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Das grosse Ranking der Schweizer Talente – Torhüter

Aktualisiert: 16. März

Die Bolzplazz-Redaktion widmet sich einem neuen Projekt: In Zusammenarbeit mit professionellen Scouts und Agenten kategorisieren wir die besten Schweizer Talente.


Das Ranking berücksichtigt sämtliche Spieler mit Schweizer Pass, die nach 2000 geboren wurden und bereits im Profifussball zum Einsatz gekommen sind. Für die Kategorisierung von Bedeutung sind zwei verschiedene Komponenten: Einerseits die individuelle Leistung des Spielers in der aktuellen Saison, andererseits dessen Potential. Eingeteilt werden die Talente in drei verschiedene Qualitätsklassen:

  • Gold: Herausragende Leistungen, Potential zu internationaler Klasse

  • Silber: Gute Leistungen, Potential zu überdurchschnittlicher Klasse

  • Bronze: Solide Leistungen, Potential für eine gute Entwicklung

In den kommenden Wochen gehen wir Position für Position durch, angefangen bei den Torhütern in dieser Ausgabe. Talentierte Spieler, die es knapp nicht ins Ranking geschafft haben, führen wir in der Einzelkategorie Radar auf.


1) Torhüter


Die Schweiz ist eine Torhüter-Nation. Kaum ein Land dieser Grösse kann auf ein solches Reservoir an qualitativ starken Keepern zurückgreifen. Sommer, Kobel, Bürki, Omlin, Mvogo, Hitz, von Ballmoos oder Köhn – die Schweizer Torhüterschule bringt regelmässig Spieler hervor, die international zur Spitze gehören. Doch wie sieht die Situation im Nachwuchs aus? Ist die Nachfolge von Sommer und co. gesichert, oder reisst der Strom an überdurchschnittlichen Goalies ab? Auf diese Frage wollen wir mit unserem Ranking der besten Schweizer Torhüter ab Jahrgang 2000 Aufschluss geben.


Gold


Eine Überraschung gleich zu Beginn: Kein einziger Schweizer Nachwuchsgoalie hat es in unserem Ranking in die höchste Talentklasse geschafft. Um in der Gold-Kategorie zu landen, muss Potential zu internationaler Klasse vorhanden sein – ein Gütesiegel, das wir aktuell (noch) keinem Schweizer U21-Torwart attestieren. Am nächsten dran war Lugano-Keeper Amir Saipi (21), der sich in dieser Saison mit guten Leistungen in der Super League in den Fokus gespielt hat. Per se dramatisch ist die Lage aber nicht. In der Schweiz tummeln sich viele interessante Torhüter, die bis dato einfach zu wenig Gelegenheit erhalten haben, ihr Talent regelmässig im Profifussball zu zeigen. Erobert sich ein junger Keeper einmal den Stammplatz, kann es sehr schnell gehen – das Beispiel Saipi unterstreicht das.


Silber


1) Amir Saipi (21): FC Lugano

U21-Nationalkeeper Amir Saipi wechselte im letzten Sommer von Schaffhausen zum FC Lugano. Der 1,94m grosse Schlussmann ist reflexstark, gut mit dem Ball am Fuss und in der Spieleröffnung. Dass er sich im Tessin auf Anhieb gegen den gestandenen Super-League-Torwart Noam Baumann durchsetzen konnte und zum unbestrittenen Stammgoalie aufstieg, beweist was für ein grosses Potential in ihm steckt. Mattia Croci-Torti und Mauro Lustrinelli vertrauen ihm blind, seine Leistungen in dieser Saison sprechen für sich. Zu seinem Debüt in Schaffhausen verholfen hat ihm übrigens einst ein gewisser Murat Yakin. Entwickelt er sich weiter so gut, dürfte Saipi in naher Zukunft in der Gold-Kategorie aufgeführt werden.


