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Das grosse Ranking der Schweizer Talente – Zentrales Mittelfeld

Aktualisiert: 11. Apr.

Die Bolzplazz-Redaktion widmet sich einem neuen Projekt: In Zusammenarbeit mit professionellen Scouts und Agenten kategorisieren wir die besten Schweizer Talente.


Das Ranking berücksichtigt sämtliche Spieler mit Schweizer Pass, die nach 2000 geboren wurden und bereits im Profifussball zum Einsatz gekommen sind. Für die Kategorisierung von Bedeutung sind zwei verschiedene Komponenten: Einerseits die individuelle Leistung des Spielers in der aktuellen Saison, andererseits dessen Potential. Eingeteilt werden die Talente in drei verschiedene Qualitätsklassen:

  • Gold: Herausragende Leistungen, Potential zu internationaler Klasse

  • Silber: Gute Leistungen, Potential zu überdurchschnittlicher Klasse

  • Bronze: Solide Leistungen, Potential für eine gute Entwicklung

In den kommenden Wochen gehen wir Position für Position durch. Heute im Fokus: Das zentrale Mittelfeld. Talentierte Spieler, die es knapp nicht ins Ranking geschafft haben, führen wir in der Einzelkategorie Radar auf.


4) Zentrales Mittelfeld

Die Schweiz brachte in jüngerer Vergangenheit zahlreiche zentrale Mittelfeldspieler internationaler Klasse hervor: Gökhan Inler, Valon Behrami, Blerim Dzemaili, Granit Xhaka, Remo Freuler, Denis Zakaria oder Djibril Sow wären da etwa zu nennen. Auch die nächste Generation wartet mit so einigen vielversprechend Gesichtern auf…



Gold


1) Fabian Rieder (20): BSC Young Boys

Logisch: YB-Juwel Fabian Rieder bekleidet den 1. Rang. Er bringt alles mit für eine grosse Karriere: Technische Klasse, Spielintelligenz, Übersicht und eine unglaubliche Reife. Mit 20 Jahren ist Rieder im Zentrum des Meisters die treibende Kraft und nach dem Abgang Michel Aebischers unverzichtbar. Wettbewerbsübergreifend gelangen ihm in dieser Saison für YB und die U21-Nati bereits 17 Scorerpunkte (6 Tore, 11 Vorlagen) – ein überragender Wert. Darunter auch ein Traumtor im Old Trafford gegen Manchester United. Kein Wunder, dass ihn bereits internationale Grossklubs wie Real Madrid und Atalanta Bergamo gescoutet haben sollen. Bleibt er von grösseren Verletzungen verschont, kann er das „Next Big Thing“ werden.


Silber


1) Simon Sohm (21): Parma

Simon Sohm wurde lange eine grosse Zukunft vorausgesagt: Der defensive Mittelfeldspieler war mit 18 Jahren Stammspieler in der Super League beim FCZ und gab bereits mit 19 Jahren sein Debüt in der A-Nati. Seit seinem Wechsel zu Parma im Sommer 2020 wurde sein rasanter Aufstieg aber gestoppt, in Italien musste er nämlich plötzlich um seinen Platz kämpfen und erlebte eine sportlich schwierige 1. Saison, die im Abstieg endete. Dennoch: Sohm ist physisch robust, ball- und passsicher und taktisch reif. In der U21-Nati bekleidet er zudem eine Schlüsselrolle. Er hat alles, um gross rauszukommen. Wichtig ist nun, dass er sich bei Parma endlich zum unentbehrlichen Stammspieler mausert – oder aber im Sommer einen neuen Weg einschlägt.


2) Alexandre Jankewitz (20): FC St.Gallen

Jankewitz ist ein spektakulärer Mittelfeldspieler: Er strahlt eine rohe Dynamik aus, ist explosiv und zweikampfstark, trickreich und beweglich. Diese Attribute erlauben es ihm, verschiedene Rollen auszufüllen: Jankewitz glänzt einerseits als kompromissloser Balleroberer und Abfangjäger, funktioniert aber auch als frecher, dribbelstarker Antreiber und Spielgestalter. Der gebürtige Genfer wechselte im Alter von 16 Jahren in den Nachwuchs des FC Southampton. Im letzten Sommer kehrte Jankewitz in die Schweiz zurück und unterschrieb beim BSC Young Boys, von wo aus er nach einer enttäuschenden Hinrunde leihweise zum FCSG weiterzog. Das Ostschweizer Publikum hat den U21-Nationalspieler für seinen aufopferungsvollen Spielstil sogleich ins Herz geschlossen. In der neuen Saison dürfte ihm eine Rolle im Dispositiv des entthronten Meisters zukommen. Wird er YB mit seiner Energie zurück an die Spitze führen?


