• Dylan Oppliger

Interview mit Zeki Amdouni: "Bin stolz darauf, Schweizer zu sein"

Der 20-jährige Angreifer, der in diesem Sommer zu Lausanne-Sport gewechselt ist, ist einer jener jungen Schweizer, die man in den nächsten Jahren auf dem Zettel haben sollte. Nach seiner erfolgreichen Zeit bei Stade-Lausanne-Ouchy in der Challenge League und seinen ersten Aufgeboten in die U21-Nati, spricht Amdouni mit uns über seinen ungewöhnlichen Werdegang und Meilensteine seiner Karriere.


Zeki Amdouni: Nach 11 Treffern und 4 Vorlagen für Stade-Lausanne-Ouchy in der Challenge League, folgte vor wenigen Monaten der Schritt zum Lokalrivalen Lausanne-Sport. Für LS hat der U21-Nationalstürmer wettbewerbsübergreifend bereits 4 Treffer erzielt. Amdouni bringt ein attraktives "Strassenfussball-Flair" mit, sein Spielstil ist auf Dribblings, Intuition und Unberechenbarkeit ausgelegt. Technisch beschlagen und abschlussstark, hat sich der gebürtige Genfer landesweit einen Namen gemacht. Das Interview mit Zeki Amdouni führte Dylan Oppliger.


Lozza Football / Dylan Oppliger: Dein Karriereweg ist heutzutage eher untypisch: Du hast dich nach oben gekämpft, ohne durch eine Nachwuchsakademie geschritten zu sein. Wie blickst du jetzt auf deinen Weg? Wie wird er von deiner Entourage und deinen Teamkollegen wahrgenommen?

Es stimmt, dass ich nicht den gleichen Hintergrund habe wie die meisten Spieler, die es in den professionellen Bereich geschafft haben. Fast alle von ihnen haben die U18-Akademien und U21-Teams durchlaufen, nur ich nicht. Als ich in der U16 (Gruppe II) bei Etoile Carouge angekommen war, konnte ich mir nicht vorstellen, in den "klassischen" Juniorenstufen zu spielen, da ich immer in der Elite (FE 13/14, etc.) war. Der Wechsel in den Breitensport war in dieser Hinsicht ein kleiner Schock für mich. Als ich in der Coca-Cola Junior League A ankam, traf ich aber einen Trainer, der mir sehr geholfen hat, mich körperlich weiterzuentwickeln und mir mein Selbstvertrauen zurückgab. Heute empfinde ich meinen umständlichen Weg nach oben nicht mehr als Nachteil, der zusätzliche Erfahrungsschatz ist jetzt eine Stärke.


Vor deinem Wechsel in den Breitensport warst du eine Zeit lang im Nachwuchs von Servette. Wie hast du deinen Rauswurf in Genf erlebt? Was ging in deinem Kopf vor sich, als du mit 13 Jahren aus der Elite zu einem kleinen Amateurverein wechseln musstest?

In der U13 bei Servette erlitt ich eine schwere Verletzung, die es mir nicht erlaubte, ein einziges Spiel zu absolvieren. Die Verantwortlichen jedoch versicherten mir, dass sie keinen verletzten Spieler entlassen würden. Am Ende der Saison trafen wir uns, um über die Zukunft zu sprechen, da wir wussten, dass im darauffolgenden Jahr, in der U14, die Sportschule im Rahmen der Oberstufe beginnen würde. Meine Optionen nach Servette hiessen Meyrin FC oder Etoile Carouge in der U14. Ihre Entscheidung war es, mich nach Meyrin zu schicken, weit weg von zu Hause. In meinem Kopf war der Traum vom Profifussball aber noch nicht vorbei, denn ich kannte meine Qualitäten, und mit 13 Jahren dachte ich nicht wirklich über die Hindernisse nach. Dennoch: Nach dem Ende bei Servette war ich definitiv sehr enttäuscht.


"Heute empfinde ich meinen umständlichen Weg nach oben nicht mehr als Nachteil, der zusätzliche Erfahrungsschatz ist jetzt eine Stärke."


Nach Meyrin kam für dich der Schritt zu Etoile Carouge, wo du dich wirklich profilieren konntest. In der Saison 2017/18 habt ihr die Coca-Cola Junior League A gewonnen und habt danach in der 1. Liga gespielt. Hattest zu diesem Zeitpunkt noch die Hoffnung, in den Profifussball zu kommen?

