Trikot getragen haben.


19 Mal Meister seit 2001, 10 Mal Pokalsieger und trotzdem war Sheriff Tiraspol bis vor wenigen Wochen kaum einem Fussballfan hierzulande ein Begriff. Das dürfte sich spätestens nach dem 2:1-Schocksieg im Bernabeu über Gigant Real Madrid geändert haben. Nach zwei Spieltagen führt Sheriff die Tabelle der Gruppe D mit 6 Punkten an, vor Real, Inter und Shakhtar – und das gleich auch noch bei der ersten Champions League-Teilnahme der Geschichte.


Sheriff ist in vielerlei Hinsicht aussergewöhnlich. Der Klub stammt aus Transnistrien, einer politisch faktisch unabhängigen Region. International wird die Autonomie dieses Landstreifens allerdings nicht anerkannt. Dem politischen Konflikt zum Trotz, nimmt Sheriff am moldawischen Spielbetrieb teil und repräsentierte den nationalen Fussball in dieser Woche auf einer Weltbühne. Auf die komplizierten Hintergründe soll in diesem Artikel aber nicht im Detail eingegangen werden. Vielmehr rücken wir zwei Schweizer Fussballer ins Scheinwerferlicht, die in der Vergangenheit bereits in Tiraspol engagiert waren.


Danijel Subotic (32): Von 2015 – 2017

Er ist vielleicht der am weitesten gereiste aktive Schweizer Fussballer seiner Zeit. Die Definition "Wandervogel" könnte zu kaum einer Person besser passen als zu ihm. Danijel Subotic, heute 32-jährig, geboren in Zagreb, aufgewachsen in der Schweiz und in seiner Jugend für die U-Nati im Einsatz, war Stand heute in 11 Ländern als Profi unterwegs. Im Sommer 2019 verpflichteten ihn die Grasshoppers in der Hoffnung, durch seine Tore den direkten Wiederaufstieg zu schaffen. Wirklich funktioniert hat das Vorhaben nicht, nach gerade mal 5 Treffern verabschiedete sich der 1,91m grosse Mittelstürmer im Jahr darauf wieder. Erfolgreicher war Subotic in Moldawien: Im Sommer 2015 wechselte er aus Kuwait zu Sheriff Tiraspol, wo er sportlich eine starke Duftmarke hinterliess.


via fc-sheriff.com

38 Partien absolvierte Subotic für Sheriff – nur für einen einzigen Verein machte er in seiner Karriere mehr Spiele (40, Qabala/AZE). In seinen eineinhalb Jahren in Diensten Sheriffs erzielte der Basler starke 17 Tore und wurde in der Saison 2015/16 mit 12 Treffern Torschützenkönig der moldawischen Divizia Nationala.


Im Januar 2017 brach Subotic seine Zelte ab und zog weiter nach Aserbaidschan zu Qabala. Seine weiteren Stationen ab dann: Ulsan Hyundai in Südkorea, Shakhter Karaganda in Kasachstan, Dinamo Bukarest in Rumänien und zuletzt GC. Seit über einem Jahr ist Subotic vertragslos – keine einfache Situation für den ehemaligen Sheriff-Goalgetter. Mit privatem Training hält sich der 32-Jährige fit. Ob es ihn noch einmal in die Weiten der Fussballwelt verschlägt? Die Reiselust entspricht schliesslich seinem Naturell...


Max Veloso (29): Von 2020 – 2021

Einen weitaus weniger spektakulären Karriereweg wählte Max Veloso. Der gebürtige Neuenburger absolvierte 135 Ernstkämpfe für seinen Heimatverein Xamax, neben kurzen Engagements bei Lausanne-Sport, Biel, Sion und Vaduz sticht aber vor allem eine Station in seinem Lebenslauf ins Auge: Der elegante Spielmacher war ein Jahr lang bei Sheriff Tiraspol angestellt. Nach sechs Monaten der Vereinslosigkeit wagte Veloso im Januar 2020 den Wechsel nach Moldawien. Anders als Subotic, wurde er dort allerdings nie glücklich.


via fc-sheriff.com

Kurze Zeit nach seinem Wechsel brach die Corona-Pandemie über die Fussballwelt herein und der Spielbetrieb musste eingestellt werden. Insgesamt absolvierte Veloso gerade mal 9 Partien für Sheriff, wobei ihm immerhin 2 Treffer gelangen. Im Januar 2021 löste er seinen Vertrag in Tiraspol auf und kehrte in diesem Sommer zu Xamax zurück.


In Neuenburg ist er gesetzt und spielt stark auf. Als kreativer Regisseur und umsichtiger Strippenzieher im zentralen Mittelfeld, steht Veloso stellvertretend für den starken Saisonstart, den Xamax hingelegt hat. Nach 8 Spieltagen steht der Absteiger von 2020 auf dem 1. Platz der Challenge League und gilt als Aufstiegsanwärter – nicht zuletzt dank Veloso.


Sheriff Tiraspol ist in diesen Tagen in aller Munde. Hierzulande ist kaum bekannt, dass auch zwei Schweizer Fussballer Teil der erfolgreichen Vergangenheit dieses kuriosen Vereins sind. Danijel Subotic und Max Veloso – zwei unbekannte Namen, die Eingang in die Annalen des Real-Bezwingers gefunden haben.