• Maximilian Wagner

Ostschweizer Shoppingtour des FC Basel – Quintilla & Muheim zum FCB?

Ein Ausverkauf beim FC St. Gallen könnte in diesem Sommer erneut Realität werden. Letzte Saison noch spektakulär unterwegs in Richtung Vizemeisterschaft, ist man dieses Jahr 10 Partien vor Schluss nur 6 Punkte vom direkten Abstiegsplatz entfernt. Gut vorstellbar also, dass das Tafelsilber veräussert wird. Doch wer soll der Abnehmer der heissen St. Galler Ware sein? Ausgerechnet der im Moment im Kriesensumpf versinkende FC Basel hat sich bereits die Dienste von Espen Captain Quintilla gesichert. Kommt mit Muheim ein weiterer St. Galler hinzu? Bolzplazz verschafft einen Überblick


Die aktuelle Situation beim FC Basel

Linksverteidiger:

Momentan sind im Basler Profikader drei Linksverteidiger verzeichnet: Leihspieler Jorge (ab 30.6 wieder bei Monaco), Raoul Petretta (personifiziertes Gesicht des neuen “FCB-Mittelmasses”, zuletzt aber im Aufwärtstrend) und Andrea Padula (wie Jorge seit Monaten verletzt, zudem auch auf der rechten Seite als Widmer-Backup eingeplant). Es gibt also durchaus Bedarf auf der LV-Position.


Eine Lücke, die FCSG-Überflieger Miro Muheim gut ausfüllen könnte. Erst kürzlich kamen erste Gerüchte auf, wonach die Bebbi den Schweizer U21-Nationalverteidiger gerne verpflichten würden. Ohnehin gibt es tendenziell wenige wirklich starke Schweizer Linksverteidiger – in Muheim hätte man einen der Besten im Kader. Egal wie und wohin sich die Machtverhältnisse in Basel verschieben: Falls es tatsächlich möglich sein sollte, Muheim zu bekommen, wäre das ein no-Brainer.


Zentrales Mittelfeld:

Nominell gibt es da eigentlich keinen Bedarf, aber faktisch erlebt das Basler Mittelfeld eine rabenschwarze Saison. Taulant Xhaka ist seit Monaten verletzt, Fabian Frei hat seinen Zenit überschritten, Luca Zuffis Vertrag läuft aus und Amir Abrashi gehört dem FCB weder fix, noch konnte er in der wenigen Spielzeit wirklich überzeugen. Mit Yannick Marchand hat man ein eigenes Talent im Kader, das sich aber erst noch weiter aufdrängen muss. Unschön für die Zukunft des FCB ist, dass es Gerüchte gibt, wonach ein anderes Mittelfeldtalent, namentlich Orges Bunjaku, zu GC transferiert werden könnte. Unter einer neuen sportlichen Leitung könnte sich gerade natürlich bzgl. Zuffis und Bunjakus Zukunft einiges ändern, doch aktuell wäre der FC Basel gut beraten, sich im zentralen Mittelfeld nach einer Verstärkung umzusehen.


Da kommt einem ein vertragsloser Jordi Quintilla gar nicht so ungelegen. Es bildet sich eine vergleichbare Situation wie bei Pajtim Kasami im vergangenen Sommer ab. Quintilla war einer der wichtigsten Leistungsträger der letzten Jahre in St. Gallen, dazu Captain der Ostschweizer, Freistossspezialist und Absolvent der weltberühmten La Masia in einem. Er sollte Spielern wie Frei, Xhaka oder Kasami mindestens auf Augenhöhe begegnen können und den Kampf um die Stammplätze ordentlich anheizen.

© Sandro Färber / Sam Modestia

Passen sie ins System?

In erster Linie lässt sich sagen, dass Quintilla, was die Standards betrifft, eine tolle Verstärkung ist, und den im Sommer vertragslosen Luca Zuffi als Ecken- und Freistosschütze bestens beerben kann. In seiner Zeit beim FSG verwandelte der spanische Regisseur 5 Freistösse direkt, allein 4 davon in der überragenden letzten Saison. In puncto Standards ist Quintilla für den FCB ohne Zweifel eine Bereicherung.


Unter Sforza – wie bereits immer in den letzten Jahren – läuft der FCB mit mehreren zentralen Mittelfeldspielern auf, entweder zwei oder drei an der Zahl. Stets wurde von einem der Spieler verlangt, das Heft im Spiel nach vorne in die Hand zu nehmen und zügig ein kreatives und präzises Offensivspiel aufzuziehen. Genau für diese Position ist Jordi Quintilla wie gemacht. Der 27-Jährige schlägt zentimetergenaue Bälle, kann den Rhythmus des Spiels nach Belieben steuern und initiiert dank seiner Übersicht und Spielintelligenz Angriff um Angriff. Quintilla könnte also genau das nötige Puzzleteil sein, um dem teils desolaten FCB-Mittelfeld wieder Struktur, Konstanz und ein innovativeres Gesicht zu geben.

