• Emanuel Staub

Die Challenge-League-Entdeckungen des Saisonstarts

In der Challenge-League tummeln sich zahlreiche junge Spieler, die auf eine grosse Karriere hoffen. Einigen von ihnen gelang es im ersten Saisondrittel 2022/23, nachhaltig auf sich aufmerksam zu machen. Fokus auf 6 Challenge-League-Entdeckungen des Saisonstarts.


Jahr für Jahr nutzen talentierte Spieler die Bühne der zweiten Schweizer Liga, um sich für einen Wechsel nach oben aufzudrängen. Auch in der laufenden Spielzeit gibt es so einige Kandidaten, mit denen vor der Saison noch nicht unbedingt zu rechnen war, die sich nun aber mit einer tollen Entwicklung einen Namen gemacht haben. Wer sind die Challenge-League-Entdeckungen der ersten Saisonphase?


Kastrijot Ndau (23): FC Wil

Völlig überraschend steht der FC Wil punktgleich mit Lausanne-Sport an der Tabellenspitze. Die blutjunge Truppe entwickelte sich unter Trainer Brunello Iacopetta von einem letztjährigen Abstiegskandidaten zu einem plötzlichen Bewerber für die Aufstiegsplätze. Eine tragende Rolle im Team rund um Routinier Philipp Muntwiler und U-Nati-Goalie Marvin Keller nimmt der Achter Kastrijot Ndau (23) ein. Bis vor dieser Saison war der schweizerisch-albanische Doppelbürger eher Mitläufer statt Leistungsträger, in gesamthaft 62 Partien gelangen ihm lediglich 4 Vorlagen und kein einziger Treffer – keine berauschende Bilanz.



Doch nun ist Ndau dank einer Leistungsexplosion plötzlich Schlüsselspieler – in 12 Einsätzen registrierte er in dieser Saison bereits stolze 7 Scorerpunkte (2 Tore, 5 Vorlagen) und schoss den FC Wil zuletzt per direkt verwandeltem Freistoss gegen Lausanne-Sport zum Sieg. Technisch versiert, umsichtig und brandgefährlich in der Zone 3: Der frühere FCZ-Junior hat seit Sommer 2022 eine überragende Entwicklung hinter sich und dürfte in dieser Verfassung ein Kandidat auf einen baldigen Transfer nach oben sein.


Teddy Okou (24): Stade-Lausanne-Ouchy

Auch Teddy Okou hat eine fast schon wundersam anmutende Verwandlung hinter sich. Im letzten Winter aus der dritthöchsten französischen Liga zu SLO gewechselt, gehört er mittlerweile zu den aufregendsten Angreifern der Challenge League. Der 1,65m kleine Franzose ist unheimlich agil und spritzig, seine explosiven Läufe mit dem Ball am Fuss und seine freche Spielweise bereiten dem Zuschauer viel Spass. Ouchy verlor im Sommer mit Brighton Labeau seinen besten Stürmer (16 Tore) und schien vor einer schwierigen Saison zu stehen – doch Okou konnte die entstandene Lücke problemlos schliessen.



Nach 13 Partien steht er so bereits bei 8 Toren und 2 Vorlagen – womit er aktuell zweitbester Scorer der gesamten Liga ist. Quasi über Nacht entwickelte sich Okou von einem No-Name zur Lebensversicherung von SLO. Dank seinen Treffern stehen die Waadtländer entgegen aller Vorhersagen aktuell auf dem 3. Tabellenplatz – mit nur einem Punkt Rückstand auf die beiden Erstplatzierten Wil und Lausanne-Sport. Kann er seine aktuelle Trefferquote bis zum 36. Spieltag beibehalten, stünde Okou am Ende der Saison bei ganzen 21 Toren. Unvorstellbar, dass er in dieser Verfassung nicht schon bald zu einem Objekt der Begierde eines Super-Ligisten wird.


Lirik Vishi (21): Yverdon-Sport

Der letztjährige Aufsteiger Yverdon-Sport hat sich in der Challenge League bestens etabliert und steht aktuell in der erweiterten Spitzengruppe. Ein junger Spieler, der im gut geölten Yverdon-Kollektiv besonders hervorsticht, ist der frühere Basel-Junior Lirik Vishi. Der technisch beschlagene, dynamische Flügel bestritt einst drei Einsätze für die 1. Mannschaft des FCB, entschied sich im Sommer aber aufgrund mangelnder Perspektiven zu einem Wechsel in die Westschweiz.



Schon jetzt lässt sich sagen, dass dieser Schritt der richtige war: Vishi hat sich im Eiltempo als Stammspieler festgespielt und übernimmt in der Offensive bereits eine wichtige Rolle. Nach 8 Einsätzen steht der ehemalige Schweizer U20-Nationalspieler bei 5 Scorerpunkten (2 Tore, 3 Vorlagen). Sein Zug zum Tor, seine Unberechenbarkeit und seine Spielfreude machen ihn schon jetzt zu einem wichtigen Puzzlestück in Marco Schällibaums Mannschaft. Vishis Karriere dürfte kaum in Yverdon enden – gut möglich, dass wir ihn schon bald wieder auf einer grösseren Bühne sehen werden.