Vor unserem Triumph habe ich eine ganze Saison lang am Wochenende in der Coca-Cola Junior League gespielt, aber unter der Woche konnte ich mit der ersten Mannschaft von Carouge trainieren, allerdings ohne jemals dort zu spielen. In der folgenden Spielzeit setzten wir dieses Modell fort und ich durfte weiter am Training der ersten Mannschaft teilnehmen. Am Ende durfte ich dann im "Eins" bleiben und bestritt insgesamt 14 Spiele, wobei ich mit der A-Mannschaft die interregionale Meisterschaft gewann. In der nächsten Saison (2018/2019), als Etoile Carouge in die Promotion League aufstieg, lief es mir sehr gut (14 Tore in 29 Einsätzen), vor allem in der Rückrunde, denn in der Hinrunde habe ich nicht viel gespielt. Aber um auf deine Frage zurückzukommen: Die Hoffnung hatte ich immer.


Nach dieser für dich hervorragenden Saison konntest du dich mit dem Wechsel zu Stade-Lausanne-Ouchy endlich der Profiwelt annähern. Was bedeutete dieser Transfer in die Challenge League für dich?

Bevor ich meinen ersten Vertrag bei SLO unterschrieb, sah ich viele junge Spielerin meinem Alter, die bereits Jahre zuvor einen Profivertrag unterschrieben hatten. Anfangs dachte ich, ich sei zu spät dran. Als ich dann mit 18 Jahren erstmals unterschreiben konnte, wurde mir klar, dass dies keineswegs der Fall war. Ich war sehr glücklich, aber ich konnte es nicht dabei belassen, ich wollte noch viel höher hinaus. Der Wechsel zu SLO war mein erster grosser Schritt, aber es sollte nicht mein letzter sein. Meine Eltern waren nicht unbedingt dafür, denn trotz meinem Vertrag hatte ich noch keine wirklichen Gewissheiten. Ausserdem musste ich die Schule abbrechen, so dass sich viele Dinge in meinem täglichen Leben änderten. Aber ich blieb hungrig und konnte mich nicht mit dem zufrieden geben, was ich erreicht hatte.


via 20min.ch

Im März 2021 nahmst du eine Einladung der türkischen U21-Auswahl an... Aber im Mai bist du zum SFV zurückgekehrt und spieltest erstmals für die U21-Nati. Kannst du uns mehr über dieses Hin und Her erzählen?

Mit der türkischen U21 hat es nicht so gut geklappt. Ich kannte niemanden, ich war nicht unbedingt in die Gruppe integriert, und irgendwie passte es nicht so richtig. Die Nationalmannschaft ist ein wichtiges Thema, die Wahl muss wohlüberlegt sein. Als sich mir schliesslich wenig später die Gelegenheit bot, der Schweizer U21-Auswahl in einem besseren Arbeitsumfeld beizutreten, habe ich nicht gezögert. Ich hatte mehrere Optionen, neben der Türkei auch Tunesien. Aber ich bin hier aufgewachsen, bezüglich Mentalität und Integration liegt mir die Schweiz viel näher, weswegen es nur logisch ist, auch für die Nati zu spielen. Ausserdem kannte ich viele der Spieler bereits, so dass ich mich viel schneller an die Mannschaft gewöhnen konnte.


"Nur weil deine Eltern ausländischer Herkunft sind, heisst das nicht, dass du selber nicht Schweizer sein kannst. Ich bin stolz darauf, Schweizer zu sein. "

Nach deinem starken Start mit der U21 (3 Tore in 2 Quali-Partien) kommt natürlich auch das Thema A-Nati auf. Ist sie ein konkretes Ziel von dir?

Im Moment denke ich nicht unbedingt an die A-Nationalmannschaft, aber eine WM- oder EM-Teilnahme ist zweifellos ein Traum. Daher kann man schon sagen, dass die A-Nati mein Ziel ist. Irgendwann möchte man das Land repräsentieren, aus dem man kommt, in dem man aufgewachsen ist. Nur weil deine Eltern ausländischer Herkunft sind, heisst das nicht, dass du selber nicht Schweizer sein kannst. Ich bin stolz darauf, Schweizer zu sein.


Nach zahlreichen Spekulationen im Sommer 2021 wurdest du schliesslich zum anderen Club in Lausanne transferiert, Lausanne-Sport. Am 25. September standest du zum 3. Mal in der Super League in der Startelf und das in einer für dich persönlich bedeutsamen Affiche: Ihr seid auf deinen alten Verein Servette getroffen (Endstand: 1:1). Wie hast du dieses Spiel erlebt?