So könnte sich das FCB-Mittelfeld 2021/22 präsentieren

Auch Miro Muheim passt gut ins System. Abgeklärt und bissig in der Rückwärtsbewegung, energiegeladen und gefährlich in der Offensive. Muheim bietet mit 23 Jahren bereits ein tolles Gesamtpaket mit weiterem Steigerungspotential. Defensiv agiert der bei Chelsea ausgebildete Zürcher teilweise noch zu unachtsam, gerade in puncto Positionsspiel sollte er sich steigern, will er ein höheres Level erreichen. Dank seinem Tempo und seiner Dynamik über die Seite, die er als gelernter Flügelstürmer mit in seine Linksverteidiger-Rollenauslegung genommen hat, stellt er für die gegnerische Abwehr eine echte Gefahr dar. In der letzten Saison gelangen ihm 5 Vorlagen, ein starker Wert für seine erste volle Spielzeit als Profi. Zu seinen Stärken gehören die Flanken, was gerade die kopfballstarken Arthur Cabral und Pajtim Kasami freuen dürfte.


Ist ein Transfer zum FC Basel, der richtige Schritt?

Miro Muheim sollte mit 23 Jahren bald den nächsten Schritt in seiner Karriere anpeilen. Definitiv will der pfeilschnelle Aussenläufer zu einem Klub im internationalen Geschäft. Erreicht der FCSG keinen Europa Conference League-Platz, schwinden die Chancen, dass Muheim bleibt. Aber ob ausgerechnet der von Krisen geschüttelte FC Basel die richtige Destination wäre? Wenn Muheim in der Schweiz bleiben möchte, und sich nicht gerade wie bei seinem ex-Teamkollegen Silvan Hefti YB meldet, ist der FCB nach wie vor bestimmt keine schlechte Wahl.


Doch ob das europäische Geschäft für die kommende Saison bei den Bebbi dazugebucht werden kann, steht noch in den Sternen. Mindestens so gut beraten wie mit einem Transfer zum FC Basel, wäre Muheim womöglich auch mit einem Wechsel in eine UEFA Top 10-Liga. Holland, Belgien, Frankreich oder Deutschland könnten seinem Spielstil sehr gut entsprechen. Ein sofortiger Auslandwechsel scheint nicht ganz unrealistisch, denn seine starken Leistungen wurden auch dort registriert. Wäre der FCB also der logische nächste Schritt? Nein. Würde ein Transfer, zumindest beim Erreichen einer europäischen Gruppenphase, irgendwo Sinn ergeben? Durchaus.

© Sandro Färber / Sam Modestia

Die Situation bei Jordi Quintilla sieht ein wenig anders aus. Ausgebildet in Barcelona, konnte Quintilla vor seinem Wechsel zum FC St. Gallen noch nirgends richtig Fuss fassen. Der Transfer zum FC Basel ist gleichbedeutend mit dem Wechsel zu seinem bisher grössten Proficlub. Nach einer Odyssee durch untere Ligen und einem Abstecher nach Amerika, konnte er sich 2018 bei einem Probetraining für die Espen empfehlen.

Nach drei starken Jahren für die St. Galler ist für Quintilla im Alter von 27 Jahren nun der Zeitpunkt erreicht, wo er sich Gedanken um seine finanzielle Absicherung machen muss. Beim FC Basel, so heisst es, wird der Spanier das Dreifache seines aktuellen Lohnes verdienen und seinen ersten lukrativen Vertrag unterschreiben.


Ganz in trockenen Tüchern ist der Deal aber wohl noch nicht. Geht es nur um finanzielle Aspekte, sollte auch ein Wechsel Quintillas nach Deutschland nicht ausgeschlossen werden. Zuletzt gab es konkretes Interesse von Union Berlin und Paderborn, wo er wohl ebenfalls sehr ordentlich verdienen könnte.

Quintilla könnte am «Projekt FCB» aber noch etwas anderes reizen: Beim Wiederaufbau des Klubs würde er als Kopf des Teams eine grosse Rolle spielen und könnte den FCB so als Führungsspieler zurück in die Erfolgsspur und nach Europa bringen. Daneben verkörpert Quintilla «Captain-Material» und wäre vielleicht endlich ein valabler Nachfolger von Matias Delgado.


Das Potenzial der Deals

Beide Spieler besitzen die Fähigkeiten und das Potenzial, den FC Basel ab nächstem Sommer auf Anhieb besser zu machen. Während Muheim vor allem perspektivisch mit Sicht auf eine zukünftige Ablösesumme eine lohnende Investition sein könnte, ist Quintilla als Soforthelfer eingeplant, der als Stratege das Team direkt auf ein höheres Level heben kann. Was beide Deals aus FCB-Sicht besonders attraktiv macht: Beide Spieler könnten in diesem Sommer ablösefrei zu haben sein. Bei Muheim besteht zwar aufgrund einer eingebauten Option noch eine Restschance auf einen Verbleib in der Ostschweiz, Quintilla hat sich aber bereits offiziell abgemeldet.


Die Basler Fans werden den Transfermarkt gespannt verfolgen. Gerade Quintilla könnte als Hoffnungsträger für die Basler Anhängerschaft herhalten. Sollten beide Deals über die Bühne gehen, könnte sich die bestmögliche FCB-Startelf für die neue Saison Stand jetzt in etwa so präsentieren:



Quintilla zum FCB: https://www.bluewin.ch/de/sport/fussball-schweiz/fcsg-captain-quintilla-wechselt-offenbar-zum-fc-basel-631125.html


Basel will gleich zwei St. Galler: https://sport.ch/fc-basel-1893/745466/basel-will-gleich-zwei-st-galler