• Emanuel Staub

Loan Player Radar: FC Zürich & FC Lugano

38 Super League Spieler sind aktuell an andere Vereine verliehen. Wie schlagen sie sich? Bolzplazz liefert zu allen Leihspielern ein Zwischenupdate. Teil 4 beleuchtet die verliehenen Spieler von Zürich und Lugano.


FC Zürich:

4 verliehene Spieler:

  • Ilan Sauter (20): An FC Wil

  • Nils Reichmuth (19): An FC Wil

  • Filip Frei (20): An FC Wil

  • Izer Aliu (22): An SC Kriens


Ilan Sauter (20): FC Wil

Der 20-jährige Innenverteidiger gehört zu einem Trio von FCZ-Eigengewächsen, das die Saison leihweise beim Challenge-League-Vertreter Wil verbringt. Bereits im letzten Jahr war der US-Schweizerische Doppelbürger an die Ostschweizer verliehen und zählte schon da zum Stammpersonal. Auch in seiner zweiten Leihsaison ist Sauter gesetzt, in diesem Herbst hatte er aber mit Verletzungen zu kämpfen. In Zürich besitzt der ehemalige Schweizer U20-Nationalspieler noch einen Vertrag bis 2023. Gut möglich, dass er sich mit konstanten Leistungen für einen fixen Kaderplatz in der ersten Mannschaft in Stellung bringt. Immerhin bestritt Sauter in der Saison 2019/20 unter Ludovic Magnin bereits drei Einsätze in der Super League, zwei – ausgerechnet gegen YB und Basel – sogar von Beginn an. Klar ist aber auch: Auf seiner Position ist die Konkurrenz gross, um wirklich eine echte Chance zu bekommen, muss er auf einen Abgang von Becir Omeragic (19) oder Mirlind Kryeziu (24) hoffen.




Nils Reichmuth (20): FC Wil

Auch Reichmuth befindet sich in einem "Austauschjahr" in der Ostschweiz. Der offensive Mittelfeldspieler absolvierte bereits sechs Einsätze für die Profiabteilung des Stadtclubs und gefiel dabei mit technischer Qualität und Spielübersicht. Nun soll er in Wil eine ähnliche Entwicklung vollziehen, wie es Bledian Krasniqi (20) gelungen ist, der nach seiner Rückkehr aus der Challenge League nun zum erweiterten Stammpersonal unter André Breitenreiter zählt. Reichmuth, seines Zeichens ehemaliger Schweizer U17-Nationalspieler, hat sich gut eingefunden und lässt schon erste Schritte in die richtige Richtung erkennen. Am besten entfalten kann er sich als kreativer Zehner hinter den Spitzen, wo seine Ideen und sein Spielwitz für Überraschungsmomente sorgen.



Neun Einsätze für den FC Wil bilanziert Reichmuth seit seinem leihweisen Wechsel. Gegen den FC Schaffhausen erzielte er Ende Oktober seinen ersten Treffer, eine Woche später liess er sich gegen den SC Kriens eine Vorlage gutschreiben. Kann er sich nun auch unter dem neuen Trainer Brunello Iacopetta beweisen, dürften ihm bei seinem Stammverein alle Türen offenstehen. Wer weiss: Vielleicht hat der FCZ den designierten Marchesano-Nachfolger bereits gefunden?


Filip Frei (20): FC Wil

Frei komplettiert das FCZ-Trio beim FC Wil. Er ist gleichzeitig auch der älteste der Zürcher Fraktion – und der einzige, der bereits Auslandserfahrung gesammelt hat. Der schnelle Rechtsverteidiger verbrachte ein Jahr in der Jugend von Ajax Amsterdam, kehrte im letzten Sommer aber zu seinem Kindheitsverein zurück. Beim FC Wil soll Frei nun erste Erfahrungen im Profifussball sammeln, denn fürs FCZ-Fanionteam stand er davor noch nie auf dem Rasen. Trotz seines Ajax-Abenteuers ist Frei auf diesem Niveau der unerfahrenste der Zürcher Leihspieler. Dennoch fand er den Tritt sehr schnell und spielte sich auf Anhieb in die erste Elf der Ostschweizer. Auf der rechten Defensivbahn gefällt Frei mit Biss und Offensivdrang, in zwölf Einsätzen – neun davon von Beginn an – glückten ihm bereits zwei Vorlagen. Sein Vertrag in Zürich läuft nur noch bis zum nächsten Sommer. Kann er seine starken Leistungen in der Challenge League bestätigen, drängt er sich für eine Verlängerung auf.



Izer Aliu (22): SC Kriens

Vor ein paar Jahren schnupperte Aliu an einer verheissungsvollen Karriere. Der zentrale Mittelfeldspieler absolvierte in der Saison 2017/18 zwölf Einsätze für den FCZ als 18-Jähriger, spielte sich durch alle Schweizer U-Nationalmannschaften und galt als grosses Talent. Im Herbst 2018 zog er sich aber einen folgenschweren Kreuzbandriss zu und hat seither immer wieder mit seinem Körper zu kämpfen. Beim FCZ geriet Aliu bald in Vergessenheit und wurde nach seiner Genesung in die Challenge League abgeschoben, zuerst ein halbes Jahr bei Chiasso, dann ein Jahr beim SC Kriens.