Diese Partie war etwas ganz Besonderes für mich. Natürlich hat es mich sehr motiviert, gegen meinen ehemaligen Verein zu spielen, gerade nach dem, was in der Vergangenheit passiert ist. Ausserdem ist es etwas sehr Spezielles, gegen den Verein aus deiner eigenen Heimatstadt zu spielen, vor vielen Menschen, die man selber kennt und die dich ebenfalls schon immer gekannt haben. Ich hatte während diesem Spiel einen zusätzlichen Adrenalinstoss, den ich noch nie zuvor gespürt hatte.


Zum Abschluss dieses Interviews: Was würdest du jungen Spielern raten, die nicht in einer Nachwuchsakademie ausgebildet werden, aber genau wie du den Traum vom Profifussball verfolgen?

Im Leben und im Fussball darf man niemals aufgeben. Alter bedeutet nichts, vor allem, wenn man noch immer jung ist. Meine Karriere ist untypisch, aber nicht einzigartig. Im Fussball geht es sehr schnell, eine oder zwei Saisons, in denen du explodierst, und plötzlich spielst du im Profi-Bereich. Man muss konsequent weitermachen und sich jede mögliche Chance erarbeiten. Wenn sich einem dann eine grosse Gelegenheit bietet, muss man diese voller Überzeugung ergreifen.




Version française

"Je suis fier d’être Suisse" – Entretien avec Zeki Amdouni

L’attaquant de 20 ans, qui a posé ses valises au Lausanne Sport lors du dernier mercato estival est évidemment l’un des jeunes joueurs suisse à suivre ces prochaines années. Après son excellent passage en Challenge League avec le Stade Lausanne, ses premières sélections avec les Rougets, le Genevois nous parle de son parcours et des passages importants de sa jeune carrière. Entretien.


Lozza Football/ Dylan Oppliger : On peut le dire tu as une trajectoire assez atypique, sans être vraiment passé par une académie élite. Es-tu fier de ce parcours ? Comment est-ce perçu parmi tes coéquipiers et ton entourage ?

Il est vrai que je n’ai pas le même parcours que la plupart des joueurs qui évoluent dans le monde professionnel. Presque tous sont passés par des académies M-18 et équipes M-21, contrairement à moi. Lorsque j’étais en M-16 (groupe II) à l’Etoile Carouge, en aucun cas je me voyais aller dans les classes juniors « classiques », étant donné que j’avais toujours été en élite (FE 13/14, etc.). C’était synonyme d’échec pour moi. Arrivé en A inter j’ai rencontré un coach qui m’a beaucoup aidé à progresser physiquement et à me redonner confiance en moi. Mais à l’heure actuelle, ça ne change plus rien, c’est désormais une force.


Concernant ton parcours justement, comment as-tu vécu ta mise à l’écart du Servette FC ? Que se pass-t-il dans sa tête lorsqu’on a 13 ans et que l’on quitte Servette pour un club moins en vue ?

En M-13 à Servette j’ai subi une grosse blessure qui ne m’a pas permis de jouer un seul match, mais le discours des responsables était qu’ils ne viraient pas un joueur blessé. Cependant, arrivé à la fin de la saison nous avions les réunions pour parler de notre futur, sachant que l’année suivante, en M-14, le dispositif «sport-études» au cycle débutait. Les options post-Servette étaient alors soit le Meyrin FC, soit l’Etoile Carouge en M-14. Leur choix a été de m’envoyer à Meyrin, loin de chez moi. Dans ma tête ce n’était pas fini car je connaissais mes qualités et qu’à 13 ans, on va dire je ne pensais pas vraiment trop à ça, mais j’étais déçu c’est sûr.


"Avant avant de signer mon premier contrat avec le SLO, je voyais beaucoup de jeunes de mon âge signer professionnel, je croyais que, moi, j’étais en retard."

Après Meyrin tu passes par l’Etoile Carouge justement, où tu te dévoiles réellement. Lors de la saison 2017-2018, tu remportes le championnat A inter, en jouant aussi en 1ère Ligue. A ce moment-là, ton espoir de réussir dans le foot persiste-t-il ?

