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Das grosse Ranking der Schweizer Talente – Aussenverteidiger

Aktualisiert: 10. Apr.

Die Bolzplazz-Redaktion widmet sich einem neuen Projekt: In Zusammenarbeit mit professionellen Scouts und Agenten kategorisieren wir die besten Schweizer Talente.


Das Ranking berücksichtigt sämtliche Spieler mit Schweizer Pass, die nach 2000 geboren wurden und bereits im Profifussball zum Einsatz gekommen sind. Für die Kategorisierung von Bedeutung sind zwei verschiedene Komponenten: Einerseits die individuelle Leistung des Spielers in der aktuellen Saison, andererseits dessen Potential. Eingeteilt werden die Talente in drei verschiedene Qualitätsklassen:

  • Gold: Herausragende Leistungen, Potential zu internationaler Klasse

  • Silber: Gute Leistungen, Potential zu überdurchschnittlicher Klasse

  • Bronze: Solide Leistungen, Potential für eine gute Entwicklung

In den kommenden Wochen gehen wir Position für Position durch. Heute im Fokus: Die Aussenverteidiger. Talentierte Spieler, die es knapp nicht ins Ranking geschafft haben, führen wir in der Einzelkategorie Radar auf.


3) Aussenverteidiger


Die Aussenverteidiger-Positionen sind in der Schweizer Nati auf Sicht grundsätzlich gut besetzt. Silvan Widmer, Kevin Mbabu, Ricardo Rodriguez, Ulisses Garcia, Jordan Lotomba, Silvan Hefti und Cédric Brunner sind allesamt unter 30 und in einer Top-5-Liga engagiert. Dahinter gibt es einige weitere interessante Spieler, die perspektivisch dereinst einmal für einen Nati-Platz in Frage kommen, etwa Kevin Rüegg, Miro Muheim oder Isaac Schmidt. Ein Fragezeichen tut sich auf Sicht aber hinten links auf: Nur zwei all dieser aufgezählten Spieler wurde als Linksverteidiger ausgebildet (Rodriguez, Garcia), die anderen drei Kandidaten rückten alle erst im Verlaufe ihrer Karrieren auf diese Position (Lotomba, Muheim, Schmidt). Wartet die nächste Generation also endlich wieder mit einem "echten" Linksverteidiger von internationaler Klasse auf?


Gold


Die Antwort darauf lautet aktuell (noch) nein. Auch auf der Rechtsverteidigerposition sieht es nicht anders aus: Von allen nach 2000 geborenen Schweizer Spielern verleihen wir keinem das Prädikat Gold. Das könnte sich aber im nächsten Jahr ändern, schliesslich gibt es den ein oder anderen Aussenverteidiger, der in dieser Saison mit einer positiven Entwicklung auf sich aufmerksam gemacht hat.


Silber


1) Lewin Blum (20): BSC Young Boys

Er ist die logische Wahl für den ersten Platz: YB-Eigengewächs Lewin Blum hat in dieser Saison einen steilen Aufstieg hingelegt. Im Sommer wurde er zu Yverdon-Sport in die Challenge League verliehen, wo er sogleich Fuss fasste und sich mit bestechenden Leistungen ins Schaufenster spielte. Die Young Boys beorderten ihn im Winter nach Silvan Heftis Verkauf als dessen Ersatz zurück – und seither ist er aus der ersten Elf nicht mehr wegzudenken. Blum ist schnell, technisch stark und clever im Zweikampf. Seine tollen Leistungen brachten dem jungen Rechtsverteidiger nun sein erstes U21-Nati-Aufgebot ein. Lustrinelli stellte ihn gegen Wales (5:1) und die Niederlande (0:2) aber nicht etwa auf seiner angestammten Position auf, sondern hinten links. Eine Aufgabe, die Blum ohne mit den Wimpern zu zucken und in gewohnt abgeklärter Manier erledigte.


2) Malik Sawadogo (18): Servette FC

Über nicht minder grosses Potential verfügt Servettes junger Linksverteidiger Malik Sawadogo. Der 18-jährige wurde auf diese Saison hin als Backup für Altmeister Gaël Clichy aus der U21 in die 1. Mannschaft befördert. Bevor ihn ein Meniskusriss ausser Gefecht setzte, absolvierte er in der Hinrunde vier Einsätze in Alain Geigers Equipe. Sawadogo ist wendig, stark im Eins-gegen-Eins und giftig gegen den Ball. Gewisse defensive Defizite (Stellungsspiel oder Timing) sind in seinem Alter normal und angesichts der mangelnden Erfahrung unvermeidbar. Bis zu seiner Verletzung war Sawadogo in Bruno Berners Schweizer U19-Auswahl gesetzt und gefiel auch dort mit seinem Offensivdrive und seiner Explosivität. Entwickelt er sich im gleichen Tempo weiter, könnte er in Genf auf Sicht die Nachfolge von Clichy antreten.


Bronze


1) Adrian Gantenbein (20): FC Winterthur

Adrian Gantenbein hat sich in kurzer Zeit zu einem der spannendsten Verteidiger der Challenge League entwickelt. Im Alter von 20 Jahren hat der Schweizer U21-Nationalspieler (6 Einsätze) bereits 55 Partien für seinen Heimatverein absolviert und ist – wenn fit – beim FC Winterthur seit über einem Jahr hinten rechts gesetzt. Gantenbein ist körperlich robust, temporeich und wartet mit resoluter Zweikampfführung auf. Überdies verfügt der Rechtsverteidiger über gute technische Fähigkeiten und ein sauberes Passspiel. Aktuell laboriert er an einer mühsamen Oberschenkelverletzung, was aber nicht ausschliesst, dass wir ihn ab Sommer in der Super League sehen werden: Entweder als Aufsteiger mit Winti, oder aber als Neuzugang für einen Verein mittlerer Grösse.