Tommaso Centinaro (20): AC Bellinzona

Im Tessin ist sein Name schon länger bekannt: Tommaso Centinaro, vielversprechendes Produkt der Nachwuchsarbeit des Team Ticino. Die Transferrechte des Italieners liegen beim lokalen Dominator aus Lugano, doch seit der letzten Saison läuft der zentrale Mittelfeldspieler leihweise für die AC Bellinzona auf. Mit 27 Einsätzen – 24 davon von Beginn an – und 5 Toren leistete Centinaro einen erheblichen Beitrag zum Aufstieg in die Challenge League.



Der Übertritt in die zweithöchste Liga ist ihm problemlos geglückt, auch unter dem neuen Trainer Baldo Raineri ist er im Zentrum gesetzt. Umsichtig, passstark und bissig im Zweikampf – die Qualitäten des 20-Jährigen sind für die AC Bellinzona auch eine Etage höher von grossem Wert. Beim furiosen 5:1-Sieg gegen den FC Wil erzielte Centinaro jüngst seinen Premierentreffer in der Challenge League. Entwickelt er sich in diesem Tempo weiter, könnte er schon in der kommenden Saison eine Rolle beim FC Lugano übernehmen.


Ryan Fosso (20): FC Vaduz

Der FC Vaduz erlebt eine kuriose Saison: Höhenflug im Europapokal inklusive Qualifikation für die Gruppenphase der Conference League auf der einen Seite, Sieglosigkeit bis Mitte Oktober und Tabellenkeller in der Challenge League auf der anderen Seite. Eine der wenigen Konstanten in diesen verrückten Monaten: Ryan Fosso. Der 20-Jährige ist eine fixe Grösse im Mittelfeldzentrum und steht praktisch immer auf dem Rasen. Fosso wurde im Sommer aus dem YB-Nachwuchs ins Ländle gelotst, Trainer Alessandro Mangiarratti arbeitete mit ihm bereits in Bern zusammen und wollte ihn unbedingt für den FC Vaduz gewinnen. Bereits kurze Zeit später lässt sich erkennen, weshalb.



Fosso ist ein energetischer, sehr dynamischer Achter mit viel Spielfreude und Drive. Daneben überzeugt er auch als entschlossener, aggressiver Zweikämpfer (hie und da noch etwas übereifrig, wettbewerbsübergreifend bereits sieben gelbe und eine gelb-rote Karte) und als guter Aufbauer aus der Tiefe. Diese interessante Kombination aus Explosivität, Zweikampfstärke und Kreativität macht Fosso zu einem äusserst belebenden Element im Vaduzer Kader. Auch in der Conference League wirkt Fosso alles andere als fehl am Platz und spielt frech und erfrischend auf. Gut möglich, dass ihm U21-Nati-Coach Patrick Rahmen nicht zuletzt dank seinen starken internationalen Auftritten im neuen Jahr eine Chance erteilen wird.


Ashvin Balaruban (21): Neuchâtel Xamax

Xamax erlebt bis dato eine Horror-Saison und steht abgeschlagen am Tabellenende. Trotz der sportlich prekären Situation konnte aber ein junger Spieler auf sich aufmerksam machen: Der talentierte Linksverteidiger Ashvin Balaruban. Der frühere Schweizer Juniorennationalspieler entstammt dem Nachwuchs des FC Luzern und absolvierte für die 1. Mannschaft der Innerschweizer zwischen 2020 und 2021 9 Einsätze. In der letzten Spielzeit war er an den SC Kriens ausgeliehen, wo er in einer Alptraum-Saison, die bekanntlich im Abstieg endete, als einer der wenigen Lichtblicke auftrumpfen konnte.



Seine guten Leistungen in Kriens veranlassten Xamax in diesem Sommer, den 21-Jährigen mit einem Vertrag bis 2024 auszustatten. Ein Entscheid, den man in Neuenburg nicht bereuen wird: In Windeseile steigt Balaruban hinten links zum Stammspieler auf und begeistert das Publikum auf der Maladière mit seiner Geschwindigkeit, seiner Stärke im Eins gegen Eins und seinem Vorwärtsdrang. Seine beschwingten Läufe auf der linken Seite sorgen beim Gegner für viel Unruhe und können jederzeit zu gefährlichen Situationen führen. Für die Schweiz, die nicht gerade mit einem Übermass an talentierten Linksverteidigern gesegnet ist, kommt ein entwicklungsfähiger Spieler wie Balaruban gerade recht. Sein Name sollte man sich für die Zukunft merken.