• Nicolas Ganter

Europa-League-Check: Mission Impossible für den FC Zürich?

Was erwartet den FCZ in der diesjährigen Europa-League-Kampagne? Vor dem Start der Gruppenphase in dieser Woche nehmen wir eine Analyse vor.


Die Zürcher qualifizierten sich nach dem Scheitern in der Champions-League-Qualifikation gegen Qarabag FK mehr oder weniger souverän für die Gruppenphase der Europa League. Dank je zwei Siegen gegen Linfield FC (NIR) und die Hearts of Midlothian aus der Schlossstadt Edinburgh (SCO) trifft der FCZ nun in einer Hammergruppe auf den Arsenal FC (ENG), PSV Eindhoven (NED) und FK Bodø/Glimt (NOR) – eine tolle Entschädigung für die vom schwachen Saisonstart gebeutelten Zürcher Fans.



Arsenal FC: Grosser Gegner, grosse Gefahr

Die Gunners erleben in der Premier League einen tollen Saisonstart und führen die Tabelle nach sechs Partien mit einem Punkt vor Manchester City an. Das junge Ensemble um Nati-Captain Granit Xhaka überzeugt unter Trainer Mikel Arteta mit tollem Ballbesitzfussball, kreiert viele Torchancen und agiert aus einer stabilen Defensive heraus. Im Sommer verhielt man sich sehr geschickt auf dem Transfermarkt und verstärkte gezielt Problemzonen aus der vergangenen Saison, wo man nur auf dem 5. Platz und damit unter den Ansprüchen klassiert war. Unter anderem wurde vom Meister Manchester City Zinchenko und Gabriel Jesus verpflichtet, wobei vor allem Letzterer die langersehnte Offensivkraft sein soll, die man seit geraumer Zeit gesucht hat.



Hinspiel: FC Zürich – Arsenal FC, 8. September 2022, 18:45; Kybunpark

Rückspiel: Arsenal FC – FC Zürich, 3. November 2022, 21:00; Emirates Stadium


Prognose: FCZ gegen Arsenal, David gegen Goliath. Der einzige Trumpf der Zürcher ist wohl, dass man nichts zu verlieren hat. Es wäre auf alle Fälle nicht das erste Mal, dass ein Schweizer Club einem Premier-League-Vertreter international ein Bein stellen würde. Dennoch ist ein Punktgewinn über beide Begegnungen hinweg sehr unrealistisch. Stellt sich der Stadtclub defensiv weiter so dilettantisch an, droht eine Abreibung.


PSV Eindhoven: Der zweite Hammergegner

Auch PSV ist stark in die neue Spielzeit gestartet, hat aber erst zwei Ligapartien absolviert. Nach einem furiosen 5:3-Sieg im holländischen Supercup gegen Ajax zu Saisonbeginn, reihten die Mannen von Ruud van Nistelrooy zwei Siege aneinander und sind nun mit einem Spiel weniger als Ajax und Feyenoord auf dem dritten Platz in der Eredivisie klassiert. Die Holländer haben zahlreiche talentierte Spieler in ihrem Kader – bspw. Xavi Simons – und sind zudem gespickt mit Routiniers wie Luuk de Jong, Philipp Max und Walter Benitez, die alle einst in einer Top-5-Liga gespielt haben.



Hinspiel: FC Zürich – PSV Eindhoven, 6. Oktober 2022, 18:45; Letzigrund

Rückspiel: PSV Eindhoven – FC Zürich, 13. Oktober 2022, 21:00; Philips Stadion


Prognose: Auch gegen das holländische Schwergewicht ist der FCZ klarer Aussenseiter, dürfte aber zu mehr Chancen kommen als gegen die Gunners. Wer weiss, vielleicht liegt ein Punkt drin? Aber auch hier gilt: Stabilisiert FCZ-Coach Franco Foda vor dem Duell gegen PSV nicht seine Defensive, kann es für den Schweizer Meister schnell brutal werden.


FK Bodø/Glimt: Auf Augenhöhe?

Die Norweger sind die einzigen Teilnehmer in dieser Gruppe, denen der FCZ mehr oder weniger auf Augenhöhe begegnen kann. Die Betonung liegt hierbei klar auf „kann“, denn wozu Bodø fähig ist, haben sie letztes Jahr in der Conference League gezeigt: In der Gruppenphase gelang den Skandinaviern zuhause ein sensationeller 6:1-Sieg gegen die AS Roma, welche am Ende zum ersten Gewinner der neuen Conference League avancierten. Beim zweifachen norwegischen Meister (2020, 2021) sticht vor allem ein Name heraus: Ola Solbakken. Aktuell noch verletzt, wird der Rechtsaussen immer wieder bei europäischen Topclubs gehandelt, zuletzt war er bei Napoli und Frankfurt im Gespräch.



Hinspiel: FK Bodø/Glimt – FC Zürich, 15. September 2022, 21:00; Aspmyra Stadion

Rückspiel: FC Zürich – FK Bodø/Glimt, 27. Oktober 2022, 18:45; Letzigrund


Prognose: Will der FCZ in dieser Gruppe Punkte holen, so wird er das gegen Bodø/Glimt tun müssen. Den Norwegern dürfte man aber einen Vorteil attestieren, da sie bereits mitten in der Saison stehen und deutlich gefestigter sind als der FCZ, der nach sieben Liga-Partien weiter auf den ersten Sieg wartet.


Attraktive Gegner, aber sportlich ein Albtraum: Der FCZ wird extrem gefordert sein, ein Weiterkommen scheint kaum möglich. Jeder Punktgewinn darf in dieser Gruppe gefeiert werden – und könnte sich als extrem wichtig herausstellen, schliesslich überwintert in der Europa League auch der Gruppendritte europäisch und darf im Frühling dann in der Conference League antreten. Mit Bodø/Glimt wird sich der Schweizer Meister um den 3. Schlussrang balgen – für den Schweizer Koeffizienten wäre ein Überwintern des FCZ enorm wichtig.