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Expertendiskussion: Wer ist der beste Torwart der Super League?

Eine kontroverse Frage: Wer ist der beste Torwart der Super League? Wir stellen unsere Picks vor.


Obwohl das Level der Super League durchaus kritisch betrachtet werden darf, verfügen wir über eien Vielzahl an äusserst spannenden und starken Torhütern. Einen Besten zu wählen, ist alles andere als einfach. Wenig überraschend, trifft jeder eine andere Wahl.


Kandidaten gibt es genug. Von FC Luzern-Rückkalt Marius Müller bis zu FC Sion-Talent Timothy Fayulu reihen sich Bewerbungsschreiben über Bewerbungsschreiben. Ein Torhüterproblem zeichnet sich in der Super League jedenfalls nicht ab.


Chris Eggenberger:

David von Ballmoos, BSC Young Boys

Am gestrigen Donnerstag musste David von Ballmoos erstmals seit über 2 Jahren in einem Pflichtspiel 4 Gegentore hinnehmen. Schuldig war der YB-Goalie beim Cup-Out in St. Gallen aber an keinem der Gegentreffer, überhaupt war er noch einer der besseren Berner auf dem Platz.


Von Ballmoos ist seit bald 4 Jahren Stammkeeper bei den Young Boys, seine Erfahrung von über 100 Ligaspielen sowie 33 Einsätzen im Europapokal sprechen für sich. Von den aktuellen Stammkeepern machte nur Yanick Brecher mehr Super-League-Spiele als von Ballmoos, seine internationale Erfahrung ist unerreicht. Auch im Aufgebot der Schweizer A-Nati stand der 26-Jährige bereits, auch wenn er dort bisher noch ohne Einsatz blieb.


Von Ballmoos ist ein extrem konstanter Keeper, obwohl vor ihm viel rotiert wird, ist das YB-Eigengewächs in dieser Saison Teil einer rekordverdächtig guten Defensive, mit nur 21 Gegentoren in 27 Ligaspielen. Von Ballmoos ist ein weniger exzentrischer Torhüter als zum Beispiel St. Gallens Zigi, doch er ist auf der Linie sehr stark. So überperformt er auch seinen Expected-Goals-Wert deutlich.


Spielaufbau ist ein weiterer Punkt, bei dem der YB-Goalie anderen RSL-Goalies einen Schritt voraus ist - kein anderes Team der Liga pflegt das "hinne usespiele" so oft und effizient wie der Meister. Das ist von Ballmoos wahrscheinlich ganz recht, sonst hätte er in so manchem Ligaspiel ja wirklich nur wenig zu tun. Als Schwäche auszumachen sind beim 1.92-Meter-Mann höchstens platzierte Distanzschüsse, von denen er verhältnismässig oft bezwungen wird.


Im Rennen um den besten Torhüter der Super League punktet von Ballmoos also mit Konstanz und mit der Erfahrung, die ihn auf jeden Fall zu einem Leader im Team von Gerry Seoane macht. Nach einem Rücktritt von Fabian Lustenberger ist ihm auch das Captain-Amt bei seinem Jugendverein absolut zuzutrauen.



Livio Dörig:

Lawrence Ati Zigi, FC St. Gallen

Als Dejan Stojanovic die Espen zur Rückrunde der so grandiosen letzten Saison in Richtung der englischen Championship verliess, hegten viele im St. Galler Umfeld Zweifel, ob ein ebenbürtiger Ersatz gefunden werden kann. Nach der Verpflichtung von Lawrence Ati Zigi vom FC Sochaux lösten sich diese Zweifel jedoch in Rekordtempo in Luft auf.


Nach gefühlt schon einer Partie avancierte Zigi zum absoluten Publikumsliebling in der Ostschweiz. Er ist für mich der beste Torhüter der Super League. Der Ghanaer passt– obwohl er zwischen den Pfosten steht – wie die Faust aufs Auge zur Spielphilosophie von Trainer Peter Zeidler. Zigi ist ein enorm offensiver und stets nach vorne denkender Keeper. Sei es bei Flankenbällen oder im Eins gegen Eins: Zigi will stets zum Ball und interpretiert sein Torwartspiel dementsprechend mit einer gehörigen Portion Aggressivität.