3) Gabriel Barès (21): Montpellier HSC

Gabriel Barès bringt ebenfalls einiges mit: Der grossgewachsene, elegante Achter besticht mit sicherem Passspiel, technischer Klasse und guter Übersicht. Ausgebildet wurde er im Nachwuchs von Lausanne-Sport, in der letzten Spielzeit eroberte er sich einen Stammplatz unter Giorgio Contini und schaffte den Sprung in die Schweizer U21-Nati. Mit dem Rausschmiss Continis schmolz Barès' Einsatzzeit aber drastisch. In der laufenden Saison stand er zum Unverständnis vieler nur noch einmal in der Startaufstellung. Im Winter nahm er daher eine neue Herausforderung an: Der französische Verein Montpellier griff zu und stattete den 1,87m grossen Mittelfeldmann mit einem langfristigen Vertrag aus. Noch wartet Barès auf sein Debüt in der Ligue 1, stand aber bereits sechsmal im Spieltagskader. Kann er sich in Frankreich durchsetzen, dürfte Lausanne seinen Abgang noch bereuen.



4) Ardon Jashari (19): FC Luzern

Aus dem Nichts ist Ardon Jashari zu einer tragenden Kraft in der Super League geworden: Der neue FCL-Coach Mario Frick beförderte das Eigengewächs im Januar aus der U21 in die erste Mannschaft, stellte ihn zum Rückrundenauftakt gegen Basel gleich in die Startelf und nahm ihn seither nicht mehr raus. Jashari ist im defensiven Mittelfeld zuhause, von wo aus er als technisch versierter und überaus passsicherer Ballverteiler die Fäden zieht. Seine präzisen Diagonalbälle und seine perfekt getimten Steilpässe sind ein Augenschmaus – der frischgebackene U21-Nationalspieler dürfte nicht allzu lange in der Innerschweiz bleiben.



5) Bledian Krasniqi (20): FC Zürich

Bledian Krasniqi erlebt traumhafte Monate mit seinem Kindheitsverein FCZ: Seit er im letzten Sommer von einer zweijährigen Ausleihe aus Wil zurückgekehrt ist, gehört er zum erweiterten Stammpersonal und steuert in seiner ersten ganzen Super-League-Saison auf den Meistertitel zu. Krasniqi ist ein kreativer, dribbelstarker Mittelfeldspieler, der viel Flair und ein gewisses Überraschungsmoment mitbringt: Technisch hochstehende Einzelaktionen, feine Lupfer oder Dribblings auf engstem Raum gehören zu seinem Repertoire. Auch defensiv überzeugt Krasniqi, mit viel Biss und Herzblut geht er keinem Duell aus dem Weg und hat so auch immer wieder als Balleroberer Erfolg. Keine Frage: Der FCZ-Youngster dürfte langfristig zu einer Grösse im Team werden – und früher oder später auch interessant für Klubs aus dem Ausland sein.



Bronze


1) Mischa Eberhard (20): Yverdon-Sport

Mischa Eberhard gehört zu den Entdeckungen dieser Challenge-League-Saison. Der gebürtige Solothurner wechselte im Sommer leihweise aus dem Nachwuchs der Young Boys zum Aufsteiger Yverdon-Sport. Im Waadtland setzte sich der 19-Jährige sogleich als Stammspieler fest und begeistert das Publikum mit seinen Spielmacherqualitäten. Aus tiefer Position zieht er mit perfekten Zuspielen und technischer Klasse das Spiel seiner Mannschaft auf und tritt zudem auch immer wieder als brandgefährlicher Standard-Schütze in Erscheinung. Der U20-Nationalspieler dürfte in der kommenden Saison eine Rolle bei YB übernehmen – und könnte dort einen ähnlichen Weg wie Fabian Rieder einschlagen.



2) Liam Chipperfield (18): FC Basel

Seit dem 13. März ist Liam Chipperfield in Basel bereits fast so beliebt wie sein Vater und FCB-Legende Scott. Im Heimspiel gegen Servette erlöste er das Publikum nur wenige Minuten nach seiner Einwechslung mit dem wichtigen Führungstor – sein 1. als Profi. Chipperfield hat alles, um beim FCB das nächste Eigengewächs nach Shaqiri, Xhaka, Embolo oder Cömert zu werden, das eine erfolgreiche Karriere lanciert. Ihn auf eine fixe Position festzunageln, fällt schwer. Am besten aufgehoben in unserem Ranking ist er wohl in dieser ZM-Kategorie, tatsächlich kann er im zentralen und offensiven Bereich aber fast jede Rolle bekleiden. Chipperfield wartet mit viel Ballgefühl, tollem Spielverständnis und einer abgezockten Spielweise auf. Gut möglich, dass ihm schon in der neuen Saison ein wichtiger Platz im Basler Kollektiv zuteil wird.


3) Nathan Wicht (18): TSV 1860 München

Ein hierzulande noch gänzlich unbekannter Spieler wächst in Deutschland heran: Der erst 18-jährige Nathan Wicht durchläuft seit 2016 die Nachwuchsabteilung des traditionsreichen TSV 1860 München. Im vergangenen Sommer gab er sein Debüt bei den Profis in der 3. Liga und gehört seit September dem Kader der Schweizer U18-Auswahl an. Der gebürtige Zürcher ist ein technisch versierter, athletischer Mittelfeldspieler mit gutem Auge und hoher Spielintelligenz. Die Münchner halten grosse Stücke auf Wicht: Nicht nur war er vor seiner Beförderung in die 1. Mannschaft Kapitän des U17-Teams, die Verantwortlichen statteten ihn auch mit einem langfristigen Vertrag aus und binden ihn nun immer stärker bei den Profis ein. Gelingt ihm in der 3. Liga der Durchbruch, dürfte er auch in der Schweiz nicht mehr lange ein unbeschriebenes Blatt sein.


