• Emanuel Staub

5 Transfers für den FC Basel - so kommt der gefallene Riese aus seinem tiefen Tal

Aktualisiert: 28. Jan. 2021

Der FC Basel hat in den vergangenen Jahren tiefe Täler durchschritten. 2020/21 setze er aber neue Tiefpunkte: Man verpasste die Europa League blamabel und in der Super League ist der Punkteabstand zum Barrageplatz fast gleich gross wie die Lücke zu YB. Wie kann der FCB endlich aus diesem Negativkreislauf ausbrechen? Bolzplazz präsentiert fünf Transfers, die den 20-fachen Schweizer Meister zurück in die Spur bringen könnten.

© FC Basel 1893 / Luca Cavegn

Durch das Ausbleiben von Geld aus dem Europacup in dieser Saison und die finanziellen Einbussen durch die Corona-Pandemie, muss der FCB zuerst Spieler von der Lohnlise streichen, bevor er wirklich in neues Spielermaterial investieren kann. Welche Spieler sollten also abgegeben werden? Weit oben auf der Streichliste steht Aldo Kalulu (25), für den der FCB 2018 eine Millionensumme zahlte, die der Franzose aber nie rechtfertigen konnte. Im Sommer läuft sein Vertrag aus, will man mit ihm aber noch (ein wenig) Geld machen, wäre jetzt die letzte Gelegenheit dazu. Für Kalulu gäbe es vielleicht in Frankreich einen Markt. Ebenfalls verkaufen sollte der FC Basel Samuele Campo (25). Der Edeltechniker konnte sich nie restlos durchsetzen und scheint unter Sforza keine Zukunft mehr zu haben. Jüngst wurde der FC Luzern als möglicher Interessent gehandelt, aber auch ein Wechsel in eine untere europäische Liga (Serie B, La Liga 2, Ligue 2) käme wohl in Frage.

Zu guter Letzt sollte der FCB darüber nachdenken, den kürzlich wohl dauerhaft zur Nummer 2 degradierten Torwart Djordje Nikolic (23) abzugeben. Es scheint zu viel Geschirr zebrochen zu sein, als dass aus diesem Verhältnis noch echte Liebe werden könnte. Ein Verkauf des Serben würde zudem den positiven Nebeneffekt haben, dass Heinz Lindner (30) der Rücken gestärkt würde und er sich von keinen Nebengeräuschen und kontroversen Torwartdiskussionen mehr ablenken lassen müsste.


Mit dem eingenommenen Geld durch diese Spielerverkäufe und die eingeparten Lohnsummen, hätte der FCB mehr Handlungsspielraum auf dem Transfermarkt. Wie soll er dieses Geld nun investieren? Wir analysieren die Problemzonen der Basler und nennen fünf Zugänge, die den FCB wieder gross machen könnten.


Defensive

Das Innenverteidigerduo Eray Cömert (22) und Timm Klose (32) ist unter Sforza gesetzt. Während Cömert in der Vergangenheit immer wieder mit einem Wechsel ins Ausland kokettierte und wohl zu den heissesten FCB-Aktien im kommenden Sommer gehört, ist Klose im Herbst seiner Karriere angelangt. Ob sein auslaufender Vertrag verlängert wird, steht noch nicht fest. RB-Salzburg-Leihgabe Jasper van der Werff (22) konnte sich nicht nachhaltig empfehlen und die Kaufoption dürfte kaum gezogen werden.

Wirklich sattelfest zeigte sich die FCB-Defensive in dieser Spielzeit nicht - nach 15 Spieltagen stehen 20 Gegentore zu Buche. Während letzte Saison die ligaweit beste Defensive gestellt wurde (38 Gegentore), gehört man nun zu den schwächsten Abwehrreihen. Ein paar weitere Zahlen die dies verdeutlichen: 2020/21 hat der FCB den höchsten "expected Goals against"-Wert (28.82), lässt also ligaweit am meisten potentiell torgefährliche Situationen zu. Dies deckt sich damit, dass die Basler in der Super League am meisten Torschüsse aller Teams zugelassen haben (249). Klar ist also - ungeachtet dessen, ob Cömert und Klose über den Sommer hinaus am Rheinknie bleiben - dass die Qualitätsdecke in der Abwehr erhöht werden muss. Gerade fürs defensive Zentrum muss ein neuer Spieler verpflichtet werden. Dort verfügt der FCB zwar mit Albian Hajdari (17) über ein hoffnungsvolles Talent, jedoch muss ein Spieler verpflichtet werden, der im Stande ist, die Defensive sofort zu stabilisieren.