Die Innerschweizer verlängerten den Leihvertrag mit dem Schweizerisch-Nordmazedonischen Doppelbürger um eine weitere Saison und bauen voll und ganz auf ihn. Das Problem: Kriens befindet sich in einer schier ausweglosen Situation und steht nach 15 Runden abgeschlagen als Tabellenletzter bei sechs Punkten. Nicht die einfachsten Umstände für das leidgeprüfte FCZ-Eigengewächs, um den Traum von der grossen Karriere doch noch zu verwirklichen. Aber: Aliu ist ein Kämpferherz und abschreiben sollte man ihn noch lange nicht – zumal er gerade in dieser Saison als einer der wenigen Krienser auf einem gutem Level performt.




FC Lugano:

4 verliehene Spieler:

  • Chinwendu Johan Nkama (23): An NK Aluminij Kidricevo

  • Franklin Sasere (23): An Hamrun Spartans

  • Abel Marc (20): An ND Gorica

  • Carlo Manicone (23): An FC Chiasso


Chinwendu Johan Nkama (23): NK Aluminij Kidricevo

Nkama steht seit 2017 beim FC Lugano unter Vertrag und gehört damit zu den dienstältesten Spielern des aktuellen Kaders. Das einzige Manko: Der Nigerianer hat noch nie für die Tessiner gespielt. In jedem einzelnen Jahr wurde er an einen neuen Verein verliehen, ohne jemals bei den Bianconeri eine Chance erhalten zu haben. Bemerkenswert: Stets wurde Nkama nach Slowenien verliehen, nach Galeb Ankaram, Postojna und ND Gorica ist Aluminji Kidriveco nun bereits seine vierte Station in der Prva Liga. Der robuste, physisch starke Sechser gehört in Slowenien zum absoluten Stammpersonal, für Aluminij absolvierte er in dieser Saison 17 von 19 möglichen Einsätzen. Nkama wurde in Lugano mit einem langfristigen Vertrag bis 2025 ausgestattet, gut möglich also, dass er irgendwann einmal doch noch zu seinen ersten Partien in der Schweiz kommt.



Franklin Sasere (23): Hamrun Spartans

Auch Sasere ist in Luganos Leihsystem gefangen. Der wuchtige Mittelstürmer bestreitet nun bereits sein zweites Jahr auf Leihbasis beim Topklub Hamrun Spartans in Malta. In der letzten Saison hat der Nigerianer den Verein aus dem Westen der Insel zum ersten Meistertitel seit 30 Jahren geballert und sich ein hohes Standing erarbeitet. Den grössten Teil der Sommervorbereitung absolvierte er in Lugano, kehrte aber kurz vor dem Saisonstart zu den Spartans zurück. Trotz gültigem Vertrag bis 2024 darf bezweifelt werden, dass Sasere eine grosse Zukunft im Tessin hat. Aber wer weiss, vielleicht kann er sich mit Toren in Malta für die Dienste eines anderen Schweizer Vereins bewerben? Im Sommer haben wir Sasere und sein bemerkenswerter Aufstieg in Malta bereits porträtiert. Link zum Artikel.




Abel Marc (20): ND Gorica

Der slowenische Mittelfeldspieler Abel Marc kam bereits als 16-Jähriger zum FC Lugano. Die Tessiner sicherten sich in Kooperation mit dem Zweitligisten ND Bilje eine Beteiligung am talentierten U-Nationalspieler und verleihten ihn zwecks Ausbildung zurück in die Heimat. Nach einer tollen letzten Saison bei Bilje (8 Scorerpunkte in 20 Partien), wurde er in diesem Sommer an den Absteiger ND Gorica weiterverliehen, wo er nun ähnlich stark aufspielt. Entwickelt sich Marc so gut weiter, dürfte ihn Lugano in naher Zukunft schon bald im eigenen Kader sehen wollen.



Carlo Manicone (23): FC Chiasso

Manicone stammt aus dem Nachwuchs der Luganesi und galt einst als grosses Versprechen für die Zukunft, konnte sich aber bis jetzt nie durchsetzen. Der Mittelstürmer wechselte 2014 in die Akademie von Juventus, zog später zu Empoli weiter, wo er 2017 gar zum besten U19-Spieler der Saison ausgezeichnet wurde. Statt Glamour und Serie A heisst Manicones Realität nun aber Promotion League mit dem FC Chiasso. Nach einer Odyssee durch die unteren Ligen Italiens, kehrte er zum FC Lugano zurück ohne Perspektiven auf Einsatzzeit. Schon die letzte Rückrunde verbrachte er daher leihweise beim Kantonsrivalen. Aber so wirklich zündet Manicone auch bei Chiasso nicht, in dieser Saison steht er erst bei acht Einsätzen (ein Treffer).