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Das grosse Ranking der Schweizer Talente – Innenverteidiger

Die Bolzplazz-Redaktion widmet sich einem neuen Projekt: In Zusammenarbeit mit professionellen Scouts und Agenten kategorisieren wir die besten Schweizer Talente.


Das Ranking berücksichtigt sämtliche Spieler mit Schweizer Pass, die nach 2000 geboren wurden und bereits im Profifussball zum Einsatz gekommen sind. Für die Kategorisierung von Bedeutung sind zwei verschiedene Komponenten: Einerseits die individuelle Leistung des Spielers in der aktuellen Saison, andererseits dessen Potential. Eingeteilt werden die Talente in drei verschiedene Qualitätsklassen:

  • Gold: Herausragende Leistungen, Potential zu internationaler Klasse

  • Silber: Gute Leistungen, Potential zu überdurchschnittlicher Klasse

  • Bronze: Solide Leistungen, Potential für eine gute Entwicklung

In den kommenden Wochen gehen wir Position für Position durch, angefangen bei den Torhütern in dieser Ausgabe. Talentierte Spieler, die es knapp nicht ins Ranking geschafft haben, führen wir in der Einzelkategorie Radar auf.


2) Innenverteidiger


Eines vorweg: Probleme im Abwehrzentrum dürfte die Schweiz in den nächsten Jahren keine bekommen. Kaum eine Position ist derart stark besetzt und mit so viel nachstossendem Talent gesegnet wie die Innenverteidigung. Schon jetzt kann die Schweizer A-Nationalmannschaft auf Verteidiger von internationalem Top-Niveau zurückgreifen: Manuel Akanji, Nico Elvedi oder Fabian Schär haben auf höchstem Level ihre Sporen abverdient und bewiesen, dass die Schweiz über eine goldene Generation an Innenverteidigern verfügt. Angesichts der schieren Menge an vielversprechenden Spielern, die dereinst einmal in ihre Fussstapfen treten dürften, steht der Nati womöglich eine noch glänzendere Zukunft in Sachen Innenverteidigern bevor...


Gold


1) Becir Omeragic (20): FC Zürich

Becir Omeragic ist vor allem eines: Extrem gut. Mit 20 Jahren ist er Abwehrchef beim Tabellenführer FC Zürich, tritt erfrischend und fehlerlos auf, darf sich 4-facher A-Nationalspieler nennen und gilt als millionenschwere Wertanlage. Der gebürtige Genfer bringt ein bei Innenverteidigern selten gesehenes Flair mit, er ist technisch brilliant, schlägt herausragende Pässe und dribbelt mit dem Ball in den Füssen gerne bis in die gegnerische Zone. Defensiv überzeugt Omeragic mit konsequentem, geschicktem Zweikampfverhalten, gutem Tempo und Stellungsspiel. Wird er von Verletzungen verschont, könnte er eine Weltkarriere hinlegen. Im nächsten Sommer wird er für den FCZ kaum zu halten sein, u.a. Borussia Dortmund und AC Milan sollen sich mit ihm beschäftigen.


2) Leonidas Stergiou (20): FC St.Gallen

Sky is the limit. Das gilt auch für Leonidas Stergiou. Der Captain der Schweizer U21-Nati kommt im zarten Alter von 20 Jahren bereits auf über 100 Einsätze für seinen Jugendklub FC St.Gallen, wo er nicht nur Publikumsliebling und Abwehrpatron, sondern auch Identifikationsfigur. ist Trotz der für einen Innenverteidiger geringen Körpergrösse von nur 1,81m besitzt Stergiou kaum Schwachstellen: Er ist clever, technisch beschlagen, passsicher und überzeugt mit herausragendem Positionsspiel und Antizipationsvermögen. Eine seiner weiteren grossen Stärken liegt im athletischen Bereich: Stergiou ist unglaublich schnell, ihm davonzulaufen ist fast unmöglich. Sein Weg wird ihn über kurz oder lang in die A-Nati und in eine grosse Liga führen, wahrscheinlich bereits in diesem Jahr.