Vor der Saison haben wir Saipi zum Interview getroffen. Link dazu hier: https://www.bolzplazz.com/post/nationalspieler-ein-traum-f%C3%BCr-jeden-junior-interview-mit-u21-nati-keeper-amir-saipi


2) Justin Hammel (21): Stade-Lausanne-Ouchy

Justin Hammel wechselte im Sommer 2020 aus dem Nachwuchs des FC Basel in die Challenge League. Innerhalb eines halben Jahres eroberte er sich den Startplatz zwischen den Pfosten des ambitionierten Stade-Lausanne-Ouchy und schaffte den Sprung in die U21-Nati, wo er hinter Saipi als Nummer 2 gesetzt ist. Hammel ist ein moderner Keeper: Technisch stark, schnell, gute Reflexe. Gemäss der Statistikplattform wyscout ist der Basler der reflexstärkste Keeper der Challenge League mit fast 70% erfolgreichen Reflex-Abwehraktionen. In seiner Juniorenzeit hatte Hammel mit grossem Verletzungspech zu kämpfen, inklusive dreier Hüftoperationen. Nun hat er sich im Profifussball durchgesetzt und dürfte trotz seiner Körpergrösse von "nur" 1,85m eine erfolgreiche Laufbahn haben.


3) Marvin Keller (19): FC Wil

Marvin Keller gehört in der Challenge League zu den Entdeckungen dieser Saison. Der FC Wil schnappte sich den U19-Nati-Goalie aus der U21-Abteilung der Grasshoppers und stattete ihn mit einem Vertrag bis 2023 aus. In der Ostschweiz hat sich Keller sogleich als Nachfolger von Salzburg-Keeper Philipp Köhn als Nummer 1 etabliert und gefällt mit starken Leistungen. Dem 1,87m grossen Schlussmann gelingen pro 90 Minuten im Schnitt 3,55 Saves – zweitbester Wert der Liga. Keller besitzt gutes Timing und eine tolle Sprungkraft, dazu kommt ein proaktiver, mutiger Spielstil. Der Aargauer hat sich im Alter von 19 Jahren bereits im Aktivfussball durchgesetzt und seine Entwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen.


Bronze


1) Edin Omeragic (19): Servette FC

Edin Omeragic, Cousin von FCZ-Überflieger Becir, ist in dieser Saison bei seinem Heimatverein Servette zur Nummer 2 hinter Jérémy Frick aufgestiegen. Der 1,95m grosse Torwart feierte im Herbst sein Debüt im Profifussball, fing sich dabei aber gleich 6 Gegentore gegen die Young Boys. Dem Albtraumstart zum Trotz vertraute Geiger weiter in die Qualitäten des 19-Jährigen und liess ihn in zwei weiteren Super-League-Partien von Beginn an ran. Dabei wirkte Omeragic zunehmend souveräner, dank seiner Grösse und Präsenz überzeugt er in der Strafraumbeherrschung und auf der Linie. Der junge Genfer, der in der U15 zum Schweizer Nationalteam gehörte, wird von Spiel zu Spiel besser und könnte dereinst einmal die Nachfolge von Frick im Gehäuse der Grenats antreten.


2) Leandro Zbinden (19): BSC Young Boys

Aus dem Nichts stand Leandro Zbinden im letzten Dezember im Fokus der Öffentlichkeit: Nominell als Nummer 3 eingeplant, wurde der YB-Nachwuchsspieler von David Wagner im Spitzenkampf gegen den FC Basel plötzlich ins kalte Wasser geworfen. Als Vertreter der verletzten Stammgoalies David von Ballmoos und Guillaume Faivre machte der schweizerisch-brasilianische Doppelbürger einen sehr guten Job. Zbinden beeindruckte durch seine Coolness, der Youngster liess sich keinerlei Nervosität anmerken und löste seinen Auftrag souverän. Sicher in der Luft und am Ball, schnell am Boden und gute Reflexe: Zbinden hat ein tolles Gesamtpaket und wird in der Super League über kurz oder lang seine Spuren hinterlassen.



Radar

  • Stijn Keller (21): Almere City


  • Joschua Neuenschwander (21): Kriens


  • Abdullah Laidani (18): BSC Young Boys


  • Nicholas Ammeter (21): FC Aarau


  • Raphael Radtke (20): Buochs / FC Luzern


  • Nils de Mol (20): FC Wil


  • Armin Abaz (19): FC St.Gallen


  • Nicolas Glaus (19): VfB Stuttgart