• Emanuel Staub

Die neu formierte Schweizer U19-Nati im Check

Aktualisiert: 18. Okt.

In diesem Sommer stellte sich der SFV auf Nachwuchsstufe neu auf: Ex-FCZ-Coach Massimo Rizzo übernahm die Schweizer U19-Auswahl, die in Zukunft das Gerüst der Nati bilden soll. Ein Blick auf die Schweizer Talente von morgen.


In diesen Tagen besammelt sich die Schweizer U19-Nati in Solothurn. Ende Woche steht zum Abschluss des Trainingscamps ein Freundschaftsspiel gegen Deutschland auf dem Plan. Anfangs Oktober erst trat der frühere FCZ-Coach Massimo Rizzo die Nachfolge von Bruno Berner als U19-Auswahltrainer an – und leitet nun seinen ersten Zusammenzug. Im letzten Monat versammelte sich die U19 zwar bereits für EM-Qualifikationspartien in Nyon, wurde dabei aber interimistisch von Francesco Gabriele angeleitet und verpasste mit zwei Niederlagen aus drei Partien das grosse Ziel der Endrunde. Nun also übernimmt Rizzo das Zepter und muss nach dem Verpassen der EM-Qualifikation einiges an Aufbauarbeit leisten.


Welche Spieler der aktuellen Schweizer U19-Auswahl muss man kennen? Wer könnte es bis nach ganz oben schaffen? Ein Blick auf die Schweizer Talente von morgen.


Jahrgang 2004 – ein Gerüst von ca. 30 Spielern


Seit Anfang Jahr setzt sich die U19-Nati aus Spielern mit Jahrgang 2004 zusammen. Aktuell bilden etwas mehr als 30 Spieler mit diesem Geburtsjahr das Gerüst der Auswahl. Das 20-Mann-Kader, das für die EURO-Qualifikationspartien im letzten Monat nominiert wurde, darf grundsätzlich als erste Wahl bezeichnet werden, wurde nun von Rizzo aber leicht verändert. Gewisse Leistungsträger erhielten für das anstehende Testspiel gegen Deutschland nämlich keine Freigabe von ihren Vereinen – ein guter Zeitpunkt für Rizzo, um neue Spieler zu integrieren.


Das Oktober-Aufgebot von Massimo Rizzo:


Das September-Aufgebot von Francesco Gabriele:


Die beiden Aufgebote lassen sich grob in zwei Kategorien unterteilen: Einerseits "Schweizer Talente im Ausland" und andererseits "Schweizer Talente im Inland". Sieben Spieler stammen aus ausländischen Vereinen, der Rest spielt (noch) in der Heimat. Die meisten Schweizer U19-Internationalen stellen die Young Boys (5) und Servette (4).


Interessant ist auch die Frage nach Erfahrung im Profifussball: 12 Spieler gehören fix zum Kader einer 1. Mannschaft oder haben zumindest bereits für diese im Herrenbereich debütiert. Zu den bereits im Profifussball angekommenen Spielern zählen u.a. Torhüter Tim Spycher (Yverdon-Sport), Stürmer Alexandre Dias Patricio (Servette) oder Mittelfeldspieler Liam Chipperfield (FC Basel). Chipperfield erzielte in der letzten Saison gar bereits seinen ersten Treffer für den FCB in der Super League.


Chipperfield jubelt über sein Debüt-Tor in der Super League.

Schweizer U19-Nati-Talente im Ausland


Wie bereits erwähnt stehen derzeit sieben aktive Schweizer U19-Nationalspieler im Ausland unter Vertrag. Vier von ihnen gehören einer Jugendmannschaft eines europäischen Topvereins an – namentlich Esey Gebreyesus (Olympique Marseille), Roggerio Nyakossi (Olympique Marseille), Oliver Schmidhauser (RB Leipzig) und Federico Crescenti (Liefering bzw. RB Salzburg). Die anderen drei Legionäre werden bei ausländischen Vereinen aus unteren Ligen ausgebildet: Joss Marques da Silva (Bordeaux), Nathan Wicht (TSV 1860 München) und Ben Heuser (Rot-Weiss Essen).