3) Bryan Okoh (18): RB Salzburg

Bryan Okoh bringt das vielleicht beste Gesamtpaket aller in der Gold-Kategorie aufgeführten Spieler mit – und ist trotzdem noch nicht vielen Fans ein Begriff. Der 18-Jährige wechselte 2019 aus dem Nachwuchs von Lausanne-Sport zu Red Bull Salzburg, wo er sich im Eiltempo in die 1. Mannschaft gespielt hat. Okoh ist alles, was man sich von einem modernen Innenverteidiger erhofft: Schnell, robust, zweikampf- und kopfballstark, technisch versiert und mit einer tollen Fähigkeit zur Spieleröffnung gesegnet. Die Liste könnte noch beliebig weitergeführt werden, doch die Message sollte bereits angekommen sein: Okoh ist ein Toptalent. Das wird durch ein sehr seltenes Attribut weiter unterstrichen: Seine Beidfüssigkeit. Links oder rechts, das spielt Okoh keine Rolle. Im letzten Herbst bot ihn Murat Yakin überraschend in die Nati auf, womit auch klar ist: Der Nationaltrainer hat für das Juwel einen klaren Plan im Kopf. Vorerst bleibt dieser aber noch in der Schublade. Okoh riss sich das Kreuzband und wird noch monatelang fehlen. An seinem unheimlich grossen Potential kann aber auch die schwere Verletzung nichts ändern.


Silber


1) Marco Burch (21): FC Luzern

In der Super League gibt es hinter Omeragic und Stergiou ein drittes hochveranlagtes Innenverteidiger-Talent. Die Rede ist von Marco Burch, der den Sprung in die Gold-Kategorie nur knapp verpasst hat. Der Obwaldner ist in der FCL-Defensive unbestrittener Stammspieler und trug in dieser Rückrunde bereits sechs Mal die Kapitänsbinde. Auch in der U21-Nati ist Burch gesetzt und gefällt sowohl im Klub, wie auch auf internationaler Bühne mit hoher Konstanz, Coolness und Spielintelligenz. Burch ist schnell, ballsicher und mit einem guten Gespür für Räume ausgestattet. Seit Mario Frick in Luzern das Ruder übernommen hat, hat Burch bei Standards seine offensive Gefährlichkeit entdeckt. 2 Treffer gelangen ihm bereits in dieser Rückrunde. Auch für ihn gilt: Eine grosse Karriere im Ausland und die A-Nati sind realistische Ziele.


2) Aurèle Amenda (18): BSC Young Boys

Für viele vielleicht etwas überraschend, hat es mit Aurèle Amenda ein sehr unerfahrener Youngster im Ranking weit nach oben geschafft. Das YB-Eigengewächs, zuletzt Kapitän der U19-Nati, gilt von seinen Anlagen her als das nächste grosse Ding in Bern. Seit dieser Rückrunde zählt der 18-Jährige zur 1. Mannschaft des Schweizer Meisters. Amendas offensichtlichsten Stärken liegen im physischen Bereich: Dank einer Körpergrösse von 1,94m, kräftigem Oberkörper einer erstaunlichen Agilität, bringt er hervorragende körperliche Anlagen mit. Seine schiere physische Stärke, kombiniert mit geschmeidigen Bewegungen, hoher Spielintelligenz und einer guten Spieleröffnung, verleihen ihm ein aufregendes Gesamtpaket. Amenda dürfte dereinst nicht nur zum Stammspieler in der YB-Defensive reifen, sondern bei steter Weiterentwicklung auch eine Karriere im Ausland anstreben.


Mehr zu Amenda: Swiss Talent Watch.