Stefan Knezevic, 24: FC Luzern

Das Luzerner Eigengewächs hat seit seinem Kreuzbandriss-Comeback im Sommer 2019 eine sehr gute Entwicklung genommen und gehört in dieser Saison zu den zuverlässigsten Innenverteidigern der Liga. Der ehemalige Schweizer U21-Internationale besitzt nach wie vor Steigerungspotential und könnte dem FC Basel in Zukunft einen schönen Millionenerlös einbringen. Knezevic glänzt in dieser Saison mit einer Passquote von 91% und gewinnt starke 75% aller Defensivduelle. Mit seinen 1,87m hat er aber im Kopfballduell noch Luft nach oben, so verzeichnet er in diesem Bereich eine Erfolgsquote von nur 53%. Trotz dieses Mankos könnte er den FCB sofort verbessern. Mit seiner kompromisslosen Zweikampfführung würde er die Basler Defensive direkt aggressiver und bissiger machen. Stefan Knezevic kennt die Liga sehr gut, er wäre definitiv eine Verstärkung für den FCB und ist sicher gewillt, den nächsten Karriereschritt zu nehmen. Extrem teuer dürfte Knezevic nicht werden – der FCL ist ebenfalls auf Geld angewiesen und hat mit seinem Abwehrspieler nur noch eineinhalb Jahre Restvertrag.

Alternativen zu Knezevic wären etwa Noah Loosli (24) von Lausanne-Sport oder Akos Kecskes (25) vom FC Lugano. Beides sind ähnliche Spielertypen wie der Luzerner und wären allemal gute Einkäufe für den FCB.


Neben der Innenverteidigung sind auch die defensiven Aussenpositionen sanierungsbedürftig. Zwar steht mit Nati-Star Silvan Widmer (27) ein hervorragender Rechtsverteidiger im Kader, jedoch gibt es kein wirkliches Back-up für ihn. Gelernte Linksverteidiger hingegen hat der FCB mit Jorge (24, verletzt), Raoul Petretta (23) und Andrea Padula (24) gleich drei. Fiel Widmer in dieser Saison aus, wurde er meist von Andrea Padula vertreten. Der FCB braucht aber ohne Zweifel einen "richtigen" Rechtsverteidiger, der im Stande wäre, Silvan Widmer perspektivisch im Falle eines Abgangs zu ersetzen.


Fabio Fehr, 21: Grasshoppers Zürich

Ein guter Perspektivtransfer für den FCB wäre der Zuzug von GC-Youngster Fabio Fehr. Der U20-Nationalspieler kann auf der Aussenbahn auch offensiver eingesetzt werden, wurde in dieser Spielzeit aber zumeist als Rechtsverteidiger aufgestellt. Trotz starker Konkurrenz konnte sich Fehr bei GC festspielen und überzeugte als Allrounder. Für den FC Basel wäre Fehr ein Projekt, das, wenn es gut laufen sollte, dereinst einmal Silvan Widmer gleichmässig ersetzen könnte – und sonst ein sehr solides Back-up wäre. Fehr ist ein offensiver Rechtsverteidiger und kommt in dieser Saison bereits auf 3 Torvorlagen. Er ist sowohl wendig und dribbelstark (65.4% Dribbelquote), als auch hartnäckig gegen den Ball. Trotz seiner 1,79m ist er überraschend gut in der Luft und gewinnt starke 75.5% seiner Kopfballduelle dank hervorragendem Timing und Sprungkraft. Ein Transfer von Fabio Fehr würde für den FC Basel absolut Sinn ergeben, nicht nur würde mehr Kadertiefe geschaffen werden, sondern man hätte vielleicht bereits einen potentiellen Nachfolger für Silvan Widmer gefunden.