2) Pascal Schüpbach (21): FC Thun

Pascal Schüpbach entstammt dem YB-Nachwuchs und galt lange als grosse Zukunftshoffnung. Sein Debüt in der 1. Mannschaft feierte der Linksverteidiger im Sommer 2020, kurz darauf wurde er an den FC Winterthur verliehen, um Spielpraxis zu sammeln. Dort gefiel er mit Dynamik, Tempo und schwungvollen Vorstössen über die linke Aussenbahn, wurde aber bald von Verletzungsproblemen gestoppt. Beim FC Thun sollte er in dieser Saison einen neuen Anlauf nehmen und sich das Rüstzeug für eine allfällige Rückkehr zu YB aneignen. Das Vorhaben geht auf: Schüpbach zählt zum erweiterten Stammpersonal und ist fast verletzungsfrei geblieben. Der Leihvertrag des U21-Nationalspielers läuft im Sommer aus – wie es mit ihm weitergeht ist noch völlig offen.


3) Silvan Wallner (20): FC Zürich

Der gesamte FC Zürich hat von der Amtsübernahme André Breitenreiters profitiert. Der gesamte Verein? Nein! Silvan Wallner zählt in dieser Saison zu den grossen Verlierern des Trainerwechsels. Der rechte Aussenverteidiger gehörte 2020/21 zum erweiterten Stammpersonal, 19 Super-League-Einsätze standen zu Buche. In dieser Saison sind es nur noch deren zwei, meistens muss der 20-jährige in der Promotion League mit der 2. Mannschaft ran. Wallner hat seine Stärken im defensiven Bereich und kann auch als rechter Innenverteidiger in einer Dreierkette aufgestellt werden. Dank seinen guten Auftritten in der Zürcher Zweitvertretung und in der U20-Nati muss er für die nächste Saison wieder ein Thema für die 1. Mannschaft sein.


4) Filip Frei (21): FC Wil

Auch Filip Frei entstammt der FCZ-Akademie. Seit Sommer steht er leihweise beim FC Wil unter Vertrag, wo er eine gute erste Saison im Profifussball zeigt. Frei ist schnell, trickreich und entwickelt viel Zug zum gegnerischen Tor. Ein grosser Vorteil des früheren U-Nationalspielers ist seine Polyvalenz. Der gelernte Rechtsverteidiger kann auch hinten links oder auf dem Flügel aufgestellt werden. Frei kann zudem Auslandserfahrung vorweisen: Von 2019 bis 2020 verbrachte er ein Lehrjahr in der Jugend von Ajax Amsterdam, wo er u.a. in der UEFA Youth League auflief. Ob er ab nächster Saison eine Rolle in der 1. Mannschaft des FCZ einnehmen kann, steht noch in den Sternen.


5) Benjamin Kabeya (20): BSC Young Boys

Ein sehr spannender Spieler wächst zurzeit in Bern heran: Benjamin Kabeya amtete als Kapitän diverser YB-Nachwuchsteams und figurierte in dieser Rückrunde bereit einige Male im Spieltagskader des Meisters. Kabeya ist physisch robustes, technisch versiertes Energiebündel, das auf der rechten defensiven Aussenbahn mit seinen Qualitäten im Zweikampf und im Eins-gegen-Eins überzeugt. Dank seiner Ball- und Passsicherheit kann der 20-Jährige auch im defensiven Mittelfeld spielen, bevorzugt selber aber die RV-Position. Kabeya könnte als Teil des Wiederaufbaus im Sommer einen fixen Kaderplatz erhalten.

Mehr zu Kabeya: Swiss Talent Watch:

https://www.bolzplazz.com/post/swiss-talent-watch-benjamin-kabeya-yb-leader-mit-köpfchen


6) Daniel Leo (20): Juventus

Ein hierzulande wenig bekannter, aber sehr spannender Spieler entwickelt sich in Italien: Rechtsverteidiger Daniel Leo, geboren in Lugano, gehört seit 2019 dem Nachwuchs von Juventus Turin an. Leo wurde im letzten Sommer in die U23 hochgezogen, die auf professionellem Level in der Serie C antritt. Dort nimmt der athletische, durchsetzungsstarke Aussenläufer eine gewichtige Rolle ein, sofern er nicht verletzt fehlt, ist er gesetzt. Ob Leo tatsächlich eine Chance hat, sich in Juventus‘ 1. Mannschaft zu zeigen, darf aber bezweifelt werden. Der Nachwuchs der Alten Dame hat sich in den letzten Jahren immer wieder als Talentgrab entpuppt. Mit seinem Profil dürfte Leo aber dennoch für zahlreiche andere Vereine interessant sein – gut möglich, dass wir ihn bald einmal in der Super League oder Challenge League sehen.


Radar:

  • Marc-Fred Tsoungui (19): Stade-Lausanne-Ouchy


  • Marcin Dickenmann (21): FC Wil


  • Adam Ouattara (21): Neuchâtel Xamax


  • Noel Wetz (21): FC Basel


  • Sandro Theler (21): FC Sion


  • Selmin Hodza (18): FC Zürich



  • Liam Bollati (18): SC Kriens


  • Valton Behrami (18): Servette FC


  • Luis Mestre (19): VfB Stuttgart


  • Jonathan Fontana (18): BSC Young Boys


  • Théo Magnin (18): Servette FC