3) Albian Hajdari (18): FC Basel

Auch der FC Basel besitzt ein Abwehr-Juwel: Albian Hajdari ist in diesem Winter nach einem halben Jahr im Nachwuchs von Juventus Turin zu seinem Stammverein zurückgekehrt. Der 1,89m grosse Innenverteidiger durchlief seit der U15 sämtliche Schweizer U-Nationalmannschaften und gehörte im letzten Jahr sogar bereits zum Kader der U21-Auswahl. Auf ausserordentlich viele Einsätze kann Hajdari für die 1. Mannschaft des FCB aber noch nicht zurückblicken, insgesamt steht er erst bei deren 9. Dass er das Potential besitzt, eines Tages das Zepter in der FCB-Defensive zu übernehmen, ist unbestritten: Hajdari ist zweikampfstark, sicher im Stellungsspiel, reaktionsschnell und technisch sauber. Hinzu kommen eine tolle Spielübersicht und die Fähigkeit, punktgenaue öffnende Pässe zu spielen. Ohne Zweifel gehört er zu den grössten Verteidigertalenten des Landes.


4) Nicolas Vouilloz (20): Servette FC

Nicolas Vouilloz hat in dieser Saison eine beachtliche Entwicklung hingelegt. Das Genfer Eigengewächs hat sich einen Stammplatz erobert und Routinier Steve Rouiller den Rang abgelaufen. Dazu hat er den Sprung in die U21-Nati geschafft, wo er hinter Stergiou, Omeragic und Burch als Verteidiger Nummer 4 bereits 3 Einsätze absolviert hat. In der Super League überzeugt der 20-Jährige durch gutes Positionsspiel, konsequentes Zweikampfverhalten und gutes Tempo. Ähnlich wie Stergiou, verkörpert auch Vouilloz mit "nur" 1,84m Körpergrösse einen dynamischen, beweglichen Innenverteidiger-Typus und ist kein klassischer Abräumer. Seine positive Entwicklung, gerade auch mit dem Ball am Fuss sind stete Fortschritte zu erkennen, dürfte ihn dereinst über die Grenze führen.


Bronze


1) Anel Husic (21): Lausanne-Sport

In einer Horror-Saison gehört Anel Husic zu den wenigen erfreulichen Geschichten, die in diesem Jahr in Lausanne geschrieben werden. Als Produkt der exzellenten Nachwuchsarbeit des Team Vaud, wurde Husic im vergangenen Sommer in die 1. Mannschaft hochgezogen und eroberte sich rasch einen Stammplatz. Bei seinem Super-League-Debüt gelang ihm sogleich sein Premieren-Treffer im Profifussball. Der 1,90m grosse Abwehrspieler schaffte dank seinen starken Leistungen im Herbst den Schritt in die Schweizer U21-Nati, davor war er nie für eine Auswahl des SFV berücksichtigt worden. Husic ist in der Defensive polyvalent einsetzbar, der Linksfüsser kann zentral und auf der linken Seite verteidigen. Egal wo er aufgestellt wird: Husic gefällt mit Biss, Kampfkraft und Zweikampfhärte.


2) Jan Kronig (21): FC Aarau

Jan Kronig ist einer von nur drei Challenge-League-Verteidigern, die es in unser Ranking geschafft haben. Ähnlich wie Husic, ist auch der ehemalige YB-Junior kein reiner Innenverteidiger. Zwar wurde er auf dieser Position ausgebildet, kommt aber mittlerweile beim FC Aarau und in der U21-Nationalmannschaft vorwiegend als Linksverteidiger zum Einsatz. Der 21-Jährige ist athletisch, körperlich robust, technisch gut und clever in Duellen. Beim FCA ist Kronig zum Schlüsselspieler in der Defensive aufgestiegen und ist mit konstanten Leistungen mitverantwortlich dafür, dass die Aarauer von der Spitze der Tabelle grüssen.


