• Joel Trummer

Mattia Bottani: Das kreative Element im Lugano-Bollwerk

Der FC Lugano machte in den letzten Jahren vor allem durch eine sehr routinierte, eingespielte Abwehr von sich reden. In den Reihen der Tessiner sind jedoch auch durchaus kreative Spieler zu finden. Allen voran Mattia Bottani (29), welcher durch seine Wendigkeit und ausgezeichnete Technik jeder Abwehrreihe der Super League Sorgen bereiten kann.


Werdegang

Mattia Bottani wuchs in Sorengo, einer Gemeinde am Stadtrand Luganos auf. Bereits im Alter von sechs Jahren kam er mit seinem Herzensverein in Berührung, als er bei den Heimspielen der Bianconeri, welche damals eine typische Fahrstuhlmannschaft zwischen NLA und NLB waren, als Balljunge fungierte.


Im Sommer 2009 unterschrieb er im jugendlichen Alter von 18 Jahren seinen ersten Profivertrag beim FC Lugano. In den ersten beiden Spielzeiten kam er vorwiegend noch für die in der 2. Liga Interregional spielende zweite Mannschaft zum Einsatz, weckte jedoch schon in diesem Zeitraum erste Begehrlichkeiten aus dem Ausland. So wurde er im Sommer 2011 an den italienischen Erstligisten CFC Genua verkauft.


Zum Einsatz kam er dort allerdings nie, da er direkt an seinen Heimatverein zurückverliehen wurde. Nach einer Saison als Leihspieler übernahmen die Tessiner ihn wieder vollständig. Fortan gehörte er zum absoluten Stammpersonal des FC Lugano, welcher in den folgenden Saisons den Aufstieg aus der Challenge League mehrmals knapp verpasste. Nach zwei gescheiterten Versuchen in der Barrage gegen Luzern sowie den Kantonsrivalen Bellinzona, gelang im Sommer 2015 nach einer 13-jährigen Durststrecke die Rückkehr in die höchste Spielklasse.


In seiner ersten Super League-Spielzeit wusste Bottani mit 11 Torbeteiligungen (8 Tore und 3 Vorlagen) durchaus zu überzeugen und trug massgeblich zum erfolgreichen Klassenerhalt der Tessiner bei. So kam es, dass sich der FC Wil, welcher zu dieser Zeit in der Hand von türkischen Investoren war, für die darauffolgende Saison die Dienste Bottanis sicherte. Mit einer Ablösesumme von rund 700‘000.- war er nach Marvin Spielmann der zweitteuerste Transfer der Clubgeschichte. Im Tessin bedauerte man diesen Wechsel sehr, da er als Identifikationsfigur auf -und neben dem Platz ein wichtiger Baustein war.


Das Engagement in der Ostschweiz nahm jedoch rund sechs Monate später bereits sein Ende. Beim FC Wil konnte man die Löhne nicht mehr bezahlen, da sich die Geldgeber aus der Türkei zurückzogen. Bottani, welcher dort mit rund 30‘000.- etwa das Doppelte als zuvor im Tessin verdiente, stand zusammen mit den anderen kostspieligen Neuverpflichtungen auf der Abschussliste. Der schon damals tätige Präsident Angelo Renzetti holte den «filio del Cornaredo» schlussendlich zurück in seine fussballerische und private Heimat.


Seit jeher gehört er, wenn er fit ist, zu den Führungsspielern der Bianconeri und reiht sich mit mittlerweile wettbewerbsübergreifenden 234 Pflichtspielen bereits unter die Top-Ten der Vereinsgeschichte ein. Im März 2020 verlängerte er seinen Vertrag um weitere vier Jahre, mit Option auf ein weiteres Jahr. Die Wahrscheinlichkeit, dass er seine Karriere dereinst in seinem „fussballerischen Kinderzimmer“ beenden wird, ist relativ gross.


via laregione.ch

Spielstil

Bottani ist in der Offensive relativ variabel einsetzbar. Unter Maurizio Jacobacci wurde er in dieser Saison als klassischer Zehner sowie als linke - und rechte Sturmspitze eingesetzt. Wobei er hinter den Spitzen aufgrund seiner Stärken definitiv den grösseren Einfluss aufs Spiel der Tessiner hat.


Er besticht vor allem durch überragende Technik, kombiniert mit einem guten Antritt sowie dem Auge für den Mitspieler. Man lernte ihn aufgrund seiner genialen Momente zu schätzen, welche es ihm an guten Tagen erlauben ein Spiel herumzureissen. Der geborene Knipser ist – und war er – noch nie. Seine Verspieltheit, welche sich leider ab und zu auch in mangelnder Effizienz widerspiegelt, gehört zu ihm. Mit den angesprochenen stupenden technischen Fähigkeiten, seinem Spielwitz und einer ihm eigenen Mischung aus Kreativität und Frechheit, besitzt er besondere Eigenschaften, die ihn im Kader des FC Lugano zu einem einzigartigen Fussballer machen.


In dieser Saison ist Bottani mit 6 Treffern in der Super League der Topscorer der Ticinesi. In einem defensiv ausgerichteten System ist der quirlige Angreifer das Schlüsselelement in der Offensive. Das pragmatisch-biedere Lugano, das alle Chancen auf die Vizemeisterschaft hat, wird durch Bottani schwerer auszurechnen – und für den neutralen Fan deutlich besser anzusehen.


Nationalmannschaft

Im Alter von 17 Jahren bestritt Bottani mit der U18-Auswahl der Schweiz zwei Freundschaftsspiele gegen Belgien, bei welchen er insgesamt knapp 80 Minuten auf dem Feld stand. Dies blieben jedoch seine ersten und bis dato auch letzten Einsätze für die Schweiz.


In Verbindung mit der A-Nationalmannschaft wurde er vor allem in der Zeit nach dem Aufstieg des FC Lugano gebracht. Das grösste Hindernis bildeten jedoch seine häufigen Verletzungen. Diese verwehrten es ihm oft über eine ganze Saison seine Leistungen abzurufen und sich so in den Kreis der Nati zu spielen. Dies ist mitunter ein Hauptgrund, weshalb Bottani der Sprung in eine grössere Liga bis heute verwehrt blieb. Denn das Potenzial dazu wäre durchaus vorhanden.




Bottanis Profil: https://www.transfermarkt.ch/mattia-bottani/profil/spieler/86484


Langfristige Vertragsverlängerung: https://sport.ch/bottani-mattia/531324/grosses-zeichen-von-wertschaetzung-lugano-verlaengert-auslaufenden-vertrag-trotz-corona-krise