4) Silvan Schwegler (18): FC Aarau

Silvan Schwegler hat ebenfalls in jungem Alter den Schritt zu den Profis gepackt: Mit 16 Jahren feierte er sein Debüt in der Challenge League für seinen Heimatverein FC Aarau, mittlerweile gehört er zum erweiterten Stammpersonal. Schwegler hat ein ungemein spannendes Profil und wird dank seinem fortschrittlichen Spielverständnis, seiner tollen Übersicht und seiner hervorragenden Technik zu den grössten Rohdiamanten des Schweizer Unterhauses gezählt. Der frischgebackene U20-Nationalspieler erhält viele Vorschusslorbeeren von allen Seiten – kann er diesen auch nur teilweise gerecht werden, blüht ihm eine erfolgreiche Karriere, die ihn eher früher als später in die Super League und darüber hinaus führen wird.


5) Nicky Beloko (22): Neuchâtel Xamax

Nicky Beloko fliegt in der Deutschschweiz noch etwas unter dem Radar, dabei gehört er seit über einem Jahr zu den aufregendsten Akteuren im Kader von Xamax. Der schweizerisch-kamerunische Doppelbürger hat eine kleine Odyssee hinter sich: 2018 wechselte er aus dem Nachwuchs des FC Sion zur AC Florenz, nach einer Ausleihe zum belgischen Verein KAA Gent kehrte er im letzten Winter in die Heimat zurück und schloss sich den Neuenburgern an. Beloko ist ein defensiver Mittelfeldspieler mit viel Durchschlagskraft und Drive, seine Dynamik und seine rohe körperliche Power helfen ihm sowohl als Zerstörer, als auch als offensiv denkender Antreiber. Beloko wurde für seine starken Leistungen jüngst mit einem Anruf von Mauro Lustrinelli belohnt, der ihn erstmals für die Abruf-Liste der Schweizer U21 berücksichtigte.


6) Adrian Durrer (20): FC Lugano

Etwas überraschend wechselte Adrian Durrer in diesem Winter vom FCB-Campus ins Tessin. Beim FC Lugano soll er langfristig zum Nachfolger der beiden defensiven Mittelfeldspieler Olivier Custodio und Jonathan Sabbatini aufgebaut werden. Durrer hat eine beeindruckende körperliche Erscheinung, mit einer Körpergrösse von 1,88m und kräftigem Oberkörper versperrt er den gegnerischen Angreifern den Weg. Seine Stärken liegen daher naturgemäss im Defensivbereich. Doch auch mit dem Ball am Fuss weiss Durrer so einiges anzufangen. Beim FC Basel reichte es erstaunlicherweise nur zu einem einzigen Super-League-Einsatz – bei dem er mit einem satten Schuss aus dem Hinterhalt auch sogleich seinen Debüt-Treffer im Profifussball feierte. Nun ist er Teil des vielversprechenden Lugano-Projektes – gut möglich, dass sein Abgang den FCB noch reuen wird.


7) Dion Kacuri (18): Grasshopper Club Zürich

Dion Kacuri ist so etwas wie die neuste GC-Nachwuchshoffnung. Der spielfreudige, vielseitige Mittelfeldspieler gehört seit letztem Herbst regelmässig zum Spieltagskader der Hoppers, in dieser Saison stehen bereits 8 Super-League-Einsätze zu Buche. Dass er sich trotz starker ausländischer Konkurrenz in der personell aufgeblasenen Mannschaft des Rekordmeisters behaupten kann, spricht für seine grossen Qualitäten. Der Schweizer U18-Nationalspieler könnte schon bald zu einer festen Grösse im Team aufsteigen und der Fanbase als waschechter Hopper als dringend benötigte Identifikationsfigur dienen. Sein grosses Talent lässt Kacuri bei seinen Kurzeinsätzen mit edler Ballbehandlung, feinen Zuspielen und guten Bewegungen immer wieder aufblitzen. Von ihm dürfte man in naher Zukunft noch einiges hören...



Radar:


  • Leorat Bega (18): FC Wil


  • David Mistrafovic (20): SC Kriens


  • Yannick Marchand (22): Neuchâtel Xamax


  • Stéphane Cueni (21): Stade-Lausanne-Ouchy


  • Noah Rupp (18): FC Luzern


  • Fabio Saiz (21): Neuchâtel Xamax


  • Nassim Zoukit (20): Lausanne-Sport


  • Sidiki Camara (19): Servette FC


  • Miguel Reichmuth (18): FC Zürich


  • Adriatik Salihi (17): Servette FC


  • Kristian Sekularac (18): Juventus Turin