3) Roggerio Nyakossi (18): Servette FC

Ein spannendes, wenn auch noch sehr unbekanntes Talent reift aktuell in Genf heran: Roggerio Nyakossi gehört seit letztem Sommer zum Kader der 1. Mannschaft von Alain Geiger. Der Schweizer U-18-Internationale besitzt ähnlich wie Aurèle Amenda eine beeindruckende Physis, die ihm im Nachwuchsbereich in Duellen mit Gleichaltrigen stets die Oberhand verlieh. Nyakossi misst stolze 1,94m, ist in der Luft und am Boden eine Wucht. Der 18-Jährige besitzt zudem ein gutes Tempo und gute Ballverteilerfähigkeiten, dank denen er auch im defensiven Mittelfeld vor der Abwehr eingesetzt werden kann. Nyakossi dürfte in naher Zukunft ein echter Faktor in der Servette-Abwehr werden, seine Weiterentwicklung gilt es ganz genau zu verfolgen.


4) Serge Müller (21): FC Schaffhausen

Serge Müller spielt beim FC Schaffhausen bereits seine 3. Saison als unbestrittener Stammspieler. Förderer Murat Yakin lotste ihn 2019 aus dem Nachwuchs der Grasshoppers in die Munotstadt, wo er seither zu einem echten Leader und Schlüsselspieler aufgestiegen ist. Müller kann bereits auf fast 90 Einsätze in der Challenge League verweisen, ein unheimlich wertvoller Erfahrungsschatz für einen 21-Jährigen. Seine konstante Entwicklung wurde von U21-Nationaltrainer Mauro Lustrinelli nun bereits zum 2. Mal mit einem Aufgebot honoriert. Disziplin, Abgeklärtheit und grundsolide, ehrliche Abwehrarbeit: Müller dürfte über kurz oder lang in der Super League landen.


5) Breston Malula (21): Yverdon-Sport

Breston Malulas Story ähnelt einem Märchen: Im YB-Nachwuchs für zu wenig gut befunden, beim FC Chiasso ausgemustert und im Sommer schliesslich für die 2. Mannschaft von Yverdon-Sport verpflichtet, die in der fünfthöchsten Liga antritt – und doch hat er es in nur einem halben Jahr in die Bronze-Kategorie unseres Rankings geschafft. Uli Forte erkannte Malulas Potential, zog ihn in sogleich in die 1. Mannschaft hoch und hat ihn seit Ende Oktober nicht mehr aus dem Stammteam genommen. Der 1,94m grosse Abwehrschrank ist körperlich robust, durchsetzungsstark und schnell. Seine tolle Athletik wird durch seine Kopfballstärke ergänzt, dank der er bei offensiven Standards stets ein echter Gefahrenherd ist (schon 3 Saisontore). Malula ist eine der Überraschungen dieser Saison – sein Weg dürfte nicht in der Challenge League enden.


6) Karim Sow (18): Lausanne-Sport

Karim Sow gilt schon länger als grosses Versprechen für die Zukunft. Auch er ist sehr gross gewachsen (1,98m) und gehörte im Nachwuchs dank seiner körperlichen Überlegenheit zu den zweikampfstärksten Spielern schweizweit. Im letzten Frühling wechselte er aus der U18-Abteilung der Young Boys zu Lausanne-Sport. Dort ist ihm der Sprung in den Profifussball aber nicht wie erhofft geglückt: Die miserable Verfassung der Mannschaft half seinen Leistungen definitiv nicht, hie und da wirkte Sow wie die gesamte Lausanner Hintermannschaft überfordert. Aber: Der U19-Nationalspieler bringt körperlich alles mit, um dereinst einmal eine gute Karriere zu erleben. Das drohende nächste Jahr in der Challenge League mit Lausanne dürfte ihm persönlich guttun.


Radar


  • Luca Jaquez (18): FC Luzern


  • Enzo Adeagbo (20): Lazio Rom


  • Nikita Vlasenko (20): Excelsior Rotterdam


  • Sidy Diagne (20): Sochaux


  • Yoan Epitaux (21): Neuchâtel Xamax


  • Ilan Sauter (21): FC Wil


  • André Barbosa (21): SC Freiburg


  • Binjamin Hasani (18): FC Aarau


  • Noah Henchoz (20): Servette FC


  • Pascal Hammer (18): FC Winterthur