In gewissen Situationen muss der 24-Jährige jedoch manchmal aufpassen, dass er nicht übermütig wird. Bälle konsequent zur Seite oder in eine ungefährliche Zone abzulenken, ist sicherlich ein Punkt in dem sich Zigi noch verbessern kann. Ansonsten ist der FCSG-Schlussmann für mich enorm komplett und vereint alle Qualitäten eines modernen Goalies.

Reflexstark, beidfüssig, mitspielend, sprunggewaltig und athletisch: Alles Attribute, die den 1,88 m-Musterprofi auszeichnen.


Mit seinen spektakulären Paraden und Flugeinlagen begeistert er nicht nur die Fans, sondern sicherte den St. Gallern schon unzählige Punkte. In direkten Duellen mit Angreifern und im Vereiteln von Grosschancen gehört der einmalige ghanaische Nationalspieler bereits jetzt zur internationalen Klasse. Vor allem in dieser Spielzeit fällt auf, dass Zigi seine Vorderleute vermehrt dirigiert und lautstarke Anweisungen gibt. Und alleine schon mit seiner furchtlosen und fabelhaften Auftritten stellt er eine eminent wichtige Leaderfigur im St. Galler Ensemble dar.


Trotz gültigem Arbeitspapier bis im Juni 2023, dürften diesen Sommer einige Angebote für Zigi bei Sportchef Alain Sutter reinflattern. Kann Zigi seine Fehlerquote noch einen Stück reduzieren und die positive Entwicklung fortsetzen, dürfte er für die Espen fast nicht zu halten sein. Schliesslich hat es der meiner Meinung nach beste Keeper der heimischen Liga auch verdient, sein Können in einer Topliga zu zeigen.

© Sandro Färber / Sam Modestia


Giacomo Notari (Eco dello Sport / proxifoot):

Jérémy Frick, Servette FC

Schaut man sich die Super League-Torhüter an, fällt es überhaupt nicht leicht, einen einzigen auszuwählen. Der Hauptgrund dafür liegt darin, dass viele unserer Keeper für eine gewisse Zeit Höchstleistungen bringen, nur um dann wieder auf ein tieferes Level zurückzufallen. Jérémy Frick ist wohl kaum der spektakulärste Torhüter der Liga, und wahrscheinlich auch weit davon entfernt, der Beste zu sein, wenn alle auf dem Zenit ihrer Leistungen sind. Aber die Konstanz und Solidität des Servette-Goalies ist der Grund, weswegen er für mich der beste Torhüter in der Schweiz ist.


Viele werden daran zweifeln, ob Frick tatsächlich der beste Keeper der Liga ist, aber was man ihm auf jeden Fall zugestehen muss, ist, dass er ganz klar extrem unterbewertet ist. Als Servette im letzten Jahr in die Super League zurückkehrte, war er ohne Zweifel ein Teil der “Big Three” des Teams. In meinen Augen gehörte er zu einem kleinen Kreis von Genfer Spielern – zusammen mit Stevanovic und Rouiller – bei denen man im Vornherein wusste, dass sie einen nicht enttäuschen würden, egal welchem Gegner man gegenüberstand. Und genau das ist ein grosser Pluspunkt für Frick: Er begeht kaum Fehler, die direkt zu einem Gegentor für die Grenats führen. Seine erstaunliche Konstanz ist es, die ihn seit seiner Ankunft aus Biel im Sommer 2016 immer besser und besser werden liess.