Esey Gebreyesus (18)

Gebreyesus zählt zu den bekanntesten Gesichtern der aktuellen Schweizer U19-Auswahl. Der dribbelstarke Flügel spielt seit Winter 2021 für Olympique Marseille. Mittlerweile zählt der frühere Hopper zum Stammpersonal in der UEFA Youth League und schaffte im Sommer den Sprung in die 2. Mannschaft der Südfranzosen. Gebreyesus zeichnet sich durch hohes Tempo, feine technische Fähigkeiten und eine kaum ausbremsbare Spielfreude aus. Er ist der Mann für die spektakulären Momente und kann mit dem Ball am Fuss für den Unterschied sorgen – muss allerdings noch deutlich an Reife gewinnen.


Roggerio Nyakossi (18)

Nicht nur in der Nati, auch im Verein ist Nyakossi ein Teamkollege von Gebreyesus: In diesem Sommer wechselte der wuchtige Innenverteidiger für kolportierte 2 Millionen Euro von Servette nach Marseille. Der 1,94m grosse Abwehrmann machte sich in der Schweiz mit seiner beeindruckenden Physis und seinem guten Aufbauspiel einen Namen. In der U19-Nati ist er als Teilzeitkapitän gesetzt und gehört zu den absoluten Teamstützen.


Oliver Schmidhauser (18)

Schmidhauser ist in der Heimat noch nicht allzu bekannt – das dürfte sich aber bald ändern. Der St.Galler steht bei RB Leipzig unter Vertrag, nach Stationen in Unterhaching, Vaduz und Fürth wechselte er in diesem Sommer zum deutschen Giganten. Der explosive, vielseitige Angreifer wurde von Massimo Rizzo nun zum allerersten Mal für eine Schweizer U-Nationalmannschaft aufgeboten – womit sich für Schmidhauser ein kleiner Traum erfüllt hat. Im Winter veröffentlichte Bolzplazz ein Interview mit ihm. Link dazu hier.


Federico Crescenti (18)

Zu den vielleicht talentiertesten Schweizern seiner Generation wird Salzburg-Youngster Federico Crescenti gezählt. Der pfeilschnelle, torgefährliche Stürmer schoss in der Jugend des FCSG alles in Grund und Boden, wodurch er sich einen Wechsel zum österreichischen Branchenprimus ermöglichte. Dort kam er in der letzten Saison trotz Verletzungspech auf 8 Tore in 9 Einsätzen für die U18. In der aktuellen Spielzeit traf Crescenti zum ersten Mal in der UEFA Youth League und in der 2. Liga für Salzburgs Farmteam Liefering.


Nathan Wicht (18)

Genau wie Schmidhauser bestreitet Nathan Wicht seine fussballerische Ausbildung in Deutschland. Für die 1. Mannschaft des traditionsreichen TSV 1860 München kam er bereits in der 3. Liga zum Einsatz und beeindruckte dabei mit reifem Spielverständnis und guter Physis. Wicht ist im zentralen Mittelfeld beheimatet und könnte als kreativer, spielstarker Achter dereinst einmal zu einem echten Versprechen für den Schweizer Fussball heranwachsen. In der U19-Nati gehört er zu den dienstältesten Spielern, seit Stufe U15 repräsentiert er die Schweiz.


Ben Heuser (18)

Heuser gehört dem Nachwuchs von Rot-Weiss Essen an und komplettiert damit das Schweizer U19-Nati-Trio in Deutschland. Der Doppelbürger kommt genau wie Wicht im Mittelfeldzentrum zum Einsatz, kann aber auch offensiver aufgestellt werden. Sein Name dürfte hierzulande nur den wenigsten etwas sagen – immerhin wurde er nun erst zum zweiten Mal vom SFV aufgeboten und wartet noch gänzlich auf seinen ersten Einsatz mit dem Schweizerkreuz auf der Brust.


