• Maximilian Wagner

Kevin Bua – Bilanz nach seinem Wechsel zu CD Leganes

Aktualisiert: März 9

Über ein halbes Jahr ist es her, seit dem Kevin Bua der Schweiz und dem FC Basel den Rücken kehrte und sich in ein Abenteuer im Heimatland seiner Eltern stürzte. Dem Absteiger aus der höchsten spanischen Spielklasse will der Flügelflitzer aus der Romandie zum direkten Wiederaufstieg verhelfen. Bolzplazz verschafft einen Überblick über seine Situation.


Weggang aus Basel

Kevin Bua ist, mittlerweile 27-jährig, vor ziemlich genau einem Jahr wohl auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Im Achtelfinale der Europa League weiss er zu begeistern. Mit einem Tor und einem Assist ist Bua entscheidend am späteren weiterkommen des FC Basel gegen Eintracht Frankfurt, das in der Vorsaison noch im Halbfinale stand, beteiligt. Aus allen Perspektiven schade (und aus Basler sogar unverständlich) dass man sich nicht auf eine Vertragsverlängerung mit dem Leistungsträger beim FCB einigen konnte. Und ja, das sieht auch Kevin Bua selbst so, wie er in einem Interview im vergangenen Dezember gegenüber Blick zu verlauten gab. Kein Wunder also, dass nach seinen tollen Europa League-Auftritten verschiedenste Vereine im Sommer mit Bua in Verbindung gebracht wurden. International renommierte Klubs wie Besiktas Istanbul, der ehemalige Deutsche Topclub Nürnberg oder sogar YB waren laut Medienberichten am pfeilschnellen Flügel interessiert. Entgegen all diesen Angeboten entschied sich Bua aber für einen Wechsel nach Spanien in die LaLiga 2. Dort ist der direkte Wiederaufstieg das erklärte Saisonziel des ambitionierten Absteigers CD Leganes. Eine kluge Entscheidung sollte man meinen, da Bua mit seiner Explosivität und internationalen Erfahrung durchaus imstande sein sollte, Akzente im Heimatland seiner Eltern zu setzen. Beim FC Basel, meist auf dem linken Flügel eingesetzt, konnte er gerade in seiner letzten Saison für Rotblau mit 10 Torbeteiligungen (4 Tore, 6 Assists) in 19 Einsätzen überzeugen. Trickreich, wendig und mit tollem Auge für die Mitspieler ausgestattet, brachte es Kevin Bua in 100 Super League-Auftritten für den FC Zürich und den FCB auf starke 46 Scorerpunkte (20 Tore, 26 Vorlagen).


Schwieriger Start

Am 19.9.20 bei seinem neuen Team in Spanien angekommen, verlief der Start für Kevin Bua erst sehr holprig. So gab es im ersten Monat noch nicht einmal einen Platz im Kader für ihn. Er musste sich bis Ende Oktober gedulden, um erstmals auf dem Matchblatt in der LaLiga 2 aufzutauchen. Weitere zwei Wochen und vier Einsätze als Kaderfüller brauchte es, bis der ex-Bebbi erstmals für seinen neuen Klub auflaufen durfte. Gegen das im Tabellenkeller stehende Albacete kam Kevin Bua erstmals zu einem Teileinsatz für Leganes. Die Partie endete in einem torlosen Unentschieden. Daran konnte auch Kevin Bua, welcher kurz nach der 60 Minuten-Marke den Platz betrat, nichts mehr ändern. Doch in den vier darauffolgenden Partien kam der Genfer immer zum Einsatz. Gegen Malaga stand Bua zwei Wochen später sogar erstmals in der Startformation. Wie auch beim FC Basel, kommt Bua in Spanien meist über den linken Flügel. Doch er zeigte auch schon, dass auf beiden Seiten mit ihm zu rechnen ist. Gegen Ponferradina, bei seinem zweiten Einsatz von Beginn an, kam es dann zu einem Vorfall, der für Kevin Bua leider nicht unüblich ist: In der 42. Minute zog er sich eine kleine Verletzung zu und musste ausgewechselt werden. 63 Partien verpasste Bua verletzungsbedingt für den FC Basel in seinen vier Jahren beim Verein. Teils fehlte er für kürzere Zeit, teils monatelang. Immer wieder trafen ihn kleinere Rückschläge oder gar schwere Verletzungen. Bis zu diesem Zeitpunkt bestritt Bua fünf Spiele für CD Leganes, in welchen er aber insgesamt gerademal 190 Minuten auf dem Platz stand.

via sport.ch

Die Explosion gegen Girona

Knapp drei Wochen nach seiner Verletzung gab der ehemalige Schweizer U20-Nationalspieler gegen Sporting Gijon schliesslich ein neun Minütiges Comeback, um dann anschliessend die nächsten drei Spieltage wieder auf der Bank zu sitzen. Jedoch sah die ganze Situation im Verein bald schon recht anders aus. Nach fünf Partien ohne Sieg mussten die Leganes-Verantwortlichen Ende Januar die Reissleine ziehen und den damaligen Trainer Josep Luis Martí feuern. Dieser eine Trainer, welcher im Sommer extra selbst mit Bua sprach, um ihn von seinem Projekt in Spanien zu überzeugen. In spanischen Medien sprach man vom Schweizer Neuzugang sogar als “Schlüsselspieler”. Martí wollte Buas Namen in der Heimat seiner Eltern gross machen. Wurde wohl nichts aus dem Plan.