Blicken wir auf die aktuelle Saison, ergibt sich dieselbe Diskussion. Servette steht auf dem 2. Rang und weist die drittbeste Abwehr der Liga auf, woran Frick – der übrigens ein Teil seiner fussballerischen Ausbildung bei Olympique Lyon absolviert hat – mit seinen Saves natürlich einen grossen Anteil hat. Ein einfaches Beispiel seines Wertes für Servette ist ein Elfmeter in der 90. Minute, den er im Januar gegen Lausanne gehalten und seinem Team somit die Derby-Niederlage erspart hat. Zuletzt ergab sich auch der Eindruck, dass Frick auf dem Rasen zu einem noch wichtigeren und lautstärkeren Leader der Truppe geworden ist. Er ist sehr kommunikativ, ein Zeichen für einen selbstbewussten Torhüter mit grosser Verbundenheit zum Klub.


Aus all diesen Gründen finde ich, dass Frick mehr Anerkennung dafür verdient, was er seit dem Aufstieg Servettes geleistet hat. Wir werden sehen, ob er sich im Alter von 28 Jahren nochmals steigern kann, und, wer weiss, ob er vielleicht noch eine Chance im Ausland oder gar in der Nati erhält.

© Sandro Färber / Sam Modestia


Emanuel Staub:

Noam Baumann, FC Lugano

Noam Baumann ist so etwas wie der Paradiesvogel der Schweizer Torhüter. In den letzten Jahren hat sich der Lugano-Schlussmann mit spektakulären Reflexen und sprunggewaltigen Saves zu einem der auffälligsten und aufregendsten Keepern der Super League gemausert. Für mich ist Baumann aus diversen Gründen der beste Super League-Torhüter. Nicht nur was die Qualität seines Torwartspiels anbelangt, sondern auch aufgrund aller aufregenden und spektakulären Elemente, die er verkörpert.


Baumann, 24-jähriger Innerschweizer, betrat die Super League-Bühne 2018/19. Er löste in Lugano Stammkeeper David Da Costa ab und brannte sich sofort durch sein unkonventionelles Torwartspiel ins Gedächtnis des Schweizer Fans. Auf der Linie ist er vielleicht der beste Goalie der Liga. Ihn zeichnen eine enorme Explosivität, Sprungkraft und Reaktionsschnelligkeit aus. Was er regelmässig von der Linie kratzt, ist schlichtweg überragend.


Kein Torwart in der Super League hat in dieser Saison laut Statistik mehr Tore verhindert als Baumann (12). Nach 27 Spieltagen hat Lugano 22 Tore kassiert – von allem Stammtorhütern in der Schweiz, hat nur von Ballmoos noch weniger hinter sich greifen müssen. Baumann ist das letzte, aber entscheidende Puzzleteil für die Unüberwindbarkeit der Tessiner Defensive.

Klar, mit 24 Jahren ist der 1,92m-Mann noch lange nicht am Ende seiner Entwicklung angekommen. Fehler gehören dazu, und Baumann streut ab und an kleine Unsicherheiten an. Teilweise wirkt er zu hektisch und etwas unkonzentriert, was ziemlich sicher seinem energetischen Torwartspiel geschuldet ist. Aber Baumann ist aus meiner Sicht nicht der beste Torhüter, weil er immer fehlerlos bleibt, sondern auch noch aus einem ganz anderen Grund:


Wie eingangs erwähnt ist der Lugano-Keeper ein Paradiesvogel. Er fällt auf durch extravagante Frisuren und Tattoos auf, die sich perfekt mit seinen spektakulären Reflexen ergänzen. Das Gesamtbild, das Noam Baumann abgibt, ist schlicht grosses Kino. Für mich ist er eine Art Sehnsuchtsspieler, einer jener Fussballer, von denen ich mir als Fan ein Trikot kaufen würde. Er verkörpert das Unkonventionelle und Überraschende auf einer Position, wo eigentlich Ruhe und Souveränität gefragt wäre – und dennoch funktioniert es. Baumann ist ein Schritt ins eine grosse Liga jederzeit zuzutrauen, nicht nur weil er toll hält, sondern auch, weil er überall das Potential zum Publikumsliebling hat.




Wieso die Schweiz so gute Torhüter hervorbringt: https://cavanisfriseur.de/torhueter-schweiz/


Goalie-Ranking: https://www.sport.ch/superleague/683347/streitpunkt-meistergoalie-das-grosse-torhueter-ranking-der-super-league