Joss Marques da Silva (18)

Ebenfalls noch eher unbekannt ist Marques da Silva. Der spielstarke defensive Mittelfeldspieler hat zwar bereits 8 Einsätze für die U-Nationalteams der Schweiz auf dem Buckel, wechselte aber 2020 von Lausanne-Sport in die Jugend von Girondins de Bordeaux und entzog sich damit der Wahrnehmung vieler Schweizer Fussballbeobachter. In Frankreich entwickelte sich Marques da Silva aber prächtig weiter, im Sommer gelang ihm der Übertritt ins Reserve-Team des Ligue-1-Absteigers.


Schweizer U19-Nati-Talente im Inland


Auch wenn einige der talentiertesten Kicker der 2004er-Generation im Ausland spielen, tummeln sich auch in den Nachwuchsteams der Schweizer Vereine zahlreiche spannende Namen. Fünf davon nehmen wir an dieser Stelle in den Fokus:


David Piffero (18)

Er kam aus dem Nichts – und zählt nun plötzlich zu den vielversprechendsten Schweizer Stürmern mit Jahrgang 2004. David Piffero wechselte während der letzten Saison vom Team Fribourg zu den Young Boys, wo er mit 18 Treffern in 14 Partien die U18 Elite League nach Belieben dominierte. Seit der U15 wurde der gebürtige Tessiner nicht mehr für die Auswahlteams des SFV aufgeboten – das änderte sich im Mai dieses Jahres. Piffero wird nun via Promotion League behutsam ans Profi-Level herangeführt. Gut möglich, dass er für YB schon bald Super-League-Luft schnuppern darf.



Leny Meyer (18)

Der Sohn von Luzern-Sportchef Remo Meyer debütierte in dieser Saison bereits in der Super League. Der dynamische, aggressive Linksverteidiger fiel zuvor jahrelang mit starken Leistungen in der 1. Liga und der U18 Elite League auf. Der Schweizer Fussballverband hat Meyer schon lange auf dem Radar – seit der U15 war er regelmässig Teil der Auswahlteams. Wer weiss, vielleicht kann er zum für die Schweiz so dringend benötigten Hoffnungsträger auf der Linksverteidiger-Position heranwachsen?



Momodou Jaiteh (17)

Basel-Sturmtalent Momodou Jaiteh ist Scouts aus ganz Europa schon lange ein Begriff. Seit er im Alter von 15 Jahren in der U18 mit 10 Treffern in 13 Partien für Furore sorgte, wird er gemeinhin zu den grössten Juwelen des Schweizer Fussballs gezählt. Als explosiver, agiler und eiskalter Angreifer kämpft er sich immer weiter an den Profibereich heran. In der vergangenen Saison debütierte er für die Basler U21 in der Promotion League – und traf auch dort sogleich. Mit insgesamt 13 Toren im Nationaldress in den unterschiedlichen Alterskategorien ist Jaiteh der erfolgreichste Torschütze der U19-Nati.



Basile Ogouvide (18)

Ein weiteres YB-Juwel soll hier Erwähnung finden: Innenverteidiger Basile Ogouvide. Der 1,84m grosse Abwehrspieler besticht mit toller Athletik, Geschwindigkeit und spielerischer Klasse. Gemeinsam mit Aurèle Amenda und seinem U19-Nati-Kumpel Leo Buljan ist Ogouvide die nächste hochveranlagte Defensivhoffnung der Young Boys.



Lois Ndema (18)

Genau wie Leny Meyer in Luzern, durfte auch schon Servette-Talent Lois Ndema in der Super League debütieren. Der offensive Mittelfeldspieler bestach in den Genfer Nachwuchsteams jahrelang mit Übersicht, Spielwitz und starker Technik. Seine Qualitäten am Ball und seine athletischen Vorzüge erlauben es ihm auch auf den Seiten eingesetzt zu werden. In der U19-Nati gehört er zum erweiterten Stammpersonal – auch Rizzo wird auf Ndema setzen.