Alternativen mit einem ähnlichen Profil wären etwa Raoul Giger (23) vom FC Aarau oder Sandro Ingolitsch (23) von Sturm Graz.


Mittelfeld

Im FCB-Mittelfeld tummelt sich mit Taulant Xhaka (29), Fabian Frei (32), Pajtim Kasami (28) und Luca Zuffi (30) reichlich Erfahrung. Junge Spieler wie Yannick Marchand (20) und Orges Bunjaku (19) haben ebenfalls bereits Duftmarken hinterlassen. Der Vertrag von Zuffi läuft im Sommer aus und laut dem Spieler gibt es bereits Verlängerungstendenzen. Aber ob dies sinnvoll ist? Denn das FCB-Mittelfeld altert und die meisten Spieler (mit Ausnahme von Kasami) haben ihren Zenit schon länger erreicht. Der FCB muss also dringend eine Verjüngung seiner Schaltzentrale vornehmen. Kein Team der Liga spielte in dieser Saison weniger Pässe ins letzte Drittel als die Basler. Daneben hat keine andere Mannschaft so wenige Fouls produziert wie der FCB. Es fehlt also einerseits etwas an den kreativen Ideen, andererseits etwas an der Wettkampfhärte und der Aggressivität. Gesucht wird also ein Spieler, der optimalerweise beides vereint und das Potential hat, sofort im FCB-Mittelfeld eine Schlüsselrolle einzunehmen.


Cameron Puertas, 22: FC Lausanne-Sport

Cameron Puertas spielt beim Aufsteiger eine überragende Saison. Der Schweizerisch-Spanische Doppelbürger vereint physische Power und technische Eleganz auf seinen Spielstil. 2020/21 ist er der aktuell vielleicht beste und kompletteste Mittelfeldspieler der Super League. Puertas ist der zweikampffreudigste Spieler der Liga, er kommt auf durchschnittlich 14.78 Duelle pro Partie. Er steht defensiv sehr gut und ist in der Balleroberung für Lausanne elementar. Mit viel Energie und Dynamik jagt Puertas in der Rückwärtsbewegung unerbittlich den Bällen nach. Doch der 22-Jährige ist kein reiner Zerstörer: Vielmehr weiss er auch etwas mit dem Ball anzufangen. In 14 Partien kommt er auf 2 Tore und 2 Assists, glänzt mit einer Passquote von 86%, und initiert mal um mal Lausannes Vorstösse. Puertas wäre so etwas wie der FCB-Königstransfer in dieser Liste. Billig würde er nicht werden, aber dafür bekäme man in Basel einen der attraktivsten Spieler des Landes. Seine Wertaktie wird in den kommenden Jahren weiter steigen und er dürfte schon bald interessant fürs Ausland werden. Puertas wäre genau der richtige Mann, um dem FCB-Mittelfeld wieder Charakter und mehr Schwung zu geben. An der Seite von Pajtim Kasami könnte der gebürtige Lausanner das Basler Zentrum zum qualitativ besten Mittelfeld des Landes transformieren.

Lausanne dürfte hingegen kaum gewillt sein, seinen Schlüsselspieler an einen Ligakonkurrenten zu verlieren. Sollte ein Deal unmöglich sein, könnte der FCB als Alternative Anto Grgic (24, FC Sion) oder Toni Domgjoni (22, FC Zürich) anpeilen.


