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Plötzlich Sorgenkind: Was ist mit Denis Zakaria geschehen?

Aktualisiert: Sept 2

Im Frühling 2020 galt Denis Zakaria als zukünftiger Rekordabgang bei Borussia Mönchengladbach. Eineinhalb Jahre später ist Ernücheterung eingekehrt: Zakaria ist weit davon entfernt, seinem Klub einen Geldregen zu bescheren, im Gegenteil: In kurzer Zeit ist er gar zum Sorgenkind geworden. Was ist schiefgelaufen? Bolzplazz macht den Check.


Es ist noch nicht lange her, da galt Denis Zakaria, mittlerweile 24-jährig, als künftiger Weltstar. Der dynamische Mittelfeldspieler erarbeitete sich mit begeisternden Auftritten im Nati-Trikot und für seinen Verein Borussia Mönchengladbach ein hohes internationales Standing. Im Winter 2020 wurde er mit Vereinen wie Manchester City, Bayern München oder Liverpool in Verbindung gebracht. Sein Wechsel zu einem grösseren Klub schien nur eine Frage der Zeit zu sein. Aber jetzt, rund eineinhalb Jahre später, gibt es von einem lukrativen Angebot keine Spur mehr – und das, obwohl sein Vertrag im nächsten Sommer ausläuft.


Schwere Verletzung und Formkrise


Zakaria spielte in der Saison 2019/20 gross auf. Er legte einen weiteren Entwicklungsschritt hin und zählte zu den aufregendsten jungen Mittelfeldspielern Europas. Seine Athletik und Dynamik, gepaart mit Zweikampfstärke und der Fähigkeit, mit dem Ball am Fuss durch das gegnerische Mittelfeld zu schweben, liessen ihn wie das "next big thing" aussehen. Auch in der Schweizer Nationalmannschaft hatte er seinen Platz gefunden, nach der Ausbootung Valon Behramis schien der Platz neben Granit Xhaka Denis Zakaria zu gehören. Heute ist aber vieles anders: Im Gladbacher Mittelfeld hat sich Florian Neuhaus (24) etabliert und bis in die DFB-Elf gespielt, zudem wurde mit Manu Koné (20) jüngst ein Toptalent aus Frankreich geholt, von dem man sich viel erwartet. Und in der Schweizer Nationalmannschaft? Dort ist Remo Freuler (29) nicht mehr aus dem Team wegzudenken, Zakaria bleibt nur die Jokerrolle. Was ist in der Zwischenzeit nur geschehen?


Am 3. März 2020, kurz bevor Corona die Bundesliga zum Unterbruch zwang, zog sich Zakaria in der Partie gegen Dortmund eine folgenschwere Verletzung zu. Der Mittelfeldmotor prallte mit Yann Sommer zusammen und musste danach ausgewechselt werden. Was nur wie eine kleinere Blessur aussah, stellte sich in den folgenden Wochen und Monaten als schwerwiegende Knieverletzung heraus. Über acht Monate musste der gebürtige Genfer pausieren, mehrmals warfen ihnen kleinere Rückschlage auf dem Genesungsweg zurück. Am 21. November 2020 gibt er schliesslich ein einminütigs Comeback gegen den FC Augsburg. Doch zu seiner früheren Form hat Zakaria bis heute nicht wieder gefunden.


Ab Ende November letzten Jahres gehörte er wieder zum Kader der Gladbacher und erhielt wieder seine Einsätze. Doch die Leistungen waren selten wirklich gut, was nach einer so langen Pause auch verständlich ist. Dass er es aber bis zum Ende der vergangenen Saison nicht schaffte, seine Form wiederzufinden, ruft jedoch Sorgenfalten hervor. Ein Blick auf seine Statistiken zeigen auf, woran es hapert. Während er vor seiner Verletzung in der Bundesliga starke 71% seiner defensiven Duelle gewann, waren es in der abgelaufenen Spielzeit gerade noch 59%. 2019/20 verlor Zakaria im Schnitt den Ball 5.7 Mal pro Partie – 2020/21 leistete er sich hingegen 6.3 Ballverluste pro 90 Minuten. Im Schnitt verzeichnete der "alte" Zakaria starke 9.7 Ballgewinne pro Spiel, seit seinem Comeback sind es nur noch 7.4 Balleroberungen.