Gleichzeitig eröffnete sich eine neue Chance für Kevin Bua, sich einem neuen Trainer aufzudrängen. In der ersten Partie unter dem neuen Coach, Asier Garitano, blieb aber vorerst alles beim Alten: Bua blieb ohne Einsatz.

Doch dies sollte sich gegen Girona ändern.

Als erster Spieler von Leganes wurde Bua in der 70. Minute beim Stande von 0:0 eingewechselt. Es blieben ihm nur knapp 20 Minuten, um den Trainer auf sich aufmerksam zu machen. Und diese Minuten wusste er zu nutzen. Nur fünf Minuten nach seiner Einwechslung, markierte Bua das so wichtige und richtungsweisende Führungstor für die Gäste. Fader Beigeschmack: Seine Teamkollegen mussten ihn von einer herabwürdigenden Jubelgeste abbringen. Gleich nach seinem Treffer drehte er sich zur Bank um und liess mit einem gestreckten Finger auf den Lippen all seine Zweifler verstummen. Doch das war Bua an diesem Abend noch nicht genug. In bester Schlitzohr-Manier luchste er einem Verteidiger in der Nachspielzeit den Ball ab und war somit frei durch. Vor dem Schlussmann der Hausherren behielt er die Nerven und verwandelte kaltschnäuzig. Beide Treffer erzielte er mit dem rechten Fuss. Ein herausragender Auftritt – und das als Joker.


Die aktuelle Situation

Man kann sich nur wünschen, dass dies ein nachhaltiger Wendepunkt für Bua auf seiner ersten Auslandstation war. Und auch schon gleich eine Woche später stand er zum ersten Mal nach knapp zwei Monaten wieder in der Startelf. Er lieferte einen soliden Auftritt, brennte aber kein Feuerwerk mehr ab. Direkt nach dem Anschlusstreffer der Gäste wurde Bua ausgewechselt. An einem Tor war Kevin Bua nicht beteiligt, trotzdem behielt Leganes mit einem 3:1-Sieg alle Punkte bei sich.

In den darauffolgenden Partien agierte er nur noch als Joker oder wurde bereits zur Halbzeitpause ausgewechselt. War die sensationelle Joker-Leistung gegen Girona also nur ein Ausreisser nach oben?

Klar ist, dass der Spielplan der LaLiga 2 extrem eng getaktet ist. Ein Faktor, der Dauer-Rotationsspielern wie Bua zu Gute kommen könnte.


Zukunftsperspektive

CD Leganes, letztjähriger Absteiger aus der höchsten spanischen Spielklasse, hat die Ambition, noch in dieser Saison den direkten Wiederaufstieg anzupeilen. Mit 49 Punkten aus 27 Spieltagen hat man alle Chancen, den nur fünf Punkte vor Leganes liegenden Erstplatzierten RCD Mallorca einzuholen. Da es in dieser doch wilden Liga ganze 42 Spieltage gibt (plus mögliche Playoffs für 3.-6. Platzierte) kann wirklich noch alles passieren.

Dies gilt auch für Kevin Bua. Mit seinen immerhin wieder häufiger werdenden Auftritten unter dem neuen Cheftrainer sollte es ihm gelungen sein, sich zumindest fürs Erste als einer der wichtigsten Rotationsspieler festzubeissen. Sollte er in den nächsten Wochen weiterhin ab und zu die Gunst des Trainers erhalten und mit tollen Auftritten zu überzeugen wissen, wird er über kurz oder lang ein Startelfaspirant werden. Kann sich Kevin Bua aber bis zum Sommer nicht endgültig durchsetzen, scheint ein Transfer eine realistische Option zu sein. Klar ist: Sein erstes Auslandabenteuer hatte er sich anders vorgestellt. Doch noch ist nichts verloren…


Interview im Blick: https://www.blick.ch/sport/fussball/superleague/kevin-bua-ueber-fcb-aus-und-sein-neues-leben-in-spanien-waere-gerne-laenger-in-basel-geblieben-id16242731.html


Bua verlässt den FCB: https://primenews.ch/news/2020/06/keine-vertrags-verlaengerung-kevin-bua-verlaesst-den-fc-basel


Der Knoten ist geplatzt: https://as.com/futbol/2021/02/08/segunda/1612800719_435839.html