Angriff

Obwohl in dieser Spielzeit die drittbeste Offensive der Liga im Joggeli zuhause ist, braucht der FCB dringend Verstärkung im Angriff. Zu abhängig ist man von den Toptorjägern Arthur Cabral (22, 7 Saisontore) und Pajtim Kasami (6 Saisontore). Gemeinsam zeichneten sie sich verantwortlich für 66% aller FCB-Ligatore. Der brasilianische Spektakelstürmer Cabral dürfte zudem den FC Basel in den nächsten zwei Jahren verlassen und in eine grössere Liga wechseln. Mit Ricky van Wolfswinkel (31) hat man nur einen gestandenen weiteren Stossstürmer im Kader – der in dieser Saison übrigens noch kein einziges Mal getroffen hat. Auf den offensiven Flügelpositionen verfügt man mit Edon Zhegrova (21), Afimicio Pululu (21) und Valentin Stocker (31) durchaus über Qualität, jedoch ist die Torausbeute der beiden Erstgenannten noch sehr ausbaufähig (beide je 1 Saisontor). Mit Julian Vonmoos (19), Kaly Sene (19) und Lirik Vishi (19) hat der FCB vielversprechende Talente in der Hinterhand, die aber alle noch keinen Nachweis erbracht haben, richtige Stützen für den Angriff sein zu können. Wir halten also Ausschau nach einem Mittelstürmer, der hinter Cabral reifen und diesen nach dessen potentiellen Abgang ersetzen kann, und einem erfahrenen Flügel, der eine Scoring-Garantie mitbringt.


Florian Krüger, 21: FC Erzgebirge Aue

Der Deutsche U21-Nationalspieler dürfte nur aufmerksamen Beobachtern der zweiten Bundesliga ein Begriff sein. 1,86m gross, sehr schnell und wendig, kopfballstark und extrem abgezockt vor dem Tor: Florian Krüger gehört zu den grössten Sturmtalenten in Deutschland. In 17 Ligapartien erzielte er für Aue 8 Tore und gab 5 Vorlagen. Ohne Zweifel würde Krüger in der Super League keine grossen Anpassungsschwierigkeiten haben, als das Niveau mit dem Deutschen Unterhaus vergleichbar ist. Für Krüger wäre ein Wechsel zum FC Basel der optimale nächste Schritt: Er könnte seine Fähigkeiten bei einem grösseren Klub zeigen und im Optimalfall internationale Erfahrung sammeln. Der FCB hätte mit Krüger jemanden, der neben Cabral als Stossstürmer Tore erzielt und alle Anlagen mitbringt, den Brasilianer dereinst einmal vergessen zu machen. Der FCB täte gut daran, Florian Krüger intensiv zu beobachten und ihm einen Wechsel in die Schweiz schmackhaft zu machen.

Als mögliche Alternativen zum Deutschen könnten z.B. Rodrigo Pollero (24) vom FC Schaffhausen oder Gerson Rodrigues (25) von Dynamo Kiew interessant sein.


Sofian Bahloul, 21: FC Chiasso

Der technisch versierte Offensivallrounder kann sowohl auf der Seite, als auch hinter den Spitzen eingesetzt werden. Eigentlich ist es ein Wunder, dass ein Spieler von seiner Klasse noch immmer im Chaos-Klub aus dem Tessin spielt. Nun wäre der perfekte Moment, Bahloul von Chiasso loszueisen. In dieser Saison gelangen dem jungen Franzosen in 13 Partien starke 8 Scorerpunkte (3 Tore, 5 Assists) – notabene in der schwächsten Offensive der Liga. Bahloul ist dribbelstark, geschickt mit dem Ball und hat ein gewisses Spektakel-Flair in seinem Spiel. Der FCB bekäme mit ihm einen der interessantesten Spieler der Challenge League und könnte mit ihm womöglich in ein paar Jahren ein kleines Vermögen machen. An der Seite von erfahrenen Spielern wie Kasami und Stocker könnte Bahloul reifen und sich zu einem erstklassigen Super League-Spieler entwickeln. Ruft der FCB, würde Bahloul wohl kommen.

Als Alternative zum Challenge League-Shootingstar würde auch die Verpflichtung von FCZ-Wirbelwind Tosin Aiyegun (22) oder ein Transfer von ex-Super League-Star Raphael Dwamena (25) Sinn ergeben. Beide hätten das Potential, die Offensive des FC Basel sofort auf ein neues Level zu bringen.


Der FC Basel braucht ganz dringend einen neuen Anstrich. Die hier vorgestellten Spieler könnten dabei helfen, den FCB national wieder nach ganz oben zu bringen.


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