Interessanterweise haben sich seine guten Pass- und Dribbelstatistiken aber kaum verändert. Das bestätigt den Eindruck, dass Zakaria seit seiner Verletzung nicht etwa ein technisch schlechterer Fussballer geworden ist, sondern vielmehr ein Stück weit diese ihm eigene Dynamik verloren hat. Auf dem Feld wirkt er zögerlich, als würde er stets mit angezogener Handbremse agieren, was die schlechteren Zweikampfstatistiken erklärt. Von seiner energiegeladenen Spielweise ist deutlich weniger zu sehen. Ob sein Körper diese einfach nicht mehr erlaubt, oder ob er vielleicht mit einer mentalen Blockade zu kämpfen hat, müssen die Klubärzte herausfinden.


Wechseltheater mit dem Verein


Nachdem ein Transfer im letzten Jahr aufgrund der Verletzung nicht in Frage kam, schien es eine ausgemachte Sache zu sein, dass Zakaria im Sommer 2021 Gladbach verlassen würde. Knapp fünf Tage vor Ende des internationalen Transferfensters ist aber nach wie vor keine wirkliche Offerte auf dem Tisch gelandet. Eigentlich auch wenig verwunderlich: Für die meisten Vereine ausserhalb der Premier League ist Sparen angesagt, einen formschwachen Spieler für einen zweistelligen Millionenbetrag zu verpflichten, macht daher wenig Sinn. An der diesjährigen EURO, eigentlich ein Schaufenster für Spieler, die sich unter der Saison wenig empfehlen konnten, nahm Zakaria nur eine unglückliche Nebenrolle ein. In Erinnerung bleiben wird von ihm hauptsächlich sein Zögern vor dem Ausgleichstreffer im Eröffnungsspiel gegen Wales (1:1) und das Eigentor im Viertelfinale gegen Spanien (1:3 n.E.).


Obschon die Marktlage eigentlich hätte klar sein sollen, pochten Zakaria und sein Management auf einen Wechsel, in der festen Überzeugung ein Topklub würde zugreifen. Damit haben sich Spieler und Berater bei der Vereinsleitung aber ins Abseits manövriert. Das Wechseltheater trotz ausbleibender Leistung kam nicht sehr gut an, wie von verschiedenen Seiten zu hören war. Der Klub plante daher – auf eigenen Wunsch des Spielers – bereits nicht mehr mit Zakaria. Doch nun steht er nach wie vor auf der Gehaltsliste und ein gutes Angebot ist nicht in Sicht. Damit hat sich der Nati-Star in eine ungünstige Situation manövriert. Aber Zakaria scheint den Fehler eingesehen zu haben: In dieser Woche erst wurde publik, dass er sein Management gewechselt hat und sich mit dem Verein auf Kuschelkurs begibt. Wie diverse Medien berichten, soll der Spieler nun sogar plötzlich seinen Vertrag verlängern wollen.



Tatsächlich dürfte das wohl die beste Option sein. Aktuell kommt Zakaria kaum für keinen grossen Wechsel in Frage. Seiner Karriere täte wohl besser, er würde mindestens ein weiteres Jahr in Gladbach bleiben und unter seinem alten Trainer aus YB-Zeiten, Adi Hütter, zurück zu alter Stärke finden. Zakaria ist und bleibt ein hochveranlagter, attraktiver Spieler. Lieber ein weiteres Jahr in Gladbach, als nur um des Wechsels Willen einen Transfer anzustreben...





Plötzliche Vertragsverlängerung? https://www.90min.de/posts/gladbach-news-denis-zakaria-wechsel-vertrag-verlangerung


Wirbel um Zakaria: https://www.blick.ch/sport/fussball/international/bundesliga/bleibt-er-doch-in-gladbach-riesen-wirbel-um-zakaria-id16776682.html