Avant ça, pendant une saison entière je jouais en A inter le week-end, mais je m’entrainais avec la première équipe de Carouge la semaine, sans jamais y jouer. La saison d’après justement, j’étais en A inter, en ayant la chance de continuer à m’entraîner avec la première. J’ai ensuite pu y rester et jouer 14 matchs, tout en gagnant le championnat « interrégional » avec les A. La saison d’après (2018/2019), celle de la montée en Promotion League, tout allait bien (14 buts en 29 appariations), particulièrement au deuxième tour, car au premier tour je n’ai pas énormément joué, mais oui, on va dire que j’avais toujours espoir.


Après cette excellente saison pour toi, tu te rapproches enfin du monde professionnel avec un transfert au Stade Lausanne Ouchy. Comment vis-tu ce premier accomplissement ? Qu’est-ce que tu retiens de tes deux années en Challenge League ?

Avant de signer mon premier contrat avec le SLO, je voyais beaucoup de jeunes de mon âge signer professionnel, je croyais que, moi, j’étais en retard. Mais cette signature, à l’âge de 18 ans m’a fait me rendre compte que ce n’était pas du tout le cas. J’étais très content, mais pour moi je ne pouvais pas m’arrêter là, il fallait viser plus haut. C’était ma première grande étape, mais ça ne devait pas être la dernière. Mes parents n’étaient pas forcément favorables à ça, car malgré ma signature, je n’avais toujours pas de vraies certitudes. En plus, j’ai dû arrêter l’école, donc beaucoup de choses ont changé dans mon quotidien, mais je ne pouvais pas me contenter seulement de ce que je venais d’accomplir.


via 20min.ch

En mars 2021 tu choisis de représenter la Turquie avec les espoirs… Mais en mai de la même année, tu décides finalement de jouer pour les Rougets et donc la Nati M21. Explique-nous ce choix.

Avec la sélection espoirs de la Turquie ça ne s’est pas idéalement déroulé. Je ne connaissais personne, on ne m’a vraiment intégré au groupe et le courant n’est pas passé. La sélection c’est quelque chose d’important, donc lorsque j’ai eu l’opportunité de rejoindre la Suisse, dans un meilleur cadre, je n’ai pas hésité. Certes j’avais encore la Turquie et même la Tunisie comme option, mais j’ai grandi ici, au niveau de la mentalité et de l’intégration, c’est beaucoup mieux de jouer pour la Suisse. En plus de cela, je connaissais une grande partie des joueurs donc au niveau de l’adaptation, c’était idéal.


"Ce n’est pas parce que tes parents sont d’origine étrangère, que tu n’es pas Suisse, et moi je suis fier d’être Suisse. "

Après tes très bons débuts avec les espoirs, représenter le Nati est une priorité pour toi ?

Pour le moment, je ne pense pas forcément à l’équipe de Suisse A, mais jouer une Coupe du Monde ou un Euro c’est un rêve, donc au final c’est quand même une priorité. Arrivé à un moment, tu as envie de représenter le pays d’où tu viens, là où tu as grandi. Ce n’est pas parce que tes parents sont d’origine étrangère, que tu n’es pas Suisse, et moi je suis fier d’être Suisse.


Après de longues spéculations durant le mercato estival 2021, tu es transféré dans l’autre club de Lausanne, le LS. Le 25 septembre, tu fêtes ta troisième titularisation en Super League, mais celle-là est un peu spéciale car c’est contre ton ancien club le Servette FC, comment as-tu vécu ce match ?

Ce match était spécial pour moi. Évidemment jouer contre son ancien club, avec ce qu’il y a eu par le passé, ça m’a beaucoup motivé. De plus, jouer contre le club de ta ville, devant énormément de personnes que tu connais, qui te connaissent depuis toujours, c’est particulier. J’ai eu une montée d’adrénaline en plus, que je n’avais jamais ressenti.


Pour conclure cet entretien, aurais-tu un conseil à donner aux jeunes qui ne sont pas en académie mais qui espèrent atteindre le monde professionnel un jour ?

Dans la vie comme dans le foot, il ne faut rien lâcher. L’âge ne veut rien dire, surtout quand on est encore jeune. Mon parcours est atypique, mais pas unique. Le foot ça va très vite, une ou deux saisons où tu exploses et tu peux te retrouver professionnel. Il faut continuer sans relâche et mettre toutes les chances de son côté, même s’il n’y a pas que ça évidemment. L’opportunité, quand elle se présente à toi, il faut la saisir et ne plus jamais la lâcher.